Autor

Tja Jungs und Mädels – ich werde jetzt als eben solcher bezeichnet. Genauer: als segeln-Autor, also als ein Schreiberling für die Zeitschrift segeln. Wie’s kommt? Nun ja, die monatlichen Kolumnen, die ich bislang ausschließlich für den Internetauftritt der segeln verzapft hatte, erscheinen ab dem November Heft regelmäßig im selbigen, immer auf der letzten Seite. Der Haken: sie erscheinen nur dort, also leider nicht mehr online. Verständlich, wenn ich mich ein klitzekleines bisschen geadelt fühle?

Und für’s aktuelle Heft (10 – 2016, S. 14) durfte ich innerhalb eines Nachsaison-Spezials ein Essay schreiben. Thema: „der Reiz des Herbstes“. Hat mir viel Spaß gemacht.  Ab zum Kiosk! 😉

Watt’n Watt!

When was the last time you did something for the first time? An diese Frage habe ich in den letzten Tagen öfter gedacht, war sie doch mal Gegenstand sinniger Nachdenklichkeit, die ich – man glaubt es nicht – bereits 2012 hier in Buchstaben sortiert hatte. Und tatsächlich hatte ich vorgestern auf meine alten Tage noch ein erstes Mal. Trockenfallen mit Rüm Hart! Achtung, der Anlass verlangt nach Textlänge und vielen Fotos (anklicken) 😉 .

Vlieland Ost ist am letzten Montag der Starthafen. Hochwasser ist um 11:27 Uhr, also lege ich um halb elf ab. Die Karte zeigt die Situation bei Niedrigwasser. Gelb = Land (o.l. Vlieland Ostspitze), weiß = tiefes Wasser, blau = flaches Wasser, grün = Land das bei Niedrigwasser rausguckt. Komisches Gefühl über „Land“ zu fahren, aber die Rechnung geht auf, an keiner Stelle habe ich weniger als 50 cm Wasser unter den Kielen. Kaum Wind, kaum Welle.

Um halb zwölf, also genau zu Hochwasser, fällt der Anker auf 1,70 m Wassertiefe. Dann ist Ruhe in meiner Welt. Ein bisschen beunruhigt mich, dass hin und wieder ganz schön Schwell von den Fähren bis hier her läuft. Es ist 13:41 als es zum ersten Mal rumpelt. Die Stöße werden kräftiger, immer wieder werde ich angehoben und nicht gerade sanft auf den ziemlich harten Sand gesetzt. Erschütterungen bis ins Rigg, das sich klappernd und zitternd beschwert.

Rüm Hart tanzt wie ein besoffener Bär von einem Bein auf’s andere. Heißt: wird mal mit dem einen, mal mit dem anderen Kiel auf den Sand gewuchtet. Es ist regelrecht zu spüren, wie die Bleibomben sich ihre Kuhlen graben.

Das geht 20 Minuten so, dann steht das Schiff endgültig auf beiden Kielen, das Geschwanke um die Längsachse hat ein Ende. Nur noch ein Nicken um die Querachse bleibt noch für eine ganze Weile. Um viertel vor drei ist Ruhe im Schiff.

Ungeduldig warte ich auf begehbare Wassertiefe und bin gespannt, ob meine Kalkulation aufgeht. Sie geht. Kurz vor sechs ist Niedrigwasser, aber bereits um vier stehe ich im wadentiefen Restwasser, die Strömung ist jetzt nur noch sehr schwach, und dann ist das Wasser weg, Rüm Hart steht auf drei Beinen auf dem nassen, aber ziemlich festen Sand.

Was folgt ist unbeschreiblich (obwohl ich es an fast gleicher Stelle vor 14 Tagen mit den Reiterseglern schon einmal erlebt habe). Jetzt bin ich allein, zumindest was menschliches Leben angeht (muss man das hier unterscheiden?). Diese Weite, die Ruhe vor künstlichen Geräuschen. Man weiß nicht, wo man zuerst hinschauen und -hören soll.

