Vrouwezand …

… ist ein sehr flaches Gebiet südlich von Stavoren. Wenn man – so wie ich heute – z. B. von Lemmer kommt, fährt man üblicherweise einen großen Bogen nach Westen (bis ungefähr zu dem Wort „Lacon“), bevor man schließlich nach Norden abbiegt und dann auf Stavoren oder Makkum zuhält. Es hat mich schon seit längerer Zeit gejuckt und heute hab ich’s mal probiert: die Abkürzung zwischen zwei Flachs hindurch. Bei schwachem Wind, sehr wenig Welle, nur unter Großsegel und bei mitlaufender Maschine. Was auf der Karte – siehe oben – eng aussieht, …

… ist über Wasser die pure Weite und völlig undramatisch. Zu Recht, denn im „Kanal“ zwischen den beiden „Unterwasserinseln“ habe ich die flachste Stelle mit 3,8 m beobachtet. Rüm Hart hat 1,25 m Tiefgang. Null Problemo.

Übrigens für die Karte oben gilt:
hellblau = tiefer als 2 m, blau = flacher als 2 m

*****

Lemmer

Tja, ich fürchte, meine Skipperin hat wieder mal recht. Irgendwas ist mit Lemmer, irgendwas Anziehendes. Ich versuche es mal: Es ist wohl diese Mischung aus „vibrant city“, in der was los ist, wo es was zu gucken gibt. Im Boot sitzen, Kaffee trinken und andere Menschen beobachten. Ihr touristisches Verhalten, ihr Konsumverhalten, ihre An- und Ablegemanöver (sofern mit dem Schiff unterwegs). Einerseits.

Links u. rechts am Kanal tobt das Leben, vor allem der touristische Konsum, mitten drin, auf dem Wasser ist Ruhe

Andererseits – und das ist das eigentlich Spannende – die Möglichkeit, mittendrin zu sein und dennoch seine Ruhe zu haben. Nun ja, nicht gerade im akustischen Sinne, aber im mentalen. Hinzu kommt natürlich noch das verdichtete maritime Flair, allein schon durch die Anzahl der Boote auf diesem kurzen Kanalstück.

Heute Morgen um kurz nach acht bin ich von Enkhuizen los. Frühstück gibt’s erst nach dem Ablegen im Stehen an der „Frühstücksbar“. Der Wind dreht ständig um bis zu 30°. Es wird ein Kreuzkurs, mit einem Anleger komm ich nicht hin. Zuerst bei schwachem Wind, später deutlich mehr. Nach 6:25 Std. bin ich da und liege im Päckchen an einer schnuckeligen, niederländischen Stahl-Motoryacht mit typischer Seniorencrew: Skipper und Skipperin. Nett und hilfsbereit. Man bittet mich, mein Schiff möglichst weit nach vorn zu verholen, damit ich ihnen die Sicht nicht versperre. „Wir wollen auch gucken … “ Sag ich doch.

*****

zwei, drei Tage war er krank …

… nu segelt er wieder, Gott sei Dank. Bei Wilhelm Busch war’s der Frosch, und der hat als Zeichen seiner Genesung auch geraucht. Das wäre das Hinterallerletzte, das mir in den Sinn käme. Aber der Reihe nach: heute Morgen war ich ziemlich verwundert, dass ich einigermaßen schmerzfrei aus der Koje kam. Den geplanten Arztbesuch hab ich abgeblasen und statt dessen die Leinen losgeworfen. Raus, segeln.

Ok, Rentnerseglen. Heißt: nur unter Genua. Das Großsegel bleibt unten, das muss ich mit angeschlagenem Rücken nicht hochreißen. Immerhin mit so um die 4 Knoten schaukele ich nach Enkhuizen, entscheide mich dort für den Buitenhaven und stelle mich innerlich auf Päckchenliegen ein. Aber – oh Wunder – es sind tatsächlich noch Boxen frei. Flugs rutsche ich in eine rein und hab jetzt neben mir an Backbord eine Motoryacht mit einem zurückhaltenden, aber hilfsbereiten niederländischen Paar und an Steuerbord ein kleines, knuffiges Plattbodenschiffchen mit einem jungen Pärchen aus – Bayern.

