Rainy night in ….

… Warns, nicht in Georgia. Aber nur eine. Und das hat sogar was. Ich bin fertig mit (fast) allen Arbeiten, die ich auf der Liste hatte, lecker Fischtopf bei Ella, ein paar Biertjes, Espresso hinterher. Der Regen tropft von der Cockpitpersenning, Lichterperlen hängen an der Kante und an der Reling. Hundemüde falle ich in die Koje und lass mich vom böigen Südwest in den Schlaf schaukeln.

und so sieht der Kamm – die Rolltrommel – von innen aus

Den halben Tag hab ich am Vorstag rumgeschraubt, und jetzt endlich – seit Monaten schieb ich’s vor mir her – sieht es so aus, als ob ich auf beiden Vorstagen (Genua und Selbstwendefock) vergleichbare Spannung hätte. Was ich nicht wusste: In den Rolltrommeln steckt tatsächlich ein Wantenspanner. Und wenn ich genau hinschaue: ich glaube sogar in beiden. Das Reff 1 funktioniert auch wieder, war aber eine elende Fummelei.

Zwischenzeitlich gibt’s auch ne neue monatliche  Kolumne für die segeln. Wisst Ihr was ‚Hafenkino‘ ist? Nein? Doch? Egal, kann man hier nachlesen. Viel Spaß (bitte auf die Zeichnung klicken).

5 Jahre Rüm Hart

Es ist: 1. nicht zu glauben und 2. dennoch Tatsache. An diesem Wochenende vor 5 Jahren wurde Rüm Hart in Galamadammen getauft. So schnell geraste Zeit, so lange her und trotzdem gerade erst gestern. Na ja … Die beiden Fotos von damals erinnern an so Vieles, und wer sich noch einmal den alten Blogeintrag anschauen will, mit noch mehr Fotos, kann das HIER tun. Hab ich auch gemacht, na klar.

Lisa (rechts) tauft Rüm Hart, assistiert von ihren Geschwistern Wibke und Ole

Schön ist, dass Sigrid an diesem Wochenende – ich bin wieder in der Neuzeit – dabei ist. Zum ersten Mal segeln nach ihrer Chemo und aus genau diesem schlechten Grund überhaupt zum ersten Mal nach meiner Rückkehr von baltischen Abenteuern. Wir sind also am Geburtstagswochenende auf dem Schiff, segeln von Warns nach Enkhuizen und von Enkhuizen nach Warns. Das Wetter ist mäßig, aber immerhin trocken, der Wind kräftig, was Rüm Hart unter Vollzeug so richtig schön ins Laufen bringt. Passt. Es geht uns gut.

Die zweitägige Segeltour beginnt allerdings ein bisschen – wie soll ich’s sagen – schräg. Nämlich mit meiner Entscheidung, mich für die kommende Zeit in Holland vorübergehend von meinem Heckanker (der mir auf der Ostsee gute Dienste geleistet hatte) zu verabschieden und ihn mit nach Hause zu nehmen. Als ich ihn und die Gurtrolle abbaue, fällt mir die Kinnlade runter: der Gurt ist ca. 1 m hinter dem Anker durchtrennt. Könnte eine Scheuerstelle sein, obgleich ich nichts finde, was als Scheuerkante infrage kommt. Sabotage? Könnte ein Schnitt sein, aber ich mag nicht dran glauben. Jedenfalls hätte sich der Anker auf Nimmerwiedersehen verabschiedet, wäre ich auf die Idee gekommen, ihn einzusetzen.

