es wird …

… hoffentlich nicht mehr lange dauern, bis Rüm Hart wieder ins Wasser darf. Angepeilt wird von den entscheidenden Personen das kommende Wochenende.

Gerade eben komme ich zurück aus Holland und hab die ersten Dinge aus dem häuslichen Basiscamp an Bord gebracht, hab mit dem Breehorn-Chef gesprochen und mit Steven, dem Hafenchef. Bin dann noch zu Ramses, dem Segelmacher gefahren um die Herausgabe meiner dort eingelagerten Segel zu organisieren und hab in Stavoren ein Matjesbrötchen genossen. Endlich mal wieder, sehr lecker!

Skeg, fertig gespachtelt und geschliffen

Aber das ist alles nur zweite und dritte Liga. Die erste ist ganz oben auf dem Eröffnungsfoto zu sehen: mein noch nicht fertiges Ruder. Immerhin ist die Ruderwelle gerade geblieben und die unterste (abstehende) Strebe (ganz rechts) nun wieder geschweißt. Das sieht pikobello aus. Die Ruderhalbschalen von Sirius sind auch da (noch eingepackt) und das Ganze soll in den nächsten Tagen ein fertiges Ruder werden. Der Skeg ist schon fast fertig.

Ergebnis: ich bin mit der berechtigten Hoffnung nach Hause gefahren, dass Pfingsten nun endlich für uns die Saison beginnen kann. Klopf klopf klopf …

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Ruder los

Tatsächlich, Rüm Hart ist das Ruder los. Sieht komisch aus, nicht?

Wir, Ole und ich, kommen gerade zurück vom Boot. Der Skeg ist bereits repariert, fast fertig, und derjenige, der mir geschrieben hatte, dass die gesamte Region möglicherweise hinterher stabiler sein wird als vorher, hat recht. Breehorn hat das Ganze zusätzlich noch mit Glasgewebe und Harz umlegt. Gleiches haben die beim Ruder vor. Die Ruderwelle wurde vermessen und ist (für mich) erstaunlicherweise kerzengerade geblieben. Torsten Schmidt, der Sirius-Chef, hatte recht mit der Vermutung, dass das gut gegangen sein könnte, weil die Welle und das Ruder ziemlich kräftig ausgelegt seien. Ist ja schließlich für das Schiff (mit Kimmkielen) auch das dritte Standbein.

Letzte Arbeiten am Skeg

Jedenfalls gibt es unten an der Welle, innerhalb des Ruderblattkörpers, noch waagerecht von der Welle nach achtern abstehende Metallstreben, die das Ruderblatt versteifen und die Querkräfte aufnehmen. Von denen war eine vollständig abgebrochen (die unterste) und eine weitere angeknackst. Die werden vorsichtshalber alle komplett neu verschweißt.

Breehorn hat bei Sirius die angebotenen „Halbschalen“ des Ruderblattes bestellt. Die sind aber noch nicht da. Es läuft also auf ein neues Ruderblatt hinaus – keine Reparatur des alten -, bei Verwendung der alten Ruderwelle.

Kleinholz aus Metall, der ehemalige Anlenkhebel für den Autopiloten

Haarrisse haben sich nirgendwo gezeigt, weder in der Rückwand, gegen die der Anlenkhebel für den Autopiloten den Kürzeren gezogen hat und abgebrochen ist, noch am Ruderkoker.

Der Stellmotor des Autopiloten ist bei Raymarine zur Überprüfung. Ergebnis liegt noch nicht vor.

Die Kehrseite der Medaille: bis Rüm Hart wieder ins Wasser und nach Warns überführt werden kann werden wohl noch weitere 2 Wochen vergehen.

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Hello again …

… isch sag einfach hello again … kennt man, nicht wahr? Der gute alte Howie hat’s damals gesungen. Mach ich jetzt auch (gut, dass Ihr’s nicht hören könnt), obgleich mir ja in den letzten Tagen eher weniger nach singen zumute war. Und das liegt an den Nachrichten aus dem Winterhafen.