Leben gibt es in übertriebener Hülle und Fülle. Unmöglich nicht auf Fauna oder Flora zu treten, jede Bierdeckelfläche lebt. Ein Krebs hat sich unter dem Boot vor den Möwen in Sicherheit gebracht. Fotografiert zu werden scheint für ihn genau so schlimm zu sein, wie gefressen zu werden. Ich lass ihn in Ruhe.

Das Wetter spielt mit. Wolkenformationen, Lichtspiele und -spiegelungen. Und dann ziehen Schwalben- und Starenschwärme über mich hinweg. Ich stehe in the middle of nowhere, als Fixpunkt nur mein „Mutterschiff“ in erreichbarer Nähe.

Nach 2 Std. Wattwanderung habe ich Hunger. Abendessen in zweieinhalb Meter Höhe über’m Watt. Das Wasser kommt mit Macht zurück, es scheint es sehr eilig zu haben. Die Rumpelei beim Abheben hält sich in Grenzen. Ganz im Gegensatz zum grandiosen Blick in den grenzenlosen Sternenhimmel. Die Milchstraße sieht man auch nicht alle Tage. Aber hier gibt’s halt keinen Lichtsmog – zumindest nachdem ich mein Ankerlicht mal für 10 Minuten ausschalte.

IF
morgens um sechs bei Niedrigwasser

Der holprige Landeanflug wiederholt sich in der zweiten Nachthälfte. Schlafen kann man dabei nicht. Um sechs muss ich mal für kleine Skipper und bekomme das nächste Lichtspiel zu sehen. Ich stehe im Schlafpolter im Cockpit – es ist relativ warm – und fotografiere.

Vormittags gegen halb elf geht der Anker hoch und ich schleiche mich ins tiefere Wasser und dann ab nach Süden Richtung Kornwerderzand. Kaum Wind, also unter Maschine, ich muss das Wattenhoch südlich des Inschot beim nächsten Hochwasser schaffen. Dafür werde ich mit einem neuen Rekord belohnt: Ganze 20 Minuten für Brücke und Schleuse und ich bin wieder im IJsselmeer.

Hindeloopen

Anderthalb Stunden später finde ich in Hindeloopen noch eine Ecke für Rüm Hart. Welch ein Unterschied zu den letzten 24 Stunden!

Reitersegler 2016

Moin! Bin wieder da. Eine Woche mit den Reiterseglern auf dem IJsselmeer und im niederländischen Watt unterwegs. Mit – Tusch! – einem ersten Mal für mich: Trockenfallen, sogar gleich doppelt, weil wir 24 Std. an Ort und Stelle geblieben sind. Als Crewmitglied auf anderer Skipper Schiffe hatte ich es schon das eine oder andere Mal erlebt, aber noch nicht in eigener Verantwortung. Jetzt fehlt mir nur noch, es endlich auch mit der Rüm Hart hinzukriegen.

wenig Wind, viel motoren, tolles Wetter, schöne Wasserlandschaft

Ansonsten hatten wir ein wahres Dickschiff unterm Hintern – 31 Tonnen! ‚Kikkerkoning‚ (Froschkönig), eine Visserman-Lemsteraak von fast 15 m Länge und 5 m Breite. Einen kurzen Törnbericht mit weiteren Fotos gibt es HIER, oder unter ‚Linksammlung‘ in der Spalte links oben.

Tschüß

Für eine Woche bin ich weg. Am Freitagmittag übernehmen wir die Kikkerkoning (Froschkönig) in Makkum und dann wollen wir mal sehen. Wer ist wir? Die Reitersegler, hab ich schon mal an anderer Stelle erwähnt. Insgesamt 6 Männer mit Lust auf Segelspaß, kochen, lecker essen und handgesungene Musik. Zielgebiet: Wattenmeer zwischen Texel und Ameland und/oder das IJsselmeer. Ich werde berichten.

Cobb Grill Parade beim Segeln-Forum Treffen

Und was haben die Fotos damit zu tun? Nüscht, gar nix. Die stammen vom letzten langen Wochenende, mit einem Hitzetörn nach Makkum und zurück und einem anschließenden Treffen einiger „Aktivisten“ des Segeln-Forums in Stavoren. Sehr nett und immer wieder interessant Menschen kennenzulernen, mit denen man bislang nur über das Netz Kontakt hatte.

Rainy night in ….