P1000814 bearb klein

Noch im Hafen bereite ich wegen des kräftigen Windes das Reff 1 vor. Draußen nach der Stavorener Schleuse beim Segelsetzen allerdings ist vom ersten Reff nichts mehr zu sehen (und zu spüren). Die Reffleine hat sich am Achterliek des Groß‘ gelöst und ist im Baum verschwunden. Die Baumnock zu demontieren ist ein Kinderspiel, die Strippe aber wieder um den Block im(!) Baum zu bekommen ganz sicher keins. Aber Ideen gibt es schon. Immerhin.

ein Haufen Strippen im Baum

Samstagabend – wieder in Warns – haben wir sehr liebe Gäste an Bord. Melanie und Vincent, unsere Freunde aus Enschede, besuchen uns, und zum Abendessen finden wir uns bei Ella, unserer Hafenwirtin, ein. Sie haben mit uns Rüm Harts Geburtstag gefeiert und wissen es gar nicht … ;-).

P1000825 bearb kleinZum Schluss ein besonders lieber Gruß an alle Gäste der Tauffeier – siehe Titelfoto ganz oben – und an alle, die mich die letzten 5 Jahre wohlwollend und freundschaftlich begleitet haben. Sigrid und ich haben unserem Schiff viele Freundschaften zu verdanken. Danke!!!

Bruzzel-Törn

Vor lauter AIS-Nachhilfe hab ich vergessen von einem wahren Bruzzel-Törn zu erzählen. Bruzzel-Törn? Heiß! Sonnenqualen! Es hat mich halt gebruzzelt wie in der Mikrowelle. Nur für den Fall, dass ich’s noch nicht erwähnt habe: ich bin kein Sonnenfan, viel eher ein Schattengewächs. Dennoch war’s schön.

Die Rede ist von einem Kurztripp in der vorletzten Woche. Dienstag mit dem Auto nach Warns, Mittwoch mit der ersten Brücken- und Schleusenöffnung raus auf’s IJsselmeer. Viel los hier draußen, und alle wollen offenbar nach Enkhuizen. Ich auch, aber an der NW-Spitze von Vrouwezand wird mir klar, dass ich eigentlich die Ruhe suche. Ich biege ab auf Medemblik. Herrliches Segeln, zwar mit ein bisschen viel Sonne (s.o.), aber so früh morgens kann man es noch gut aushalten.

Medemblik 1

Ich hab Riesenglück, an meinem Lieblingsplatz an der Kaimauer unterhalb der Burg ist alles besetzt, aber just als ich um die Ecke biege, legt eine Lemsteraak ab und macht für mich frei. Zack, rein in die Lücke. Toll! Ich freu mich. Das Sonnensegel hoch und ich hab Schatten im Cockpit.

Medemblik 2 (Suchbild – wer findet Rüm Hart?)

Dieser Platz ist einer meiner Favoriten in NL. Man liegt im Grünen, es ist relativ ruhig und hat einen schönen Blick auf die Hafeneinfahrt. Toiletten und Duschen sind um die Ecke, es gibt ein kleines Bistro und eben dort morgens frische Brötchen. Was will man mehr.

Medemblik 3

Donnerstag. Ich bin früh auf den Beinen und lege um 9 Uhr ab. Null Wind, es wird eine Motorfahrt nach Lemmer, südlich an de Kreupel vorbei (siehe auch den letzten Eintrag). Segeln hätte jedenfalls keinen Sinn, es sei denn ich wollte die nächsten 24 Std. auf dem IJsselmeer rumdümpeln. Will ich nicht.

sieht fertig aus: der neue Windpark vor Lemmer

Und –  Donnerschlag – wieder Glück. Am Längssteiger an Backbord direkt vor der alten Schleuse von Lemmer ist eine Lücke frei, in die Rüm Hart haarscharf reinpassen müsste. Mein Anlegemanöver ist ne Wucht, aber kein Schwein guckt zu (nur wenn’s mal daneben geht, dann grinsen sie alle). Vor- und Achterleine sind fest, der Diesel läuft noch, ich schau mich stolz um – und direkt in das Antlitz einer wahren Hafenmeister-Amazone. Was ich denn wohl hier will, fragt sie mich mit drohendem Ausrufezeichen im Gesicht. Äh … parken. Nein nein, so ginge das nicht, da müsste ich schon ganz in ihren langen Hafen reinfahren und eine Box nehmen, hier vorne könne nicht einfach so jeder festmachen. Aha.