Rüm Hart unten rum nackig

Wie unschwer am Titelfoto zu sehen ist, wurde Rüm Hart mittlerweile gekrant, um die notwendigen Arbeiten am Unterwasserschiff zu machen. Dieses Jahr – mein Schiff geht auf ein strammes Alter von sieben zu – ist tabula rasa fällig. Also alles runter bis aufs weiße Gelcoat (siehe Foto oben) und ein schrittweiser Neuaufbau mit mehreren Epoxy- und Antifoulingschichten.

Soweit so gut. Die Arbeiten sind fast fertig, aber mittlerweile sieht das Boot so aus. Genauer gesagt das Ruder. Was passiert ist? Nun ja, sagen wir es mal so: der Hafenmeister, auf den ich grundsätzlich große Stücke halte, hatte einen klitzekleinen Aussetzer und ist mit seinem Trecker samt Yachttrailer gegen das Ruderblatt gedonnert. Und zwar so gründlich, dass das Boot (7,5 Tonnen!) um rund 7 bis 8 cm nach vorn verschoben wurde, dass oben an der Ruderwelle ein massiver Hebel abgebrochen ist und dass das Ruderblatt selbst nur noch als Kleinholz anzusehen ist.

Wieder einmal bin ich heilfroh, dass  sich Sirius so einer Fort Knox Bauweise befleißigt. Hätte ich mich seinerzeit für eine gewichtsoptimierte Leichtbauyacht entschieden, wäre der kleinhölzige Zustand nun erheblich umfangreicher. Allein schon weil das Boot nicht nur um 7, sondern um wahrscheinlich 70 cm nach vorn geschoben worden wäre und dabei garantiert von den Holzböcken gerutscht und an Land gekentert wäre.

Abgebrochen von der Ruderwelle: der Anlenkhebel für den Autopiloten

Jedenfalls ist der Hafenmeister genauso geknickt wie mein Ruderblatt und entschuldigt sich mittlerweile zum einhundertsten Mal. Dabei muss man ja bei nüchterner Betrachtung sagen, dass ich noch Glück im Unglück habe, denn direkt nebenan gibt es die sehr renomierte Breehorn Werft, die eine fachliche Qualitätsreparatur angeboten hat. Weiterhin hat sich Sirius für eine kooperativen Zusammenarbeit mit Breehorn angeboten, z. B. in Form von Teilelieferungen, und „mein“ Hafenchef ist ganz offensichtlich sehr um eine Wiedergutmachung bemüht. Außerdem habe ich nach der Reparatur noch die ganze Saison vor mir und kann noch während der laufenden Garantiezeit (für die Reparatur) ausgiebig testen und probieren. Wenn schon, dann so und mit diesen Rahmenbedingungen. Ich hoffe, dass dieses Bauchgefühl bis zum Schluss anhält und nicht doch noch zur Magenverstimmung wird.

Der Übeltäter (mit dem Ding werden die Yachten im Hafengelände bugsiert)

Leider verzögert sich unser persönlicher Saisonstart um sicherlich 3 bis 4 Wochen. Noch nerviger ist der Papierkrieg mit der Versicherung des Hafenbetreibers, der heute mit langen Mails eröffnet wurde.

Shit happens.

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Ein letzter Gruß …

… aber nur für dieses Jahr. Ein kleiner Scherz aus der makabren Abteilung. Keine Sorge, es geht mir und uns gut. Und eeeendlich habe ich es am vergangenen Freitag geschafft, nach Woudsend zu fahren, um Rüm Hart einzuwintern und die „Frostschutznummer“ zu machen. Jetzt kann er – der Frost – meinetwegen kommen, wenn’s denn unbedingt sein muss.

Ich verabschiede mich dann mal in die Winterpause und wünsche Euch allen Frohe Weihnachten, eine reibungslose Rutschpartie ins neue Jahr und für selbiges Mast- und Schotbruch im weitesten Sinne.