Mal sehen wo ich morgen – Dienstag – lande. Und wo ich Mittwoch Fußball gucken kann (für die Chronik: WM Vorrundenspiel Deutschland gegen Südkorea)

*****

Heftig

Es waren heftige Stunden, zumindest die letzten 24. Gestern Mittag war ich bei Starkwind und teils sehr kräftigen Regenschauern hier angekommen. Heute Nacht wurde es so heftig mit dem Wind, dass ich in meiner Koje unterm Salon wirklich hin und her geworfen wurde. Hab bis um 5 Uhr morgens kein Auge zugemacht. Ständig Schiss, dass sich mein Rigg mit denen der Nachbarschiffe verhakt. Ist aber gut gegangen. Der Windmesser zeigte in Böen weit mehr als 30 Knoten an. Was an sich nicht sooo dramatisch ist, aber die Windwalzen fielen wie Vorschlaghämmer aus dem Nichts heraus ein. Und aus Nord-Nordwest trifft es uns hier ziemlich direkt, weil ohne Abdeckung.

Aktueller (21:45 Uhr) Blick in Windrichtung bei mittlerweile gemäßigten Verhältnissen

Und dann beim Duschen heute Morgen gibt es den Tritt in den Allerwertesten. Na ja, knapp darüber. Hexenschuss. Schleppe mich seit dem mühsam durchs Boot und durch den Hafen.

Dieseltank mit geöffnetem Inspektionsluk

Immerhin habe ich Teile meiner to do list abgearbeitet. Das Schönste: hab endlich mal den Dieseltank aufgemacht und inspiziert. Ergebnis: kein Dieselschlamm, so gut wie keine Bakterien. Ganz wenige nur (die schwarzen Stippen auf dem Foto oben). Die werde ich absaugen.

Drückt mir die Daumen, dass mich morgen die Hexe in Ruhe lässt. Ich will segeln!

*****

Chemiebaukasten

… so könnte man mein Abendessen mit Fug und Recht bezeichnen. Fleischklops (geht so) aus der Fertigabeilung des hiesigen Coop, Instant-Kartoffelbrei (lecker!) aus der Tüte und zum Nachtisch sehr „luftiger“ Pudding aus dem Kühlregal. Wirklich insgesamt ein Chemiebaukasten.

Aber, jetzt kommt’s: serviert mit gebratenen Apfelscheiben. Selbst geschnitten, selbst von zuhause mitgebracht (den Appel). Ein Vitamincocktail wie aus dem Biobuch (ich spür’s schon) und wahrscheinlich ganz ohne Kohlenhydranten, aber mit linksgezwirbelten Fettlaugen.

Jedenfalls bin ich seit heute Mittag wieder an Bord und hab mich erstmal intensiv mit meinem Klo beschäftigen müssen (läuft permanent wieder in die Schüssel zurück). Finde den Fehler nicht. Aber keine Sorge, Fotos gibt’s davon nicht.

*****

was Neues

Ich schon wieder. Wenn ich innerhalb von 24 Std. 2 Blogeinträge schreibe heißt das, dass ich endgültig dem Winterblues entronnen und im Segelmodus angekommen bin. Ich wollt auch nur schnell 3 Neuigkeiten vermelden:

  1. Ich hab die Kolumnen wieder aktualisiert. Hatte ich ein bisschen verschlafen – sorry.
  2. Dort auf der Kolumenseite gibt es als Wiedergutmachung – ok ok, ein bisschen Angeberei ist auch dabei – einen Artikel aus dem Aprilheft über die niederländische Wasserpolizei.
  3. Ab sofort ist die Kommentarfunktion zu den Beiträgen wieder freigeschaltet. Durch einen Hackerangriff musste ich Euch zur Enthaltsamkeit verdonnern. Jetzt aber wieder …

*****

Juhu, fertig!!!

Da strahlt der Skipper, wenn sein Schiffchen endlich fertig ist und auf die fast schon enteilte Saison losgelassen werden kann. Am Freitag war Übergabe. Rüm Hart schwamm schon im Wasser, aber ich wollte das neue Ruder (und die sonstigen Arbeiten) noch einmal sehen und begutachten, also ab unter den Kran und wenige Minuten später schweben 7,5 Tonnen über dem Beton. Und das sieht so aus:

Ja, richtig, das neue Ruderblatt hat nun unten eine Art Finne. Ich bin noch nicht ganz dahinter gekommen, ob es dabei um hydrodynamische Effekte geht, oder um die Vergrößerung der Aufstandsfläche beim Trockenfallen. Da es sich ja um die Original-Formteile von Sirius handelt, habe ich dort mal angefragt, aber noch keine Antwort erhalten.