im Päckchen in Lemmer

Hm … das gefällt mir nicht. Also schleuse ich rein in die Stadt und fahre in den Kanal. Alles voll, Hauptsaison. Fast ganz hinten sehe ich eine Motoryacht, an die ich längsseits gehe. Der Skipper sitzt auf seinem Sonnendeck, reagiert sehr brummig und hat es noch nicht einmal nötig, meine Leinen anzunehmen. Unverschämt, aber der kann mich mal. Ich kletter über seinen Dampfer an Land, geh Kaffee trinken und lecker Eis essen und schaue mir das dichte Treiben an. Hat was. Einmal im Jahr kann man Lemmer „machen“.

Mückennetz (in Schweden – DEM Mückenland – nie genutzt, aber jetzt)

Freitag. Motorfahrt über Frieslands Kanäle bis nach Heeg. Ich mag das. Beinahe kann man die Kühe streicheln, die dicht am Kanalufer grasen. Ab Heeg erwische ich eine leichte Nordnordost-Brise, rolle meinen Code-0 aus und kann das Heeger Meer bis kurz hinter Galamadammen segeln. Langsam und entspannend. Nachmittags bin ich wieder im Heimathafen in Warns, abends sitze ich mit den Kumpels am Stammtisch. Morgen Vormittag geht’s nach Hause zu Sigrid.

immer wieder schön: Nachtstimmung im Kanal von Lemmer

Fazit: Viel motort, wenig gesegelt. Viel Sonne, wenig von der to do Liste abgearbeitet. Viel Ruhe, wenig seglerischer Anspruch. Wie gesagt, schön war’s.

Übrigens: unter „Basteleien“ im Hauptmenü oben hat sich mittlerweile so einiges angesammelt.

Watt iss’n AIS?

Nein, keine Angst, ich komm jetzt nicht mit der Feuerzangenbowle und der Dampfmaschin‘. Nach dem letzten Beitrag allerdings bin ich von Nichtseglern gefragt worden, was denn bitteschön ein AIS ist. Da pack ich doch den Erklärbär aus und zeige frische Fotos (bitte anklicken zum Vergrößern) von einem drei-Tage-Törn, von dem ich heute Mittag wieder nach Hause zurückgekehrt bin. Auf dem IJsselmeer natürlich.

Ein Schatten auf Kollisionskurs

Also. Ich bin am Donnerstag ziemlich früh unterwegs von Medemblik an der Westküste und will nach Lemmer, genau gegenüber. Kaum Wind übrigens, also fast nur unter Maschine. Gerade habe ich die künstliche Vogelschutzinsel de Kreupel umkurvt, da taucht an meiner Backbordseite etwas im Dunst auf, ein länglicher Schatten zunächst (siehe Foto oben, Bildmitte). Aber der Schatten ist auf Kollisionskurs.

Mein Plotter (Navi-Bildschirm wie im Auto, nur größer) zeigt das so an (s. o.): Der schwarze Pfeil ziemlich exakt in Bildmitte ist Rüm Hart, von links kommend (schwarze Tracklinie), nach rechts fahrend (blaue Kurslinie). Der „Gegner“ wird als Dreieck am oberen Bildrand genau über der Rüm Hart dargestellt. Man sieht, dass beide Kurslinien sich kreuzen werden. Aber wo und wann und in welchem Abstand voneinander?

Neptun sei Dank ist der Kollege (eingeschränkt) informativ. Wenn ich ihn kurz antippe, erscheint ein Fenster mit einem Haufen Daten. Leider verrät uns er nicht allzuviel, aber unten links erfahren wir, dass die Distanz noch 0,7 Seemeilen beträgt, der CPA (closest point of approach = dichteste Annäherung) 82,2 Meter betragen wird und zwar in 7 Minuten und 3 Sekunden. Und rechts sehen wir z. B. auch, dass er mit 7,7 Knoten unterwegs ist (SOG = speed over ground = Geschwindigkeit über Grund) und einen Kurs von 133° fährt.