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Familienausflug

Genauer: Familienausflug um Rüm Hart würdig in den Winterschlaf zu geleiten.  Mein Schiff kann schließlich nichts dafür, dass die Saison meteorologisch ziemlich mager ausfiel. Es ist tolles Herbstwetter, wenn auch kalt. Und so fahren wir zu fünft, inklusive Sigrids pflegeleichter und sympathischer Tante, nach Warns.

Die schon etwas ältere aber fitte Dame ist zum ersten Mal an Bord eines Segelschiffes und genießt die kurze Tour bis Galamadammen mit Ole und mir. Dort trifft sich die Sippe wieder, die Mädels trinken Kaffee im Restaurant und schauen uns beim Abschlagen der Segel zu, die von Ramses, dem Segelmacher aus Koudum, abgeholt werden. Ein bewährtes Verfahren (das mit dem Segelmacher). Er lagert die Tücher bei sich trocken ein, kontrolliert und reinigt sie und bringt sie mir im Frühjahr an gleicher Stelle wieder an Bord.

Für Ole und mich geht es danach noch 2 Stunden weiter nach Woudsend zum Winterhafen. Die Damen nutzen die Zeit, fahren nach Hindeloopen zum Sightseeing und genießen die versöhnliche Wetterlage.

Ein Blick zurück auf dieses Segeljahr lässt nur mittelprächtige Noten zu. Das hat nicht nur Wettergründe. In Stichworten: Wassereinbruch zuhause im Keller während unseres Sommertörns, was uns intensive Arbeitseinsätze beschert, und schließlich machen wir gleich weiter und räumen die Behausung an entscheidenen Stellen um. Fürs Segeln bleibt dadurch weniger Platz als erhofft.

Jetzt kann der Winter kommen, ich habe für dieses Jahr mit Segeln abgeschlossen. Rüm Hart muss allerdings noch eingewintert und ausgeräumt werden. Das wird mir noch zwei oder drei Tage an Bord bescheren. Und so ist es gut.

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Herbst …

… und damit Zeit der Muße und Ruhe. Zeit also, um endlich mal wieder ein richtiges Buch zu lesen – und dann auch noch gleich so einen Schinken mit über 500 Seiten. Und sogar während des Segelns, auf einem Trip von Medemblik nach Lemmer, bei sehr wenig Wind.

Dort liegt man übrigens gar nicht schlecht an der neuen Pier gleich hinter der alten Schleuse und kurz vor der ersten Brücke, die direkt in die Stadt reinführt. In meinem Fall gleich unter dem „Café Centrum“. Strom und Wasser am Steg, Poller und Pfähle in sehr kurzen Abständen, alles prima. Nur der Weg zum Klo und zur Dusche ist ein kurzer Spaziergang. Und dass man hin und wieder rausspringen muss, um neue Münzen für die Stromversorgung einzuwerfen finde ich sehr lästig – vor allem bei Mistwetter.

Das aber bleibt mir in diesen Tagen erspart. Letzte Woche noch war ich geflohen, das tatsächliche Wetter wurde schließlich noch bescheidener als das angekündigte. Und der Sturmtag am 13. Sept. gar noch heftiger als die 40 Knoten, von denen ich im letzten Beitrag sprach. Aber Rüm Hart hat alles schadlos überstanden.

So finde ich also Entspannung zwischen Warns – Makkum – Hindeloopen – Medemblik – Lemmer und schließlich wieder Warns. Diese Art von Herbst gefällt mir, schönes Segeln, mäßiger Wind und eine ruhige Wolkendramatik. Nur mein ursprünglicher Plan – 3 Wochen am Stück im Watt – funktioniert nicht. Schade, aber nicht zu ändern. Segeln ist nun einmal die Umsetzung von Natur und Wetter in Fortbewegung. Man muss sich anpassen, ob es an das Wetter oder an die Tide ist.

Auf dem Weg nach Makkum habe ich ziemlich exakt Rückwind und probiere was Neues aus. Genauer: was für mich Neues. Der Tipp kommt von Paul, der es mit seiner Sirius „Naviculum“ vormacht: Passatsegeln, also der gleichzeitige Gebrauch von 2 Vorsegeln. In diesem Fall des Code-0 auf der Steuerbordseite und der Genua an Backbord. Zufällig kreuzt Uli mit seiner „Mythos“ meinen Weg und macht diese Fotos. Danke Uli!

