Bordleben

von Manfred Jansen / am 16.08.2018 / in Die Kapitel
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Gestern – Mittwoch – Morgen 07: 55 Uhr: Rüm Hart gleitet leise unter Groß und Genua aus der Hafeneinfahrt raus aufs IJsselmeer. In Medemblik kann man bei West prima die Segel noch im Hafenkanal setzen. Das Wetter ist ruhig und entspannend, der versprochene Seniorenwind hat sich mit ca. 10 Knoten tatsächlich herbei bemüht und ergibt eine wunderbare Backstagbrise. Segeln, wie ich es mag, leise, ruhig, unaufgeregt, mit viereinhalb Knoten. Das reicht. Es ist sogar gerade recht für ein Frühstück mit Aufbackbrötchen und Tee.

Anstrengendes Bordleben …

Kurs Ost, nach Lemmer. Später, südlich Vrouwezand, frischt es ordentlich auf, und mein Schiff bequemt sich zu beständigen 6 Knoten speed. In der Lemmer Bucht (Lemstergeul) beginne ich zu ahnen, dass Makkum vielleicht die bessere Entscheidung gewesen wäre. Tausende von Booten aller möglichen (und unmöglichen) Bauarten sind auf dem Wasser. Skutsjesilen, DIE Regatta der Plattbodenschiffe in Friesland, findet offenbar heute hier statt. Aus der alten Schleuse kommt mir eine Masse an Booten entgegengeschwommen, die beängstigend ist. Alle sind bis an die Belastungsgrenze bevölkert, und die Crews sind außerordentlich gut gelaunt. Das Wegerecht ist außer Kraft gesetzt, man fährt im Millimeter-Modus. In Lemmer selbst gibt’s auch nicht die geringste Chance auf einen Liegeplatz. Anderthalb Stunden brauche ich, bis ich den Stadtkanal und das höllische Chaos hinter mir habe. Fotos? Vergiss es! Die eine an der Pinne, die andere am Gashebel, ich habe schlicht keine Hand frei für ne Kamera.

fertig, der Kahn ist sauber!

In Sloten, Woudsend und Heeg finde ich ebenfalls keinen Liegeplatz. Also lande ich abends, nach 10 Std. und 42 Seemeilen, im Heimathafen Warns. Auch gut, dann habe ich einen ganzen Tag, um in Ruhe das Schiff zu putzen. Das mache ich heute Morgen ausführlichst. Das Schlimmste sind klitzekleine schwarze Flecken, Stecknadelkopf groß, aber sehr hartnäckig. Spinnenscheiße. Da muss man mit der Handbürste bei. Zum Schluss noch Scheiben reinigen und mein Dampfer ist wieder vorzeigbar. Keine halbe Stunde später fängt es an zu regnen und meine frisch gewienerten Scheiben …

… sehen so aus. Also morgen (Freitag) nochmal. So schnell gibt ein Skipper nicht auf – wo doch nachmittags die eheliche Admiralität zur Abnahme erwartet wird … 🙂

Dieser Energieeinsatz verlangt nach einer angemessenen Pause. Dafür eignet sich einer meiner beiden Bord-Gartenmöbel hervorragend, weil er – eigentlich für Einsätze außenbords vorgesehen – sauber ins Cockpit passt. Wie das Foto zustande kam? So:

Morgen kommt Sigrid an Bord. Wir haben dann noch eine Woche gemeinsames Segeln. Bericht folgt natürlich.

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