Woher weiß der Plotter das alles? Von diesem schlauen Kästchen unter Deck. Das wiederum ist mit der Funkantenne oben auf dem Masttop verbunden und empfängt die Signale des / der Kollegen. AIS-Signale sind nämlich nichts anderes als spezielle Funk-Signale, die über die normalen Funkantennen in kurzen (Berufschifffahrt) oder etwas längeren (Sportschifffahrt) Abständen in den Äther geschickt werden. Und das sind wahre Info-Pakete. Rüm Harts schlaues Kästchen empfängt nicht nur, sondern sendet auch welche, und ich bin sicher, dass der Käpt’n in seinem Ruderhaus mich genauso auf dem Schirm hatte.

So, was fängt man damit jetzt an? Ein Abstand von 82 Meter, den wir in rund 7 Minuten zueinander haben sollen, ist mir zu gering. Und um ihn gar nicht erst in Verlegenheit zu bringen ändere ich meinen Kurs so frühzeitig und deutlich, dass es keine Missverständnisse geben kann und gehe hinter seinem Heck durch (siehe Titelfoto ganz oben). Was übrigens auf meinem Plotter fast wie eine Kollision aussieht 🙂 . Der Maßstab macht’s.

Ostsee 2015

Ein anderes gutes Beipiel ist diese Situation von meinem Ostseetörn im letzten Jahr. An der Südwestküste Schwedens gibt es einen regelrechten Kreisverkehr in den Seefahrtswegen der großen Pötte. Der Frachter da oben auf dem Foto kam von Norden, genau auf mich zu. Aber seine AIS-Signale sagten mir, dass sein Bestimmungsort Helsinki sei. Der würde also nicht nach Süden durchfahren, sondern abbiegen und ebenfalls (so wie ich) auf Ostkurs gehen und mir nicht in die Quere kommen. Und ich ihm nicht.

P1010990 bearb klein Pfeil

Beide Fotos, vom Dampfer und vom Plotter, wurden im Sekundenabstand aufgenommen, sind also zeitlich deckungsgleich. Die Darstellung mag übrigens täuschen: Der Abstand war tatsächlich 4,64 Seemeilen, ungefähr 8 km. Trotzdem, die Großen sind da gern mal mit 20 Knoten unterwegs, da ist eine gefährliche Annäherung ruckzuck da. Übrigens ist die „Stange“ in Daumenbreite rechts von ihm ein nicht ganz kleiner Leuchtturm und die Mitte des Kreisverkehrs.

Ach ja, muss ich noch erwähnen, dass AIS Automatic Identification System heißt?

War’s jetzt zu technisch? Okay, hier ist ein Ausgleich: die neueste Kolumne für die segeln. Viel Spaß

Danke!

Es gibt – Tusch! – Anlass für ein doppeltes Lob. Wo fange ich an? Egal, die Reihenfolge ist keine Wertung.

Lowrance Plotter, eine gute Wahl. Vor allem der Standort

Das erste dicke Lob geht an die Firma Mörer Schiffselektronik in Buchholz. Über die hatte ich Anfang 2014 mein AIS- und Plottersystem bezogen und selbst installiert. Was nicht soooo einfach war und viel geduldiger Telefonseelsorge von Jan Ludwig, Technical Manager bei Mörer, bedurfte. Klappte aber schließlich, nur das AIS funktonierte nur unbefriedigend, und trotz intensiver Bemühungen wurde die Ursache nicht so richtig gefunden. Erst beim Mastlegen im letzten Herbst war zu sehen: der Antennenstecker oben im Masttopp war stark korrodiert. Aha!

Nix aha, das Gerät ging trotz neuer Antenne immer noch in den Fehlermodus und wurde erneut eingeschickt. Und in diesem Frühjahr kam die Überraschung per DHL: ein niegelnagelneues Gerät der neuesten Generation (siehe Foto oben). Und mittlerweile weiß ich: es funktioniert, ich empfange in Warns Schiffe, die vor Texel liegen und werde selbst über mindestens 13 Seemeilen empfangen.