Keine schlechte Sache. Funktioniert ohne eines der Segel auszubaumen zwischen 170° Bb bis 170° Stb. Für die Rödelei am Spibaum habe ich immer keine Lust, vor allem nicht wenn ich, wie jetzt, allein unterwegs bin. Sonst wäre der nutzbare Windwinkel sicher etwas größer.

Zum Schluss ein Blick zur „blauen Stunde“ auf die Hafeneinfahrt zum Hylper Haven in Hindeloopen. Längs an der Pier – einer meiner Lieblingsplätze. Die Ruhe und Gelassenheit im Bild ist ein gutes Symbol. Übrigens: kein photoshop, kaum sonstige Bildbearbeitung. Die Farben sind echt. Nur wenig später sieht’s dann – bei fast entgegengesetzter Blickrichtung – so aus:

Und ganz zum Schluss 🙂 noch ein Hinweis auf die Seite „Basteleien“ (Hauptmenü oben, ganz rechts). Hier gibt’s auch was Neues. Ich hab meine Genuaschotführung verändert. Vielleicht eine Idee für den einen oder anderen.

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Abbruch

Na ja, eigentlich ist Abbruch sogar noch das falsche Wort, denn das was ich vorhatte, hat gar nicht stattgefunden, noch nicht einmal im Ansatz. 3 Wochen lang wollte ich das niederländische Watt – die Waddenzee – von links nach rechts, von West nach Ost „aufrollen“. Sogar die Tide hätte in dieser Woche dafür gepasst. Aaaaber …

Aber dann kam mir das Wetter dazwischen. Und Arbeiten am Boot. Und just für diese Arbeiten das geeignete Wetter (Sikaflex trocknet bei Sonnenschein am besten). Und eine Verpflichtung in Lelystad (davon zu einem anderen Zeitpunkt mal mehr). Dann war zu wenig Wind zum Segeln, dann viel zu viel. Und seit heute Morgen regnet es wie aus Kübeln.

Also habe ich meine to do Liste abgearbeitet: Verstärkungsplatte für die Ankerwinsch in der Decke der Bugkabine angebracht, Halterungen für die beiden kurzen Schleusen-Bootshaken unter den Steuerbord-Backskistendeckel gebaut (Danke Martin für die Anregung), alle Schlauchschellen nachgezogen (vor allem die von den Seeventilen), Genuaschotführung verändert (zeige ich später mal, ist noch nicht ganz vollendet), Motorinspektion und noch so ein paar Kleinigkeiten wie Getriebeöl checken oder endlich mal meine Schraubenkiste sortieren.

Das mit dem Regen und den Kübeln soll auch für die nächste Woche so bleiben. Hinzu kommt sehr kräftiger Wind – siehe oben den screenshot aus der Windfinder-Prognose. Für die Nichtsegler: ab 41 Knoten Wind (Donnerstag) haben wir Windstärke 9.

Jetzt fahre ich jedenfalls erstmal nach Hause. Und nehme einen neuen Anlauf auf die Waddenzee …

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Besuch an Bord

Immer sehr schön, wenn Besuch an die Reling klopft – naja, meistens. Manchmal ist es auch der Hafenmeister, der kassieren will … 🙁 . In diesem Fall ist es eine befreundete Familie, die zum ersten Mal ein Segelboot betritt.

Die beiden Jungs sind begeistert, die kleine Schwester guckt etwas skeptisch, hat dann aber alles im Griff. Vor allem die Pinne.

Leider ist es heute nur schwach und überhaupt wechselhaft windig. Wir machen uns auf den Weg von Medemblik nach Enkhuizen. Einige Windfelder gehen durch – Segel rauf, Segel runter -, aber dennoch müssen wir die meiste Strecke motoren.

Erstaunlich: das Umdenken, das „verkehrt herum Steuern“ mit einer Pinne, gelingt allen sehr schnell. Der Autopilot bleibt heute arbeitslos.