… Warns, nicht in Georgia. Aber nur eine. Und das hat sogar was. Ich bin fertig mit (fast) allen Arbeiten, die ich auf der Liste hatte, lecker Fischtopf bei Ella, ein paar Biertjes, Espresso hinterher. Der Regen tropft von der Cockpitpersenning, Lichterperlen hängen an der Kante und an der Reling. Hundemüde falle ich in die Koje und lass mich vom böigen Südwest in den Schlaf schaukeln.

und so sieht der Kamm – die Rolltrommel – von innen aus

Den halben Tag hab ich am Vorstag rumgeschraubt, und jetzt endlich – seit Monaten schieb ich’s vor mir her – sieht es so aus, als ob ich auf beiden Vorstagen (Genua und Selbstwendefock) vergleichbare Spannung hätte. Was ich nicht wusste: In den Rolltrommeln steckt tatsächlich ein Wantenspanner. Und wenn ich genau hinschaue: ich glaube sogar in beiden. Das Reff 1 funktioniert auch wieder, war aber eine elende Fummelei.

Zwischenzeitlich gibt’s auch ne neue monatliche  Kolumne für die segeln. Wisst Ihr was ‚Hafenkino‘ ist? Nein? Doch? Egal, kann man hier nachlesen. Viel Spaß (bitte auf die Zeichnung klicken).

5 Jahre Rüm Hart

Es ist: 1. nicht zu glauben und 2. dennoch Tatsache. An diesem Wochenende vor 5 Jahren wurde Rüm Hart in Galamadammen getauft. So schnell geraste Zeit, so lange her und trotzdem gerade erst gestern. Na ja … Die beiden Fotos von damals erinnern an so Vieles, und wer sich noch einmal den alten Blogeintrag anschauen will, mit noch mehr Fotos, kann das HIER tun. Hab ich auch gemacht, na klar.

Lisa (rechts) tauft Rüm Hart, assistiert von ihren Geschwistern Wibke und Ole

Schön ist, dass Sigrid an diesem Wochenende – ich bin wieder in der Neuzeit – dabei ist. Zum ersten Mal segeln nach ihrer Chemo und aus genau diesem schlechten Grund überhaupt zum ersten Mal nach meiner Rückkehr von baltischen Abenteuern. Wir sind also am Geburtstagswochenende auf dem Schiff, segeln von Warns nach Enkhuizen und von Enkhuizen nach Warns. Das Wetter ist mäßig, aber immerhin trocken, der Wind kräftig, was Rüm Hart unter Vollzeug so richtig schön ins Laufen bringt. Passt. Es geht uns gut.

Die zweitägige Segeltour beginnt allerdings ein bisschen – wie soll ich’s sagen – schräg. Nämlich mit meiner Entscheidung, mich für die kommende Zeit in Holland vorübergehend von meinem Heckanker (der mir auf der Ostsee gute Dienste geleistet hatte) zu verabschieden und ihn mit nach Hause zu nehmen. Als ich ihn und die Gurtrolle abbaue, fällt mir die Kinnlade runter: der Gurt ist ca. 1 m hinter dem Anker durchtrennt. Könnte eine Scheuerstelle sein, obgleich ich nichts finde, was als Scheuerkante infrage kommt. Sabotage? Könnte ein Schnitt sein, aber ich mag nicht dran glauben. Jedenfalls hätte sich der Anker auf Nimmerwiedersehen verabschiedet, wäre ich auf die Idee gekommen, ihn einzusetzen.

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Noch im Hafen bereite ich wegen des kräftigen Windes das Reff 1 vor. Draußen nach der Stavorener Schleuse beim Segelsetzen allerdings ist vom ersten Reff nichts mehr zu sehen (und zu spüren). Die Reffleine hat sich am Achterliek des Groß‘ gelöst und ist im Baum verschwunden. Die Baumnock zu demontieren ist ein Kinderspiel, die Strippe aber wieder um den Block im(!) Baum zu bekommen ganz sicher keins. Aber Ideen gibt es schon. Immerhin.

ein Haufen Strippen im Baum

Samstagabend – wieder in Warns – haben wir sehr liebe Gäste an Bord. Melanie und Vincent, unsere Freunde aus Enschede, besuchen uns, und zum Abendessen finden wir uns bei Ella, unserer Hafenwirtin, ein. Sie haben mit uns Rüm Harts Geburtstag gefeiert und wissen es gar nicht … ;-).