Jan, danke! Superservice!!!

Endlich genügend AIS-Signale, selbst von Texel (l. o.)

 

Raymarine Anzeigen

Das zweite Lob geht an die Firma Raymarine, mit deren Produkten aus dem Bereich Schiffselektronik (Logge, Lot, Windmesser, Autopilot, GPS) Rüm Hart ausgestattet ist. Von Beginn an gab es damit erhebliche Probleme, die Dinger fielen immer wieder aus oder zeigten völlig idiotische Werte. Raymarine Deutschland hatte sich gekümmert, dann Raymarine Niederlande und schließlich wieder Raymarine Deutschland. Ich weiß nicht, wie oft jemand von denen in Holland an Bord war. Oft. Niemand fand den Fehler. Erst als sich Ende 2014 Björn Christen vom Raymarine Support  D einschaltete kam Bewegung in die Sache und ein erster Fehler wurde gefunden.

S 100 – ein praktisches Teil

Ein weiterer hatte sich zwischenzeitlich mit der Fernbedienung für den Autopiloten gezeigt, und im April kam Björn höchstpersönlich zu mir an Bord, fand auch diesen Fehler und jetzt, nach mehrfachen Testfahrten, bin ich mir sicher: er fand ihn endgültig. Und im Nachhinein stellte sich auch noch heraus, dass beide Fehler gar nicht oder höchstens zum Teil auf Raymarine selbst zurückzuführen waren.

Ein gutes Beispiel für hartnäckiges Ernstnehmen von Kundenproblemen. Danke Björn!

Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir medial zu sehr auf negative Meldungen konzentriert sind, ja geradezu eine entsprechende Erwartungshaltung haben – süße Katzenvideos auf facebook vielleicht mal ausgenommen. Deswegen.

Abgesoffen, Klaus und ein geschenkter Tag

Der Frachter da oben liegt tatsächlich südwestlich Stavoren auf Grund, auf ca. 4 m Tiefe. Deswegen gucken auch das Steuerhaus, das „Parkdeck“ mit den 2 Autos und 100 m weiter vorn der Bugmast noch raus. Am letzten Mittwoch hatte es ihn erwischt. Ein Belgier, schwer mit Schlacke beladen (möglicherweise ein bisschen zu viel). Windstärke 6 und eine bekannt-fiese IJsselmeerwelle haben ihn dann Wasser aufnehmen und ein bisschen U-Boot spielen lassen. Hier nochmal, zum anklicken und vergrößern.

Abgesoffen – soweit man das im IJsselmeer kann

Eigentlich ein ungeplantes und überraschendes Wochenende für mich. Sigrid geht es gut, aber zum Boot möchte sie nicht. Aber mich schickt sie 🙂 und Freitag früh lege ich ab. Erst den Kollegen auf Grund besuchen und dann habe ich mich in Makkum mit Klaus verabredet. Auf dem Weg dorthin bekomme ich auf die Mütze. Starkwind, heftige Welle und fetter Regen, das volle Programm. Abends kommt Klaus an und legt seine Maris hinter die Rüm Hart an die Kanalpier – bekanntermaßen mein Lieblingsplatz in Makkum.

eine ideale Kombination: Klaus und Maris

Der Mann hat 40 Seemeilen plus etliche Autobahnkilometer hinter sich, trotzdem bekomme ich bei ihm an Bord Spaghetti mit Knofi (und Sigrids Pesto).

Maris setzt zum Überholen an

Samstag früh habe ich Hummeln im Hintern und will raus, segeln. Herrliche Bedingungen! Klaus legt frühestens eine halbe Stunde nach mir ab, aber bereits in Höhe Hindeloopen kommt er von achtern angeflogen. Seine Winner ist eine Rakete, es ist eine Freude, ihr beim Segeln zuzuschauen. Eine Millionen Fotos entstehen, wir schießen uns gegenseitig ab. Da kann man ja auch mal mit Photoshop rumspielen …

Photoshop macht’s unrealistisch-dramatisch

In Stavoren treffen wir uns erneut. Nicht nur Klaus und ich. Das halbe Segeln-Forum ist dort versammelt. Sehr schön.