In Enkhuizen gibt’s zur Belohnung Fischbrötchen und Kaffee und anschließend Eis satt.

Auf dem Rückweg Knotenkunde für die Jungs. Wir werden nicht ganz fertig damit, Wind kommt auf. Endlich mal „schräg segeln“, vor allem die beiden Jungs sind begeistert. Ich knalle die Schoten dicht und höre: „Geil !!! …“. Wir fieren ein bisschen auf, und Rüm Hart beginnt zu laufen. Restlose Begeisterung …

Ein anderer, immer sehr gern gesehener Gast an Bord ist Klaus. Sigrid und ich liegen in Lelystad, in der Deko Marine, und Klaus kommt mit seiner schnellen Maris von Schokkerhaven zu uns gedüst. Sigrid brutzelt ein Abendessen und die notwendigen Kaltgetränke hole ich aus dem Kühlschrank. Ein wunderbarer und langer Abend.

Zum Ende unseres langen Segelurlaubs ein räumlicher Belastungstest für Rüm Hart. Fünf nette Menschen aus unserer Stegnachbarschaft im Heimathafen sind zum abendlichen Absacker eingeladen, macht mit Sigrid und mir insgesamt sieben. Ich mag das, diese sozialen Gemeinschaften sind mir wichtig. Man muss nur hinterher wieder den „Getränkekeller“ auffüllen … 🙂

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Like-Daumen mit Aua …

… ein gutes Symbol für die letzen (fast) 6 Wochen an Bord. Einerseits wunderbar und schön, erholsam und entspannend. Andererseits muss ich von Einschränkungen berichten, vor allem von meteorologischen.

Hindeloopen, das Sonnenzelt wird zum Regenschutz
… und gibt gerade noch den Blick auf die Hafeneinfahrt frei (von wo viel Schwell aus Nordwest reinläuft)

Das Wetter veranlasst uns immer wieder in Deckung zu gehen (zum Beispiel in Hindeloopen). So viele Hafentage in Relation zur Törndauer habe ich noch nie erlebt. Aber Sigrid und ich verstecken uns vor Starkwind und Regen und lassen uns lieber im Hafen in einer sicheren Box durchschaukeln.

Das kann durchaus seinen Reiz haben. Wir lesen, schlafen lange – ich bis um acht, Sigrid manchmal sogar bis um neun (was sie zuhause niiiie täte) -, räumen das Boot auf und arbeiten die Bastelliste ab.

Dann wieder sind wir draußen und pendeln nach Lust und Laune auf dem IJsselmeer und dem Markermeer hin und her. Und ins Watt zieht es uns auch, nach Texel, der westlichsten der niederländischen Inselkette vor der Waddenzee.

Hauptsaison – morgens um acht schon eine volle Schleuse in Den Oever
… und ein voller Hafen in Oudeschild auf Texel
Aber die Straßen auf Texel haben wir fast für uns allein

Das alles in der höchsten Hochsaison, was uns volle Häfen und viel Verkehr unterwegs beschert, mit so manchen fragwürdigen „Annäherungserlebnissen“ samt reichlich Hafen- und Schleusenkino. Der Höhepunkt ist ein Auffahrunfall in der Schleuse bei Stavoren. Ein kleiner Kajütkreuzer fährt uns achtern rein und hinterlässt keine dramatischen, aber deutliche Spuren. Der Skipper entschuldigt sich mehrfach und wir treffen uns für die Regulierung des Schadens gleich hinter der Schleuse. Kann passieren.

Auffahrunfall, Macke im Heck

Durch die zahlreichen Hafentage sind wir auch touristisch an Land unterwegs. Zum Beispiel mit der historischen Eisenbahn in Hoorn.

Klasse! Ein toller Verein, mit piekfein restaurierten und gepflegten Loks und Wagen, einem sehr interessanten Museumsgelände parallel zum Bahnhof von Hoorn und einer eigenen Strecke mit liebevoll erhaltenen Unterwegsstationen bis nach Medemblik, die man im Radfahrertempo absolviert.