P1000825 bearb kleinZum Schluss ein besonders lieber Gruß an alle Gäste der Tauffeier – siehe Titelfoto ganz oben – und an alle, die mich die letzten 5 Jahre wohlwollend und freundschaftlich begleitet haben. Sigrid und ich haben unserem Schiff viele Freundschaften zu verdanken. Danke!!!

Bruzzel-Törn

Vor lauter AIS-Nachhilfe hab ich vergessen von einem wahren Bruzzel-Törn zu erzählen. Bruzzel-Törn? Heiß! Sonnenqualen! Es hat mich halt gebruzzelt wie in der Mikrowelle. Nur für den Fall, dass ich’s noch nicht erwähnt habe: ich bin kein Sonnenfan, viel eher ein Schattengewächs. Dennoch war’s schön.

Die Rede ist von einem Kurztripp in der vorletzten Woche. Dienstag mit dem Auto nach Warns, Mittwoch mit der ersten Brücken- und Schleusenöffnung raus auf’s IJsselmeer. Viel los hier draußen, und alle wollen offenbar nach Enkhuizen. Ich auch, aber an der NW-Spitze von Vrouwezand wird mir klar, dass ich eigentlich die Ruhe suche. Ich biege ab auf Medemblik. Herrliches Segeln, zwar mit ein bisschen viel Sonne (s.o.), aber so früh morgens kann man es noch gut aushalten.

Medemblik 1

Ich hab Riesenglück, an meinem Lieblingsplatz an der Kaimauer unterhalb der Burg ist alles besetzt, aber just als ich um die Ecke biege, legt eine Lemsteraak ab und macht für mich frei. Zack, rein in die Lücke. Toll! Ich freu mich. Das Sonnensegel hoch und ich hab Schatten im Cockpit.

Medemblik 2 (Suchbild – wer findet Rüm Hart?)

Dieser Platz ist einer meiner Favoriten in NL. Man liegt im Grünen, es ist relativ ruhig und hat einen schönen Blick auf die Hafeneinfahrt. Toiletten und Duschen sind um die Ecke, es gibt ein kleines Bistro und eben dort morgens frische Brötchen. Was will man mehr.

Medemblik 3

Donnerstag. Ich bin früh auf den Beinen und lege um 9 Uhr ab. Null Wind, es wird eine Motorfahrt nach Lemmer, südlich an de Kreupel vorbei (siehe auch den letzten Eintrag). Segeln hätte jedenfalls keinen Sinn, es sei denn ich wollte die nächsten 24 Std. auf dem IJsselmeer rumdümpeln. Will ich nicht.

sieht fertig aus: der neue Windpark vor Lemmer

Und –  Donnerschlag – wieder Glück. Am Längssteiger an Backbord direkt vor der alten Schleuse von Lemmer ist eine Lücke frei, in die Rüm Hart haarscharf reinpassen müsste. Mein Anlegemanöver ist ne Wucht, aber kein Schwein guckt zu (nur wenn’s mal daneben geht, dann grinsen sie alle). Vor- und Achterleine sind fest, der Diesel läuft noch, ich schau mich stolz um – und direkt in das Antlitz einer wahren Hafenmeister-Amazone. Was ich denn wohl hier will, fragt sie mich mit drohendem Ausrufezeichen im Gesicht. Äh … parken. Nein nein, so ginge das nicht, da müsste ich schon ganz in ihren langen Hafen reinfahren und eine Box nehmen, hier vorne könne nicht einfach so jeder festmachen. Aha.

im Päckchen in Lemmer

Hm … das gefällt mir nicht. Also schleuse ich rein in die Stadt und fahre in den Kanal. Alles voll, Hauptsaison. Fast ganz hinten sehe ich eine Motoryacht, an die ich längsseits gehe. Der Skipper sitzt auf seinem Sonnendeck, reagiert sehr brummig und hat es noch nicht einmal nötig, meine Leinen anzunehmen. Unverschämt, aber der kann mich mal. Ich kletter über seinen Dampfer an Land, geh Kaffee trinken und lecker Eis essen und schaue mir das dichte Treiben an. Hat was. Einmal im Jahr kann man Lemmer „machen“.

