Kunstflug

Nein, ich habe nicht das Hobby gewechselt (obgleich die Fliegerei ein heimliches Faszinosum für mich ist). Und als kunstvoll kann man es schon gar nicht bezeichnen, was mir passiert ist. Aber es ist passiert, und ich habe es in eine Kolumne für die segeln verarbeitet (war ja klar). Aber bitte, lest selbst (einfach auf den Ausschnitt klicken):

Jedenfalls bin ich als segelnde Wäscheleine 3 Stunden später in Enkhuizen angekommen – siehe Foto ganz oben.

Dabei habe ich noch Glück gehabt, es hätte auch ins Auge gehen können. Hier ist ein screenshot von der webcam in Hindeloopen, ca. 1 Std. nach der „Flugschau“. Der Kreis zeigt genau den Tatort. Ich lag längsseits an der Motoryacht „Feriado“, mit dem Bug zum Steg. Und noch während der Wasserlandung war ich sehr dankbar, dass der Kollege hinter seinem Heck so viel Platz zum Steg gelassen hatte. Ich wäre sonst rücklings tief unten auf seine Badeplattform geknallt … 🙁  🙁 .

Es war das erste Mal, dass mir beim Segeln so ein „feuchter Abgang“ widerfahren ist – die Jollenzeiten lassen wir jetzt mal weg. Aber es ist das letzte Mal, dass ich eine Kolumne daraus gemacht habe. Seit fast 6 Jahren schreibe ich Kolumnen für die segeln (um genau zu sein: 67 Stück), aber in den letzten 12 Monaten musste ich feststellen, dass es mir immer schwerer fiel Themen zu finden. Und – wohl daraus resultierend – meinte ich selbstkritisch erkennen zu müssen, dass ich hin und wieder nur noch gequirlt launig schrieb. Manchmal war es etwas bemüht humorig, ich muss es wohl zugeben. Und bevor der Chefredakteur das auch merkt … 🙂 . Jedenfalls haben wir vereinbart, dass ich der segeln erhalten bleibe, aber nur noch in loser Reihenfolge „normale“ Artikel verzapfe.

So isset. Aber diese letzte fürs Dezemberheft (jetzt im Kiosk), die hat mir so richtig Spaß gemacht.

Etwas weniger lustig war der Kauf einer neuen Brille. Die alte ruht jetzt für immer und ewig im niederländischen „Tiefsee“-Schlick … 🙁

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Feierabend …

… mit dieser Saison. Das war’s. Aber nicht etwa sang- und klanglos, nein, das muss schon ordentlich zelebriert werden. Zunächst „zelebriere“ ich alleine. Noch mal die Standardhäfen abklappern, zum Beispiel Enkhuizen. Und – oh Wunder! – obwohl ich relativ spät einlaufe, bekomme ich noch eine Box im Buitenhaven. Und da ich mit meiner neuen Kamera noch ein bisschen rumspielen muss, entsteht wieder mal eine Nachtaufnahme. Das Lichterspiel dort ist aber auch zu verlockend.

Ein paar Tage mit leichtem Wind. In diesem Fall (nächstes Foto): leichter Rückenwind. Prima für eine Passatbesegelung aus Genua plus Code-0.

Oder: sehr früh, mit dem ersten Morgenlicht, ablegen, aus dem Hafen schleichen und erst nach dem Segelsetzen ein leckeres Frühstück an Bord bereiten. Der Vorteil einer Decksalon-Yacht: man hat auch beim Schmausen am Salontisch durch Front- und Seitenfenster den vollen Überblick

Und auch das passiert mir auf den letzten Saisonmetern: endlich mal ein Foto von Rüm Hart und ihrem Skipper an beider Lieblingsplatz unter dem Radboud Castell in Medemblik. Danke an die Kavenga-Crew.

Schließlich kommt Sigrid an Bord, und die folgenden Fotos entstammen fast alle ihrer stets schussbereiten Kamera. Kurze Zwischenstation in Makkum an unserem Lieblingsplatz an der Außenpier der Marina, direkt im Kanal, …

… von wo aus man (zumindest zu einer Seite) einen wunderbaren Blick auf das schon herbstlich gefärbte Naturschutzgebiet hat:

Dann aber geht’s raus ins Watt. Genauer: mit ablaufendem Wasser nach Vlieland. Natürlich über’s Wattenhoch Zuidoostrak und weiter über das Inschot Fahrwasser. Bei Rüm Hart mit nur 1,25 m Tiefgang (Kimmkiele) passt das und geht das. Der Beweis:

Die Gasstation „Zuidwal“ an unserer Steuerbordseite. Nicht gerade eine Perle im Watt, aber auch Rüm Harts Gasflasche möchte regelmäßig befüllt werden.