Kurs Nord, an Vrouwezand vorbei

Die folgenden Tage sind anstrengend. Nein, nicht das Segeln an sich, aber das Segeln bei tierischer Sonne. Man verglüht in der eigenen Umlaufbahn. Ich bin kein Sonnenjünger, im Gegenteil. Die Nebenwirkungen sind nicht ohne bei mir. Aber der Wind ist zumindest toll. So eine stabile Ostlage hatten wir glaube ich im Mai lange nicht mehr.

Ole und ich sind erstmal rüber nach Enkhuizen, trauen uns in den Buitenhaven und probieren mal wieder Päckchenliegen, mit sehr angenehmen Nachbarn.

Päckchenliegen in Enkhuizen

Zurück nach Hindeloopen, Kanalfahrt nach Heeg, nochmal kurz nach Woudsend und binnen zurück nach Warns.

Hindeloopen
Grillen im Cockpit mit Hähnchenfilet und …
… Pelkartoffeln

Ole ist heute Mittag gefahren, ich bleibe für ein paar Basteltage an Bord, und Freitagabend kommt Sigrid. Ergebnis von heute:

Ein neuer Seifenspender und eine Handtuchstange (unter dem oberen Bildrand) im Bad. Und …

… der Bordgrill ist auch wieder sauber. Wichtig für den „soziologischen Teil“ am Abend nach der Latte-Cup Regatta am kommenden Samstag.

Dancing cheek to cheek: Naviculum und Rüm Hart

Das wichtigste aber: Rüm Hart liegt wieder an ihrem Platz im Heimathafen in Warns (siehe auch Aufmacherfoto ganz oben). Schön kuschelig neben der Naviculum von unseren Freunden Elke und Paul.

*****

es wird …

… hoffentlich nicht mehr lange dauern, bis Rüm Hart wieder ins Wasser darf. Angepeilt wird von den entscheidenden Personen das kommende Wochenende.

Gerade eben komme ich zurück aus Holland und hab die ersten Dinge aus dem häuslichen Basiscamp an Bord gebracht, hab mit dem Breehorn-Chef gesprochen und mit Steven, dem Hafenchef. Bin dann noch zu Ramses, dem Segelmacher gefahren um die Herausgabe meiner dort eingelagerten Segel zu organisieren und hab in Stavoren ein Matjesbrötchen genossen. Endlich mal wieder, sehr lecker!

Skeg, fertig gespachtelt und geschliffen

Aber das ist alles nur zweite und dritte Liga. Die erste ist ganz oben auf dem Eröffnungsfoto zu sehen: mein noch nicht fertiges Ruder. Immerhin ist die Ruderwelle gerade geblieben und die unterste (abstehende) Strebe (ganz rechts) nun wieder geschweißt. Das sieht pikobello aus. Die Ruderhalbschalen von Sirius sind auch da (noch eingepackt) und das Ganze soll in den nächsten Tagen ein fertiges Ruder werden. Der Skeg ist schon fast fertig.

Ergebnis: ich bin mit der berechtigten Hoffnung nach Hause gefahren, dass Pfingsten nun endlich für uns die Saison beginnen kann. Klopf klopf klopf …

*****

Ruder los

Tatsächlich, Rüm Hart ist das Ruder los. Sieht komisch aus, nicht?

Wir, Ole und ich, kommen gerade zurück vom Boot. Der Skeg ist bereits repariert, fast fertig, und derjenige, der mir geschrieben hatte, dass die gesamte Region möglicherweise hinterher stabiler sein wird als vorher, hat recht. Breehorn hat das Ganze zusätzlich noch mit Glasgewebe und Harz umlegt. Gleiches haben die beim Ruder vor. Die Ruderwelle wurde vermessen und ist (für mich) erstaunlicherweise kerzengerade geblieben. Torsten Schmidt, der Sirius-Chef, hatte recht mit der Vermutung, dass das gut gegangen sein könnte, weil die Welle und das Ruder ziemlich kräftig ausgelegt seien. Ist ja schließlich für das Schiff (mit Kimmkielen) auch das dritte Standbein.

Letzte Arbeiten am Skeg

Jedenfalls gibt es unten an der Welle, innerhalb des Ruderblattkörpers, noch waagerecht von der Welle nach achtern abstehende Metallstreben, die das Ruderblatt versteifen und die Querkräfte aufnehmen. Von denen war eine vollständig abgebrochen (die unterste) und eine weitere angeknackst. Die werden vorsichtshalber alle komplett neu verschweißt.