Mückennetz (in Schweden – DEM Mückenland – nie genutzt, aber jetzt)

Freitag. Motorfahrt über Frieslands Kanäle bis nach Heeg. Ich mag das. Beinahe kann man die Kühe streicheln, die dicht am Kanalufer grasen. Ab Heeg erwische ich eine leichte Nordnordost-Brise, rolle meinen Code-0 aus und kann das Heeger Meer bis kurz hinter Galamadammen segeln. Langsam und entspannend. Nachmittags bin ich wieder im Heimathafen in Warns, abends sitze ich mit den Kumpels am Stammtisch. Morgen Vormittag geht’s nach Hause zu Sigrid.

immer wieder schön: Nachtstimmung im Kanal von Lemmer

Fazit: Viel motort, wenig gesegelt. Viel Sonne, wenig von der to do Liste abgearbeitet. Viel Ruhe, wenig seglerischer Anspruch. Wie gesagt, schön war’s.

Übrigens: unter „Basteleien“ im Hauptmenü oben hat sich mittlerweile so einiges angesammelt.

Watt iss’n AIS?

Nein, keine Angst, ich komm jetzt nicht mit der Feuerzangenbowle und der Dampfmaschin‘. Nach dem letzten Beitrag allerdings bin ich von Nichtseglern gefragt worden, was denn bitteschön ein AIS ist. Da pack ich doch den Erklärbär aus und zeige frische Fotos (bitte anklicken zum Vergrößern) von einem drei-Tage-Törn, von dem ich heute Mittag wieder nach Hause zurückgekehrt bin. Auf dem IJsselmeer natürlich.

Ein Schatten auf Kollisionskurs

Also. Ich bin am Donnerstag ziemlich früh unterwegs von Medemblik an der Westküste und will nach Lemmer, genau gegenüber. Kaum Wind übrigens, also fast nur unter Maschine. Gerade habe ich die künstliche Vogelschutzinsel de Kreupel umkurvt, da taucht an meiner Backbordseite etwas im Dunst auf, ein länglicher Schatten zunächst (siehe Foto oben, Bildmitte). Aber der Schatten ist auf Kollisionskurs.

Mein Plotter (Navi-Bildschirm wie im Auto, nur größer) zeigt das so an (s. o.): Der schwarze Pfeil ziemlich exakt in Bildmitte ist Rüm Hart, von links kommend (schwarze Tracklinie), nach rechts fahrend (blaue Kurslinie). Der „Gegner“ wird als Dreieck am oberen Bildrand genau über der Rüm Hart dargestellt. Man sieht, dass beide Kurslinien sich kreuzen werden. Aber wo und wann und in welchem Abstand voneinander?

Neptun sei Dank ist der Kollege (eingeschränkt) informativ. Wenn ich ihn kurz antippe, erscheint ein Fenster mit einem Haufen Daten. Leider verrät uns er nicht allzuviel, aber unten links erfahren wir, dass die Distanz noch 0,7 Seemeilen beträgt, der CPA (closest point of approach = dichteste Annäherung) 82,2 Meter betragen wird und zwar in 7 Minuten und 3 Sekunden. Und rechts sehen wir z. B. auch, dass er mit 7,7 Knoten unterwegs ist (SOG = speed over ground = Geschwindigkeit über Grund) und einen Kurs von 133° fährt.

Woher weiß der Plotter das alles? Von diesem schlauen Kästchen unter Deck. Das wiederum ist mit der Funkantenne oben auf dem Masttop verbunden und empfängt die Signale des / der Kollegen. AIS-Signale sind nämlich nichts anderes als spezielle Funk-Signale, die über die normalen Funkantennen in kurzen (Berufschifffahrt) oder etwas längeren (Sportschifffahrt) Abständen in den Äther geschickt werden. Und das sind wahre Info-Pakete. Rüm Harts schlaues Kästchen empfängt nicht nur, sondern sendet auch welche, und ich bin sicher, dass der Käpt’n in seinem Ruderhaus mich genauso auf dem Schirm hatte.