Südost-Spitze von Vlieland

Wir bleiben 2 Nächte auf Vlieland, und das Wetter kommt uns gerade recht für eine tolle Radtour mit Leihrädern zur Westseite der Insel und zurück

Zum Baden ist es natürlich mittlerweile – Mitte Oktober – zu kalt. Aber ein Blick über die Außendünen auf die weite Nordsee muss natürlich sein. Wenigsten das.

Ja, und das war’s dann wirklich. Zurück im Heimathafen gibt’s mit dem „Stamppoteten“ noch die übliche Saison-Abschlussfete bei Ella (unsere Hafenkneipen-Wirtin). Am nächsten Morgen Segel abschlagen, Sigrid bringt sie mit dem Auto zum Segelmacher Ramses nach Koudum und macht in Galamadammen noch ein letztes Foto von Rüm Hart – siehe Aufmacherfoto ganz oben. Ich diesele unter blankem Mast gen Osten über’s Heeger Meer nach Woudsend in unseren mittlerweile bewährten Winterhafen. Abends sind wir wieder zuhause und werfen den Ofen an.

In den kommenden Tage fahre ich noch mal wieder hin und mache die „große Frostschutznummer“. Heißt: Motor einwintern, Sanitäranlage entleeren, Seeventile mit Frostschutz auffüllen und noch ein paar Kleinigkeiten.

Und nur für den Fall, dass jemand fragt, was das sooo früh schon soll: Letztes Jahr habe ich’s im Dezember gemacht, bin nass bis auf’s Hemd geworden und hab mir A… sorry … Popo und Finger abgefroren. Und hab eingesehen: dafür bin ich zu alt 🙁

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Sturm

Na gut, sagen wir korrekter: Starkwind. Aber viel fehlt nicht. Alles fängt harmlos an. In Hindeloopen ist alles noch friedlich. Kaffee mit Henk, dem Hafenmeister, später kommt Thomas mit seiner EmiLu längseits, wir liegen im Päckchen. Zwei Stunden später übrigens auch Christian aus Amsterdam, beides Freunde aus dem Segeln Forum. Schwätzchen beim Kaffee im Cockpit, und abends gehen wir zu viert essen.

Am nächsten Tag Enkhuizen, immer noch mit Bummelwind. Aber dann, nachts, frischt es stark auf. Sigrid möchte trotzdem ablegen, ihr ist mal wieder – gar nicht bange – nach „Äktschn“. Die vorhergesagten 24 Knoten Wind, in Böen bis 30, sind ihr nicht unbekannt. Also Windstärke 6 bis 7 aus SSW. Mit Rückenwind nach Den Oever sollte kein Problem sein.

Ist es auch zunächst nicht. Nur unter Genua (das Groß liegt auf dem Baum bereit, bleibt aber unten) ist alles easy. Aber der Wind dreht erstens auf fast West und wird zweitens immer stärker, stärker als vorhergesagt. Wenn das so weitergeht gibt’s nur zwei sinnvolle Möglichkeiten: umkehren oder ablaufen auf Makkum oder Hindeloopen. Wir entscheiden uns für Makkum (bei der vor Hindeloopen zu erwartenden Welle quer zum Einfahrtskanal durch die Flachs … nö danke).

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Video-Link: https://youtu.be/dAAv9OmCl0U

Alles prima, das macht Spaß, wie man sieht. Aber eine sträfliche Sünde muss an dieser Stelle auch gebeichtet werden: ohne Rettungsweste im Cockpit. Eigentlich streng verboten bei uns, es sei denn bei absolutem Schwachwind, aber bestimmt nicht bei diesen Bedingungen. Ok, wir geloben Besserung und versichern, dass es wirklich nur für diesen kurzen Augenblick war. Der Beweis:

