Eiszeit

von Manfred Jansen / am 04.05.2019 / in Die Kapitel
4

Es ist ein unterkühlter Start in den angeblichen Wonnemonat. Der starke Nordwind bringt polare Temperaturen. Zwar schönen Segelwind auf unserem Trip von Enkhuizen nach Hindeloopen, aber alles ist grau um uns herum. Sigrid hält es, dick eingepackt, trotzdem lange auf dem „Schneewittchensitz“ aus, aber in Hindeloopen angekommen muss als erstes die Bordheizung ran – so zumindest der Plan. Tatsächlich sendet sie – die Heizung – bedenkliche Signale: heftigen weißen Rauch. Habemus Problemus.

Nun ist es so, dass meine Wallas schon immer zickig reagierte, wenn ein strammer Seitenwind ihr genau in den Auspuff bläst (sehr menschlich, kann man ja verstehen). Und tatsächlich liegen wir, wie so oft, im Hylper Haven genau dort, wo’s bei Nordwest schön schaukelt, aber wo der Wind genau auf die Backbordseite zielt. Siehe Titelfoto gaaaanz oben.

Ich versuche zunächst einen alten Trick, der schon früher funktioniert hat und hänge mein Fenderbrett mit Fenderabstand vor den Auspuff um ihm Windabdeckung zu gönnen. Bringt aber nix, die Heizung bleibt zickig und die Bude kalt.

Seit fast acht Jahren – so alt ist Rüm Hart mittlerweile – ärgere ich mich mit dem Sch…ding ab. Was hat sie mir vor allem in den ersten 4 Jahren nicht alles für Probleme gemacht. In der zweiten Hälfte ihres Daseins lief sie zwar ohne Mucken, war aber schlagartig erheblich lauter und blieb dennoch im vorderen Teil des Schiffes völlig – wirklich völlig – wirkungslos. Mittlerweile hängt sie halb auseinander genommen an ihrem Platz, und die Entscheidung ist gefallen: es wird eine neue geben. Kurzfristig, in den nächsten Tagen. Ohne Heizung segele ich nicht nach England.

Warum wir trotzdem immer noch an Bord sind? Das verdanken wir einem einfach genialen Gerät: meinem kleinen „Heizwürfel“, ein Ecomat 2000, der mir schon so oft den Popo gerettet und warm gehalten hat. Natürlich funktioniert das nur mit Landstrom, also im Hafen. Aber dann schafft es dieses kleine Ding, uns den Salon angenehm temperiert zu halten. Und zwar auf geringster Betriebsstufe, trotz eines eiskalten Windes, der uns durchschaukelt. Morgens, wenn ein Skipper mal kurz raus muss, schalte ich ihn ein, und wenn wir dann so wirklich richtig aufstehen, ist unser Lebensbereich warm und trocken. Und das ist jetzt kein heimliches product palcement, sondern echte und sehr angemessene Begeisterung.

Schließen wir für heute mit etwas Schönem. Zum Beispiel mit der Abendsonne, die Rüm Harts Bug und das Kabbelwasser des Hindelooper Hafens in ein wunderbares Lichtspiel taucht. Und damit Gute Nacht (es ist jetzt exakt 23:00 Uhr) und bis bald.

*****

4 Kommentare

  • Lucky says:

    Mit Heizungen musste ich mich auch schon oft genug rum schlagen – das ist echt ärgerlich.

    Schon ein neues Modell ins Auge gefasst?

  • Bruno Klitz says:

    Sonnenuntergang Anfang Mai gegen 23.00 Uhr? Hindeloop – gibt es das auch bei Stockholm? Oder haben die Niederländer schon an der Sommerzeit gedreht? 😁

    • Nein Bruno, da ist mein Geschreibsel offenbar missverständlich. ‚“Es ist jetzt 23 Uhr“ bezieht sich auf die Fertigstellung des Textes, nicht auf das Foto. Das wurde ca. 2 Std. früher aufgenommen.
      Gruß, Manfred