Maris – eine Rennziege

Am Nachmittag kommt eine SMS von Sigrid. Ihr geht es prima und wenn ich mag, soll ich das Wetter ausnutzen und noch einen Tag dranhängen. Also treibt es mich noch auf einen Binnentörn zum Heeger Meer. Viel Betrieb dort, alles was irgendwie schwimmen kann scheint unterwegs zu sein. Nach zwei Stunden packe ich die Segel ein, drehe um und motore zurück nach Warns.

auf dem Weg zum Heeger Meer

Bin platt von der intensiven Sonne und verkrieche mich für eine halbe Stunde in meine Höhle. Dann noch ein bisschen basteln und werkeln. Fertig. Morgen Vormittag geht’s nach Hause. Schönes Wochenende!

Sommer

Das da oben ist Ivan, der amtierende Hafenhund. So einen Sommer wie diesen hat er noch nicht erlebt, sagt er (und ganz unter uns: er hat schon viele erlebt). Jedenfalls kuschelt er sich fest in seine Decke und übt sich in meteorologischem Fatalismus.

Feinarbeit am Vorstag

Sigrid und ich machen’s ihm nach. Seit Mittwoch sind wir an Bord und noch keine Meile gesegelt. Macht keinen Sinn bei Starkwind und Regen. Heute morgen um 5 zum Beispiel stehe ich senkrecht in der Koje, weil uns in einer kräftigen Bö von Steuerbord die Schubladen in der Pantry aufgeflogen sind.

Nachbarschaftsgespräche

Statt dessen wird – streng nach Geschlechtertrennung – gebastelt bzw. gelesen. Die Bastelliste: das Segelkleid (Lazy Bags) ist dran, das Rigg wird noch einmal nachgetrimmt, die Festmacherleinen getauscht (die alten knarren fürchterlich auf den Klampen, was man im ganzen Schiff hört), das neue AIS programmiert, das Achterstag hat einen neuen Bolzen bekommen und Sigrids Kabine einen Kleiderhaken.

Modellbahnmuseum von Sneek

Dennoch haben wir uns heute Morgen entschieden, noch einen Tag zu bleiben. Mistwettertage auf einem entspannt schaukelnden Boot haben auch was. Was Erholsames vor allem.

Modellbahndetail

Heute Nachmittag gab’s einen Ausflug nach Sneek. Dort, im Bahnhofsgebäude, befindet sich ein Modelleisenbahnmuseum mit der größten Sammlung niederländischer Modellloks und -züge. Nicht schlecht, und sowas interessiert mich (später mehr dazu), wenn auch die Anlagen überwiegend im LGB-Maßstab gebaut sind. Kann man sich mal ansehen, und der Eintritt ist mit 6 € moderat.

Heute Abend ist Stammtisch bei Ella, und morgen Vormittag geht’s planmäßig zurück nach Hause.

Saisonstart – büsch’n spät aber was soll’s

Mittwoch, 17 Uhr. Ja wirklich, es entfährt mir ein lautes „Sch…“ als ich mein Schiff an seinem Liegeplatz schwimmen sehe. Ich hätte es gerade in diesem Jahr gut gebrauchen können, dass der Werftchef seine Versprechen einhält. Full Service hatte er mir zugesagt und ich hab gern angenommen. Sogar die Segel wollte er mir anschlagen. Jobs, die ich sonst natürlich selbst mache. Nichts ist, keine Segel oben, noch nicht mal der Baum ist dran. Ein Drittel meiner umfangreichen Liste ist nicht erledigt, obwohl 2 Wochen mehr Zeit vorhanden waren als eigentlich abgemacht. Ich arbeite bis 22 Uhr, um den Baum und die beiden Vorsegel zu montieren und alle Strecker und Fallen zu sortieren.