So, was fängt man damit jetzt an? Ein Abstand von 82 Meter, den wir in rund 7 Minuten zueinander haben sollen, ist mir zu gering. Und um ihn gar nicht erst in Verlegenheit zu bringen ändere ich meinen Kurs so frühzeitig und deutlich, dass es keine Missverständnisse geben kann und gehe hinter seinem Heck durch (siehe Titelfoto ganz oben). Was übrigens auf meinem Plotter fast wie eine Kollision aussieht 🙂 . Der Maßstab macht’s.

Ostsee 2015

Ein anderes gutes Beipiel ist diese Situation von meinem Ostseetörn im letzten Jahr. An der Südwestküste Schwedens gibt es einen regelrechten Kreisverkehr in den Seefahrtswegen der großen Pötte. Der Frachter da oben auf dem Foto kam von Norden, genau auf mich zu. Aber seine AIS-Signale sagten mir, dass sein Bestimmungsort Helsinki sei. Der würde also nicht nach Süden durchfahren, sondern abbiegen und ebenfalls (so wie ich) auf Ostkurs gehen und mir nicht in die Quere kommen. Und ich ihm nicht.

P1010990 bearb klein Pfeil

Beide Fotos, vom Dampfer und vom Plotter, wurden im Sekundenabstand aufgenommen, sind also zeitlich deckungsgleich. Die Darstellung mag übrigens täuschen: Der Abstand war tatsächlich 4,64 Seemeilen, ungefähr 8 km. Trotzdem, die Großen sind da gern mal mit 20 Knoten unterwegs, da ist eine gefährliche Annäherung ruckzuck da. Übrigens ist die „Stange“ in Daumenbreite rechts von ihm ein nicht ganz kleiner Leuchtturm und die Mitte des Kreisverkehrs.

Ach ja, muss ich noch erwähnen, dass AIS Automatic Identification System heißt?

War’s jetzt zu technisch? Okay, hier ist ein Ausgleich: die neueste Kolumne für die segeln. Viel Spaß

Danke!

Es gibt – Tusch! – Anlass für ein doppeltes Lob. Wo fange ich an? Egal, die Reihenfolge ist keine Wertung.

Lowrance Plotter, eine gute Wahl. Vor allem der Standort

Das erste dicke Lob geht an die Firma Mörer Schiffselektronik in Buchholz. Über die hatte ich Anfang 2014 mein AIS- und Plottersystem bezogen und selbst installiert. Was nicht soooo einfach war und viel geduldiger Telefonseelsorge von Jan Ludwig, Technical Manager bei Mörer, bedurfte. Klappte aber schließlich, nur das AIS funktonierte nur unbefriedigend, und trotz intensiver Bemühungen wurde die Ursache nicht so richtig gefunden. Erst beim Mastlegen im letzten Herbst war zu sehen: der Antennenstecker oben im Masttopp war stark korrodiert. Aha!

Nix aha, das Gerät ging trotz neuer Antenne immer noch in den Fehlermodus und wurde erneut eingeschickt. Und in diesem Frühjahr kam die Überraschung per DHL: ein niegelnagelneues Gerät der neuesten Generation (siehe Foto oben). Und mittlerweile weiß ich: es funktioniert, ich empfange in Warns Schiffe, die vor Texel liegen und werde selbst über mindestens 13 Seemeilen empfangen.

Jan, danke! Superservice!!!

Endlich genügend AIS-Signale, selbst von Texel (l. o.)

 

Raymarine Anzeigen

Das zweite Lob geht an die Firma Raymarine, mit deren Produkten aus dem Bereich Schiffselektronik (Logge, Lot, Windmesser, Autopilot, GPS) Rüm Hart ausgestattet ist. Von Beginn an gab es damit erhebliche Probleme, die Dinger fielen immer wieder aus oder zeigten völlig idiotische Werte. Raymarine Deutschland hatte sich gekümmert, dann Raymarine Niederlande und schließlich wieder Raymarine Deutschland. Ich weiß nicht, wie oft jemand von denen in Holland an Bord war. Oft. Niemand fand den Fehler. Erst als sich Ende 2014 Björn Christen vom Raymarine Support  D einschaltete kam Bewegung in die Sache und ein erster Fehler wurde gefunden.