Eine halbe Stunde nach den Filmaufnahmen haben wir in Böen fast 40 Knoten Wind (39 Komma irgendwas), da fehlt nicht viel an 9 Beaufort. Der Grundwind hält sich bei 33 bis 35 Knoten auf. Nur unter Genua stehen beständig über 8 Knoten auf dem Tacho. Ich beobachte die Relativgeschwindigkeit zu den anrollenden Wellen. Die sind immer noch schneller. Zwei Sonnenschüsse im Viertelstundenabstand. Zum ersten Mal in Rüm Harts Leben rolle ich die Genau teilweise ein, schmeiße den Diesel an und lass die Schraube mitlaufen. Das bringt Stabilität in den Kurs. Zum einen wohl wegen der ausgewogeneren „Antriebskräfte“ (wie Allrad beim Motorrad 🙂 …), zum anderen aber sicher auch, weil durch den Schraubenstrom das Ruderblatt zusätzlich angeströmt wird und der Autopilot leichteres Spiel hat (der ansonsten tapfer und zuverlässig seinen Job tut, braves Kerlchen). Nun beginnt sich das Groß, das zwischen den Lazy Jacks und offenen Bags lose auf dem Baum liegt, selbstständig zu machen, es weht mehr und mehr aus. Ich kann es, im Niedergang stehend, mit langen Armen einfangen und einen Zeisig drum herum schlagen. Erledigt. Wellen, die Relingshöhe erreichen, rollen von schräg achtern an. IJsselmeerwellen! Der Kenner weiß was das heißt. An’s Fotografieren oder gar Filmen denkt keiner von uns Beiden. Jetzt noch die Anfahrt auf Makkum zwischen die Flachs durch. Ich lass den Autopiloten steuern, korrigiere nur ständig mit der Fernbedienung den Kurs. Das klappt hervorragend. Endlich ist die Kanaleinfahrt da – zack, die Wahnsinnswellen sind wie abgeschaltet. Uff! Wir machen im Stadthafen fest und treffen verabredungsgemäß Fred. Sigrid bekommt ein dickes Lob und einen selbigen Kuss. Sehr tapfer durchgehalten.

Zwei Tage später liegt Rüm Hart sicher mit zweifacher Bugleine nach Luv an ihrem Heimatplatz in Warns. Der nächste Sturm hat sich angekündigt. Es ist Herbst. Das Saisonende naht.

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Six men and a pub and a pint …

… and a boat! Ok, warum gibt der Schreiberling mit seinem angelsächsischen Kauderwelsch an? Weil es von einem Irland-Törn zu berichten gibt. Genauer: 6 gestandene Männer mit einem gecharterten Motorschiff auf dem Shannon. Hintergrund: alle 2 Jahre gehen die Reitersegler (bescheuerter Name, wir müssen uns mal was Neues ausdenken) eigentlich auf Segeltörn, dieses Mal aber halt „nur“ auf ein Motorboot. Auf dem Shannon. Denn da kann man kaum segeln. Zu viele Brücken. Viel zu viele.

So, verschaffen wir uns erstmal einen Überblick über den Dampfer. Bitteschön, ein Drohnenflug. Es ist die 14 Meter Penichette in Bildmitte mit der Crew auf dem Achterdeck:

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Video-Link: https://youtu.be/raC3mkwuxOU

Zwei Schiffe an unserer Backbordseite liegen Jennifer und Dominik, ein sehr nettes, junges Pärchen, die ihren Mini-Heli dabei haben und uns später diese (und noch mehr) Aufnahmen zur Verfügung stellen. Danke ihr Beiden!

Das zeigt schon, fotografisch ist dieser Blogeintrag etwas anders zustande gekommen. Ich wage mich an bewegte Bilder und so manches Handyfoto ist auch dabei. Auf geht’s. Oben die Crew. Alles dabei, was man an Bord dringend braucht: talentierte Köche und Tellerwäscher, Musiker und Poeten, Kameramänner und Fotografen. Heiliger Neptun … fast hätt‘ ich den versoffenen, halbblinden und unterbelichteten Skipper vergessen … Alles Weitere erzähle ich jetzt in Stichworten und Bildern. Zum Beispiel vom ersten Akt der Reise: der Suche nach einer geeigneten und bezahlbaren Gitarre in ganz Dublin. Sehr wichtig!  Oder von der Crew, die sich zum Bootsübernahme-Bier auf dem achterlichen Sonnendeck versammelt (während der Käpt’n sich noch mit seinem Handy abmüht und versucht den eigenen Schatten aus dem Bild zu kriegen):Von der sagenhaften Pub-Kultur in Irland. Sangesfreudig, trinkfest, weltoffen und ausgesprochen gastfreundlich, die Iren. Man ist sofort willkommen, mitten drin und muss erzählen …Von Live Musik in fast jedem Pub und zwar von erstaunlicher Qualität:

