Arbeitswoche

von Manfred Jansen am 14.08.2022 / in Die Kapitel
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Nachdem Ole zwar die Quelle des „reißenden Wassereinbruchs“ gefunden hatte, aber mittlerweile seinem Job wieder ganz klassisch vor Ort in München nachgeht, ist es mein Part, zu „Hammer und Sichel“ zu greifen und den Schaden zu beheben. Hier zunächst das kurze Video, das Ole erwähnte und mir schickte:

 

Der dicke Schlauch, den man formatfüllend sieht, ist der Abgasschlauch vom Motor (von oben links) zum Wassersammler (u.r.), und wie man trotz schwacher Belichtung unschwer erkennen kann, pieselt es dort eifrig daneben. Die Frage ist nur: hat der Wassersammler bzw. dessen Anschlussadapter durch die kurzfristige Überhitzung einen Schaden in Form einer Deformation davongetragen? Ich fange schon mal an, im Netz nach dem passenden Gehäuse zu suchen, beschließe dann aber doch, mit einer Bestellung zu warten und mir zunächst die Geschichte vor Ort genauer anzusehen.

Das verdrehte Corpus Delicti

Aber! Bei Internetrecherche und Mehrfachansicht von Oles Video fällt mir etwas auf: datt Dingens iss verkehrt rum eingebaut!!! Ich traue meinen Augen nicht, aber tatsächlich, IN und OUT sind vertauscht. Rücksprache mit Torsten Schmidt, dem Sirius-Boss. Nützt ja nix, ausbauen, umdrehen, einbauen. Gelingt einfacher, als ich’s befürchtet hatte. Vor allem, weil ich auf die – wie ich voller Eigenlob selber finde – schlaue Idee komme, das Gehäuse vorher mit meiner kleinen Mini-Tauchpumpe zu leeren. Dadurch hält sich die erneute Schweinerei im just eben frisch gereinigten „Boiler-Abteil“ der Rüm Hart’schen Katakomben sehr in Grenzen.

Fassen wir zusammen: Ole hatte kurz vor Amsterdam plötzliche Veränderung des Motorgeräusches, deutlichen Leistungsverlust (egal ob vorwärts o. rückwärts) und wenige Minuten später akustischen Überhitzungsalarm. Er reagiert schnell und richtig: Maschine STOP! Schaden: stark beschädigter Impeller (4 Monate alt), keine Flügel mehr dran. Vermutete Ursache: Gras (derzeit typisch für das Markermeer) oder Plastiktüte im Saildrive, was den Propeller lahmgelegt und gleichzeitig den Kühlwassereinlass verstopft hat.

Almere statt Amsterdamm, segeln statt motoren, Impeller wechseln, Reststücke im sekundären Kühlsystem vorm Wärmetauscher suchen und finden, alles wieder tutti. Motorleistung, -geräusch und Auspuff-Wasserausstoß wieder völlig normal. Siehe auch Oles Bericht hier im Blog.

Einen Segeltag später Wasser im Schiff – siehe oben. Und zwar so, dass die Bilgen vorm Motor und unter der Eignerkoje zu 70 bis 80 % volllaufen. An dieser Stelle bewährt sich mein Wassermelder, den ich 2019 in die kleine Bilge vorm Motor eingebaut hatte – und seine herzgefährdenden 85 dB.

Okay, hängt das jetzt zusammen? Kann sich der Abgasschlauch vom Wassersammler durch dessen Falscheinbau und durch eine Veränderung der Druckverhältnisse im Abgassystem und dem Ausbleiben von Kühlwasser während der kurzen Überhitzung gelöst haben? Oder ist das alles ein zeitlicher Zufall und eine „normale“ Lockerung des Schlauchs, dessen Schellen – ich muss es an dieser Stelle zugeben – ich schon lange nicht mehr nachgezogen habe? Ich werd’s vermutlich nicht befriedigend beantworten können.

Abstieg in die Katakomben

Jedenfalls ist nun alles wieder zusammengebaut, und mehrere Probeläufe und -fahrten zeigen keine erneuten Undichtigkeiten. Ich denke (und hoffe), ich kann das Thema nun ad acta legen. Es bleibt dennoch genug zu tun, meine to do list hat einen Ewigkeitscharakter. Geht vermutlich nicht nur mir so.

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