Die Friesland, von außen …
… und von innen

Dort geht es endlich mal an Bord der Friesland (die uns schon so oft begegnet ist, aber noch nie war ich an Bord, und dann noch mit freiem Zugang zur Brücke) und zurück nach Enkhuizen. Was gleichzeitig den Wiedereinstieg in die Jetztzeit bedeutet, denn den letzten, kurzen Teil des Rundfahrt erledigt man mit der niederländischen Staatsbahn. Sehr empfehlenswert, ein toller Tag!

Gewitterlicht über Enkhuizen, Buyshaven

Bleibt noch die Frage, wieso mein Daumen so modisch gekleidet ist. Nun ja, wenn man es eilig hat, hakt schon mal das „tonnenschwere“ Schiebeluk der Rüm Hart ein wenig. Man ruckelt kurz aber kräftig und schon gibt es schlagartig nach. Und wenn man rücksichtsvoll den Lärm eines ungebremst zuschlagen Schiebeluks vermeiden will, hält man einfach seinen Daumen dazwischen. Schmerz und daraus resultierende Schnappatmung haben sich bereits nach rund 10 bis 15 Minuten wieder normalisiert.

Zum Trost gibt’s ein Eis – das hat schon vor 60 Jahren funktioniert, warum nicht auch jetzt. Ist übrigens ein Geheimtip: das beste Eis in Holland, am Hylperhaven von und zu Hindeloopen. Sehr lecker! Dass es gleich neben auch den besten Kibbeling gibt verrate ich jetzt aber nicht … 🙂

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Nordkap-Kreuzfahrt, Brückentag

wie versprochen, der Ausklang der Kreuzfahrer-Quadrologie ist ein nautischer. Zu berichten ist nämlich noch von einem Besuch auf der Brücke. Offensichtlich ein weiterer Vorteil der kleineren Schiffe, da ist sowas anscheinend eher möglich als auf den ganz großen Pötten.

Jedenfalls durften wir mal gucken, und der Wachhabende – nennt man den so?, ich kenn mich in den Karrierestrukturen der großen Seefahrt nicht aus – nahm sich auch tatsächlich Zeit, meine Fragen geduldig zu beantworten. Ein nicht gerade wortgewaltiger Typ, aber durchaus freundlich und zugewandt. Egal, die Ergebnisse sind interessant (Zitate aus der Erinnerung und übersetzt aus dem Englischen):

  1. Papierseekarten werden nicht mehr verwendet. Die haben 2 Riesenplotter da oben, die unabhängig voneinander laufen. Die sind sie verpflichtet zu benutzen. Deren Seekarten-Darstellung sieht ein bisschen anders aus als die Navionicskarte auf meinem Plötterchen, aber schön zu erkennen ist die Wegepunkte-Navigation, die sie genauso betreiben, wie manch einer von uns Kleinen.
  2. Antwort auf meine Frage, was ihm nachts bei uns Seglern lieber ist, eine Dreifarbenlaterne im Masttop, oder normale Seitenlichter unten am Rumpf: Ist uns egal. Hauptsache wir sehen euch auf dem Radar. Und speziell für die Kleinen haben wir ein zweites Radar.
  3. Als ich ihm erzählte, dass unter Seglern immer wieder mal die Vermutung aufkommt, dass die Großen das AIS-Signal der Kleinen (class B) unterdrücken, war seine spontane Reaktion: Quatsch! Wir haben sogar 2 AIS-Systeme und -Bildschirme, für die Großen (class A) und die Kleinen (class B). Da wird nichts abgeschaltet.

Wir haben dann noch ein bisschen übers Ankern gesprochen (2 Buganker, Gewicht weiß ich nicht mehr, mit je 250 m Kettenlänge, und die Regel 5fache Tiefe als zu steckende Kettenlänge kennen die auch, gern auch mehr) und dann war meine Zeit um, ich wollte denen da oben bei ihrem Job auch nicht auf die Nerven gehen. Beeindruckt hat mich das Flaggen- und Bücherregal. Sowas will ich auf Rüm Hart auch 🙂 .

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