absolutes Mistwetter

Donnerstag, 10 Uhr. Ein sehr junger Mann erscheint auf der Bildfläche und erweist sich als pfiffiger Mitarbeiter meines Segelmachers aus Koudum. Er hilft mir das Groß anzuschlagen und die Segellatten zu kürzen. Es regnet den ganzen Vormittag in Strömen. Der junge Recke hat sich ein ordentliches Trinkgeld verdient. Mittagspause, aber nur kurz, dann mache ich mich an den Masttrimm. Erst die Palme genau senkrecht stellen, dann die Oberwanten auf 20 % der Bruchlast andonnern, wie von Seldén (Masthersteller) vorgeschrieben. Ergebnis: S-Kurve im Mast oberhalb der ersten Saling. Mist. Ich muss hoch, um an die Mittelwanten zu kommen und bitte einen der Nachbarn mich hochzuwinschen. Zweimal – um genau zu sein. Aber dann passt es.

Solches Segeln stimmt friedlich – oberherrlich

Als ich fertig bin, entdecke ich, dass die Werftmitarbeiter beim Maststellen vergessen haben, den Bolzen des Vorstags unter der Genautrommel mit einem Splint zu sichern. Ich bin stinkig. Erstens weil ich das hätte vor dem Trimmen checken müssen und zweitens weil sowas einfach nicht passieren darf – saugefährlich. Ich bitte den Werftchef zu mir und der fängt an mich zu verarschen: „das machen wir immer so, das ist Sache der Eigner“. Mir platzt der Kragen … Alle anderen Splinte waren übrigens drin, von wegen das machen wir immer so …

Oberherrlich 2

Freitag, 16 Uhr. Ich bin erstmal mit allen wichtigen Jobs fertig und lege ab. Schleuse Stavoren, allein in der Kammer. Herrliches Segelwetter. Wind mit 10 Knoten aus WNW, unter Genua und Groß und Kurs 200° raus auf’s IJsselmeer. Gegen 19 Uhr gehe ich im Stadthafen von Enkhuizen neben der Spica von Ute und Andreas (Hafenfreunde aus Warns) als Dritter in’s Päckchen. Schickes Schiff, eine Najad 361 in sehr gutem Zustand. Da kann man nur Glückwunsch! sagen. Kurzer Spaziergang in die Stadt zum ‚t Ankertje, auf das ich mich schon soooo lange gefreut habe. Zwei drei Bierchen für jeden und Tappas für alle zusammen. Absacker mit Genever bei mir an Bord

Nachtleben am Leuchtturm von Enkhuizen

Samstag, 7:30. Ich versuche gaaanz leise abzulegen. Klappt aber natürlich nicht, Ute steckt den Kopf aus dem Niedergang und reicht mir noch meine Heckleine an (Sorry Ihr Beiden). Null Wind. Maschinenfahrt, 1700 Umdrehungen, meine Standarddrehzahl, sehr ruhig, knapp über 5 Knoten, das reicht. Das Wasser ist glatt, eine gute Gelegenheit, endlich meinen Autopiloten zu kalibrieren. Also fahre ich sehr langsam zwei riesengroße Kreise ins IJsselmeerwasser. Die Passagiere der Fähre nach Stavoren gucken verwundert. Mückenplage und ich mitten drin. 1.543.287 alleine auf meinem Schiff, ich hab sie gezählt 😉 . Morgen wird eine intensive Putzaktion fällig sein.

berühmt-berüchtigt: die gemeine IJsselmeermücke (sticht nicht, nervt nur)

In Stavoren entdecke ich was Neues: An der Tanke dort gibt es jetzt GTL-Diesel, also Diesel ohne Bio-Anteil (für den Laien: die Bioanteile machen den Yachties Sorgen, weil sie für Bioschlamm in den Tank- und Leitunsanlagen der Schiffe sorgen). 1,39 € der Liter, nicht billig, aber der geringe Verbrauch relativiert das.