S 100 – ein praktisches Teil

Ein weiterer hatte sich zwischenzeitlich mit der Fernbedienung für den Autopiloten gezeigt, und im April kam Björn höchstpersönlich zu mir an Bord, fand auch diesen Fehler und jetzt, nach mehrfachen Testfahrten, bin ich mir sicher: er fand ihn endgültig. Und im Nachhinein stellte sich auch noch heraus, dass beide Fehler gar nicht oder höchstens zum Teil auf Raymarine selbst zurückzuführen waren.

Ein gutes Beispiel für hartnäckiges Ernstnehmen von Kundenproblemen. Danke Björn!

Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir medial zu sehr auf negative Meldungen konzentriert sind, ja geradezu eine entsprechende Erwartungshaltung haben – süße Katzenvideos auf facebook vielleicht mal ausgenommen. Deswegen.

Abgesoffen, Klaus und ein geschenkter Tag

Der Frachter da oben liegt tatsächlich südwestlich Stavoren auf Grund, auf ca. 4 m Tiefe. Deswegen gucken auch das Steuerhaus, das „Parkdeck“ mit den 2 Autos und 100 m weiter vorn der Bugmast noch raus. Am letzten Mittwoch hatte es ihn erwischt. Ein Belgier, schwer mit Schlacke beladen (möglicherweise ein bisschen zu viel). Windstärke 6 und eine bekannt-fiese IJsselmeerwelle haben ihn dann Wasser aufnehmen und ein bisschen U-Boot spielen lassen. Hier nochmal, zum anklicken und vergrößern.

Abgesoffen – soweit man das im IJsselmeer kann

Eigentlich ein ungeplantes und überraschendes Wochenende für mich. Sigrid geht es gut, aber zum Boot möchte sie nicht. Aber mich schickt sie 🙂 und Freitag früh lege ich ab. Erst den Kollegen auf Grund besuchen und dann habe ich mich in Makkum mit Klaus verabredet. Auf dem Weg dorthin bekomme ich auf die Mütze. Starkwind, heftige Welle und fetter Regen, das volle Programm. Abends kommt Klaus an und legt seine Maris hinter die Rüm Hart an die Kanalpier – bekanntermaßen mein Lieblingsplatz in Makkum.

eine ideale Kombination: Klaus und Maris

Der Mann hat 40 Seemeilen plus etliche Autobahnkilometer hinter sich, trotzdem bekomme ich bei ihm an Bord Spaghetti mit Knofi (und Sigrids Pesto).

Maris setzt zum Überholen an

Samstag früh habe ich Hummeln im Hintern und will raus, segeln. Herrliche Bedingungen! Klaus legt frühestens eine halbe Stunde nach mir ab, aber bereits in Höhe Hindeloopen kommt er von achtern angeflogen. Seine Winner ist eine Rakete, es ist eine Freude, ihr beim Segeln zuzuschauen. Eine Millionen Fotos entstehen, wir schießen uns gegenseitig ab. Da kann man ja auch mal mit Photoshop rumspielen …

Photoshop macht’s unrealistisch-dramatisch

In Stavoren treffen wir uns erneut. Nicht nur Klaus und ich. Das halbe Segeln-Forum ist dort versammelt. Sehr schön.

Maris – eine Rennziege

Am Nachmittag kommt eine SMS von Sigrid. Ihr geht es prima und wenn ich mag, soll ich das Wetter ausnutzen und noch einen Tag dranhängen. Also treibt es mich noch auf einen Binnentörn zum Heeger Meer. Viel Betrieb dort, alles was irgendwie schwimmen kann scheint unterwegs zu sein. Nach zwei Stunden packe ich die Segel ein, drehe um und motore zurück nach Warns.

auf dem Weg zum Heeger Meer

Bin platt von der intensiven Sonne und verkrieche mich für eine halbe Stunde in meine Höhle. Dann noch ein bisschen basteln und werkeln. Fertig. Morgen Vormittag geht’s nach Hause. Schönes Wochenende!

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