Breehorn hat bei Sirius die angebotenen „Halbschalen“ des Ruderblattes bestellt. Die sind aber noch nicht da. Es läuft also auf ein neues Ruderblatt hinaus – keine Reparatur des alten -, bei Verwendung der alten Ruderwelle.

Kleinholz aus Metall, der ehemalige Anlenkhebel für den Autopiloten

Haarrisse haben sich nirgendwo gezeigt, weder in der Rückwand, gegen die der Anlenkhebel für den Autopiloten den Kürzeren gezogen hat und abgebrochen ist, noch am Ruderkoker.

Der Stellmotor des Autopiloten ist bei Raymarine zur Überprüfung. Ergebnis liegt noch nicht vor.

Die Kehrseite der Medaille: bis Rüm Hart wieder ins Wasser und nach Warns überführt werden kann werden wohl noch weitere 2 Wochen vergehen.

*****

Hello again …

… isch sag einfach hello again … kennt man, nicht wahr? Der gute alte Howie hat’s damals gesungen. Mach ich jetzt auch (gut, dass Ihr’s nicht hören könnt), obgleich mir ja in den letzten Tagen eher weniger nach singen zumute war. Und das liegt an den Nachrichten aus dem Winterhafen.

Rüm Hart unten rum nackig

Wie unschwer am Titelfoto zu sehen ist, wurde Rüm Hart mittlerweile gekrant, um die notwendigen Arbeiten am Unterwasserschiff zu machen. Dieses Jahr – mein Schiff geht auf ein strammes Alter von sieben zu – ist tabula rasa fällig. Also alles runter bis aufs weiße Gelcoat (siehe Foto oben) und ein schrittweiser Neuaufbau mit mehreren Epoxy- und Antifoulingschichten.

Soweit so gut. Die Arbeiten sind fast fertig, aber mittlerweile sieht das Boot so aus. Genauer gesagt das Ruder. Was passiert ist? Nun ja, sagen wir es mal so: der Hafenmeister, auf den ich grundsätzlich große Stücke halte, hatte einen klitzekleinen Aussetzer und ist mit seinem Trecker samt Yachttrailer gegen das Ruderblatt gedonnert. Und zwar so gründlich, dass das Boot (7,5 Tonnen!) um rund 7 bis 8 cm nach vorn verschoben wurde, dass oben an der Ruderwelle ein massiver Hebel abgebrochen ist und dass das Ruderblatt selbst nur noch als Kleinholz anzusehen ist.

Wieder einmal bin ich heilfroh, dass  sich Sirius so einer Fort Knox Bauweise befleißigt. Hätte ich mich seinerzeit für eine gewichtsoptimierte Leichtbauyacht entschieden, wäre der kleinhölzige Zustand nun erheblich umfangreicher. Allein schon weil das Boot nicht nur um 7, sondern um wahrscheinlich 70 cm nach vorn geschoben worden wäre und dabei garantiert von den Holzböcken gerutscht und an Land gekentert wäre.

Abgebrochen von der Ruderwelle: der Anlenkhebel für den Autopiloten

Jedenfalls ist der Hafenmeister genauso geknickt wie mein Ruderblatt und entschuldigt sich mittlerweile zum einhundertsten Mal. Dabei muss man ja bei nüchterner Betrachtung sagen, dass ich noch Glück im Unglück habe, denn direkt nebenan gibt es die sehr renomierte Breehorn Werft, die eine fachliche Qualitätsreparatur angeboten hat. Weiterhin hat sich Sirius für eine kooperativen Zusammenarbeit mit Breehorn angeboten, z. B. in Form von Teilelieferungen, und „mein“ Hafenchef ist ganz offensichtlich sehr um eine Wiedergutmachung bemüht. Außerdem habe ich nach der Reparatur noch die ganze Saison vor mir und kann noch während der laufenden Garantiezeit (für die Reparatur) ausgiebig testen und probieren. Wenn schon, dann so und mit diesen Rahmenbedingungen. Ich hoffe, dass dieses Bauchgefühl bis zum Schluss anhält und nicht doch noch zur Magenverstimmung wird.

Der Übeltäter (mit dem Ding werden die Yachten im Hafengelände bugsiert)

Leider verzögert sich unser persönlicher Saisonstart um sicherlich 3 bis 4 Wochen. Noch nerviger ist der Papierkrieg mit der Versicherung des Hafenbetreibers, der heute mit langen Mails eröffnet wurde.

Shit happens.

*****

Zur Werkzeugleiste springen