GTL-Diesel an der Tanke von Stavoren

Samstag 18 Uhr. Ich setze Nudelwasser auf. Komisch, sehr kleine Gasflamme und völlig instabil. Nach 50 Minuten ist das Wasser gerade mal gut warm. Ich breche ab und verhole mich zu Ella. Dort gibt’s als Sonderangebot 2 Matjes mit Bratkartoffeln und Salat. 10,- €. Lecker. Bei Jess an Bord den Absacker.

Miniflamme, Kochen fällt aus

Sonntag 15 Uhr. Wieder in Lingen. Sigrid und ich beschließen, dass unser Boot in Zukunft für die Wintermonate nach Woudsend zu Rekers verholt wird. Dort kann es im Wasser bleiben, der Hafen liegt sehr geschützt zwischen hohen Hallen. Der Hafenmeister macht einen sehr zuverlässigen Eindruck und hat unter Seglern einen guten Ruf. Der bekommt dann von mir auch die regelmäßigen Arbeiten in Auftrag, bevor ich das Schiff wieder nach Warns hole.

So war’s.

Zum Schluss: Eine neue Kolumne für die segeln gibt’s auch. Siehe HIER. viel Spaß.

Eigentlich

Es ist der Wurm drin. Eigentlich wollte ich heute nach Warns fahren, um endlich die Saison einzuläuten, letzte Arbeiten zu erledigen und das Rigg zu trimmen. Wollte! Eigentlich! Tatsächlich aber nagelt mich eine schmerzhafte Kehlkopfentzündung mit leichtem Fieber zuhause fest. Also verbringe ich die Zeit mit Lesen, Teetrinken (mit Fenchelhonig) und Eiswürfellutschen und hab ne Stimme wie Clint Eastwood nach dem sechsten Whiskey und zwölften Zigarillo. Hey Baby …

Und da vereinzelt aber immer wieder nachgefragt wird: Ja, Sigrid geht es gut, bis auf die anstrengenden Chemo-Nebenwirkungen. Aber sie hatte vergangene Woche ihre letzte und jetzt ein bisschen Pause, bis die Strahlentherapie beginnt. Danke für’s Daumendrücken und das freundliche Interesse.

Schluss mit Segeln, …

… Rüm Hart wird jetzt zum Dampfschiff. Sogar mit Schornstein in Klinkeroptik, wie das Titelfoto beweist. Passt doch auch viel besser ins beschauliche Holland, oder? 🙂

schon mal nicht schlecht – zumindest von außen

Okay, soweit die Fantasie des talentierten 🙂 Fotografen unterstützt durch den Zufall des Standortes. Keine Angst, Rüm Hart bleibt ein Segelschiff. Wenn denn in diesem Leben nochmal der Mast wieder draufkommt und das ganze Werk wieder in sein eigentliches Element gekrant wird.

Ruder wieder fertig und schick

Der Stand der Dinge: Ruderschaden repariert, neues Antifouling (was Sigrid und mir in dunkelgrau viel besser gefällt als vorher) und der Rumpf ist poliert. Soweit so gut. Die schlechte Botschaft: das Öl im Saildrive war fast weiß. Ein deutliches Zeichen von Wasser im Öl und also ein Hinweis auf eine Undichtigkeit. Deswegen wurde die untere, waagerechte Propellerwelle ausgebaut, sie wird bei Volvo vermessen, und falls die innerhalb der Toleranzen ist, kommen nur die O-Ringe infrage. Ein Ergebnis, auf das ich hoffe, weil es das billigste wäre. Warten wir’s ab.

Prop ab- und ausgebaut

Ansonsten muss noch die Motorinspektion gemacht werden. Was summa summarum dazu führt, dass ich noch nie so spät eine Segelsaison begonnen habe. Ist aber okay, wäre von meiner Seite sowieso nicht anders möglich gewesen. Noch 10 Tage, dann geht’s los.

Springe zur Werkzeugleiste