von Manfred Jansen / am 05.08.2022 / in
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Rüm Hart und ich sind ein eingespieltes Team. Nach so vielen Jahren braucht es keine Eingewöhnung, die Handgriffe sitzen, die Manöver laufen und alles fühlt sich sofort vertraut an. Ich glaube, ich könnte sie blind bedienen.

Seit meinem Umzug nach München vor einigen Jahren konzentriere ich meine Segeltörns auf 4 Wochen „Floating Office“ (50% Urlaub = vormittags 4 Std. arbeiten, danach segeln) im Sommer, so auch dieses Jahr. So verbringe ich zum Glück weiter recht viel Zeit auf und mit Rüm Hart. Wir kennen einander also – dachte ich zumindest.

Dann war ich nach einem sehr entspannten Segeltag kurz vor Amsterdam, voller Vorfreude auf ein paar Tage in dieser tollen Stadt. Ich schmeiße den Motor an, beginne die Segel zu bergen und denke so nebenbei, dass da etwas nicht stimmt. Ich gebe Gas – vorwärts, rückwärts – alles fühlt sich an, als fahren wir durch Wackelpudding und der Motor röhrt in ungewöhnlicher Lautstärke.

Während ich noch innerlich fluchend im Cockpit stehe, auf einmal ein schriller, lauter Ton: Der Motor überhitzt. Ich springe zum Bedienpaneel und schalte den Motor sofort wieder aus. Papa hat es mir immer wieder eingebläut und betont, wie teuer ein Motorschaden ist. Sch…, und was jetzt?

Direkt im Fahrwasser vor Amsterdam mit massig Schiffsverkehr treibe ich durch die Gegend. Also erst einmal wieder raus mit der Genua. Nach kurzer Schock-Starre berate ich mich telefonisch mit Papa und beschließe, nach Almere auszuweichen.

 

Vorm Hafen entscheide ich, unter Segeln dort anzulegen. Die Hafenmeisterin ist zwar sichtlich nicht begeistert von diesem Manöver und teilt mir dies auch sofort mit, aber ich schaffe es ohne Probleme an den Meldesteiger direkt nach der Hafeneinfahrt – für irgendetwas muss das viele Jollen-Segeln in Jugendjahren ja gut gewesen sein 😉

All das passiert natürlich, wie das immer so ist, am Freitag Spätnachmittag und ich habe wenig Lust bis Montag hierzubleiben, damit ein Techniker sich das anschaut. Also stehe ich vor einer für mich völlig neuen Herausforderung: Ich muss an das Innere von Rüm Hart ran: den Motor! Bislang hat sich das bei mir auf Ölpeilstab prüfen beschränkt.

Papa und ich stehen im Daueraustausch und ich bekomme eine Anleitung nach der anderen geschickt, die ich mit gehörigem Respekt abarbeite. Wasserfilter, Seeventil, Wärmetauscher, Impeller – alles Begriffe, die ich zwar kannte, aber nicht mal hätte zeigen, geschweige denn auseinander- und wieder zusammenbauen können. Ich bin mir sicher, dass Papa währenddessen sehr unentspannt zu Hause sitzt, aber ich kann den Übeltäter bald melden:

Impeller-Puzzle, die restlichen Teile wurden auch noch gefunden

Der Impeller ist völlig ohne Flügel in seinem Gehäuse. Ich tausche ihn aus und danach scheint in meinen Tests am Steg alles wieder normal. Für viele von euch Lesern ist das alles sicher nichts Ungewöhnliches, für mich aber ist es eine Premiere, nach der ich völlig platt aber auch ein wenig stolz im Cockpit bei einem verdienten Heineken 0.0 sitze.

Ich entscheide abzulegen um dann unterwegs jedes Geräusch und Zucken des Motors überzuinterpretieren, bis ich zwar unentspannt, aber heile in Amsterdam ankomme. Bei einer Motorkontrolle stelle ich allerdings fest, dass ordentlich Wasser in der Bilge ist, so dass es sogar schon nach vorne unter die Koje geschwappt ist.
Um die Bilge wieder trockenzulegen muss ich die große Koje auseinanderbauen. Wer das noch nie gemacht hat: Das ist verdammt anstrengend und auf einmal ziemlich eng in einem an sich so geräumigen Schiff. Leider finde ich die Ursache für das viele Wasser nicht. Die nächsten zwei Wochen wird es also zur Routine, nach jedem (Segel-)Tag in die Tiefen der Rüm Hart zu klettern, alles auseinanderzubauen und abzupumpen, wenn ich im Hafen angekommen bin.

Marker Wadden

Irgendwann klettere ich unter Motor in die Backskiste und sehe ganz hinten einen Kasten blubbern. Papa bekommt ein Video und bestätigt, dass es der Rücklauf des Auspuffs ist (Wassersammler), der mich da so ärgert. Da ist meine Zeit mit Rüm Hart aber für dieses Jahr schon fast wieder vorbei, so dass ich die Bilge noch ein letztes Mal trockenlege und die Reparatur Papa überlasse.

Habe ich zwischendurch geflucht? Sicher! Hätte ich auch ohne diese Vorkommnisse genug Action auf meinem Törn gehabt? Definitiv! Bin ich trotzdem irgendwie glücklich, dass es passiert ist? Ja! Es hat Spaß gemacht, diese Dinge in den Griff zu bekommen und ich bin froh, dass ich jetzt weiß, dass ich zur Not auch mit Motorproblemen klarkomme. Nach 11 Jahren habe ich das Schiff und seine „inneren Werte“ noch einmal ganz neu kennengelernt. Danke Rüm Hart, für tolle 4 Wochen an Bord.

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