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Video-Link: https://youtu.be/gXb3m8CfX1o

Erzählen will ich von Angelversuchen und Anglerglück:

Dieser kleine Hecht, den Ludger am Haken hat, bleibt allerdings der einzige Fang in unserer Shannon-Woche. Aber lecker ist er schon – also der Hecht, Ludger wird verschont. Hat allerdings sehr viele Gräten (der Hecht …). Ich werde jedoch belehrt, dass das typisch für seine Gattung sei. Egal, unsere Bordküchenchefs jedenfalls wissen dem Tierchen zu einem äußerst schmackhaften zweiten Leben zu verhelfen.

Ich muss berichten von unseren Musikabenden unter – Achtung! – Verwendung unseres eigenen Liederbuches. Sowas ähnliches wie die gute alte Mundorgel – falls die noch jemand kennt, allerdings in lesefreundlicher Senioren-Größe.

Von Kanalfahrten, bei denen beiläufig ein neuer Bordsong entsteht (in dessen – pssst – Refrain die Titelzeile dieses Blogeintrags ein gewisse Rolle spielt …). Wir dürfen schon mal reinhören:

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Video-Link: https://youtu.be/gHXFeoXOp4I

Vom Bordleben drinnen und draußen und von einem Hochzeitstag. Ohne Anwesenheit der betroffenen Gattin, die Beiden feiern alle 2 Jahre getrennt, ein altes emsländisches Erfolgsrezept für jede funktionierende Ehe:

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Video-Link: https://youtu.be/cX3XV3ismZg

Kommen wir abschließend noch schnell zum knappen Nautischen. Das Boot, eine Penichette 1400 FB, ist 14 m lang, ca. 4 m breit und hat einen Tiefgang von rund 90 cm. Eine erwähnenswerte nautische Ausstattung gibt es nicht, kein Fernglas (das auf den Fotos ist mein eigenes), kein Kompass, kein Echolot, keine Logge, kein Plotter, kein gar nichts. Die „Seekarten“ (Navigational Guide to the Shannon and Erne Waterways) gibt es in praktischer Atlasform mit sehr rudimentären Inhalten: keine Tiefenlinien, nur weiße und blaue Gewässer, wie tief es dort ist erfährt man nicht. Da wo’s weiß ist darf man fahren, Blau ist pfui. Fertig. Man kann sich dran gewöhnen.

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Video-Link: https://youtu.be/ye3sORhF1iw

Das Ergebnis: für mich der entspannendste Törn, den wir je zusammen gemacht haben. Die Jungs kommen prima mit dem Dampfer klar, der Skipper darf sich überflüssig fühlen. Und Irland und die Iren? Einfach toll! Immer wieder gern.

Aber das nächste Mal wieder mit Mast.

PS: Danke an musicfox.com, die mir zu einem sehr günstigen Tarif Musik für die Videoclips zur Verfügung gestellt haben.

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Hindeloopen …

… ist einer meiner Lieblingsorte und -häfen am IJsselmeer. Dabei rede ich vom Hylper Haven, weniger von der Marina gleich „umme Ecke“. Der Hylper Haven ist glaube ich der Gemeindehafen von Hindeloopen. Klein, überschaubar, urig. Bis zum Ende der letzten Saison (2017) hatte er ein wahres Hafenmeister-Original, der in seiner imposanten Kapitänsuniform unter Seglern weit bekannt war. Aber nun gibt es einen jungen, sehr würdigen Nachfolger, der – ähnlich gewandet – seinen Job mit Bravour und Engagement erledigt.

Hylper Haven in der Hochsaison am frühen Abend

In Summe führt das dazu, dass der Hafen zumindest während der Hochsaisonwochen ziemlich zugeparkt ist. Rüm Hart kuschelt sich bescheiden ganz rechts in die letzte Ecke des Hafenbeckens und wird im Laufe des Nachmittags ziemlich eingekesselt – siehe Titelfoto. Egal, ein direkter Päckchen-Nachbar bleibt uns erspart. Und es entsteht sogar noch eine schmale Gasse für unser Ablegemanöver am nächsten Morgen.

Emsländer unter sich

Und auch das gibt es: zwei Emsländer cheek to cheek (Wange an Wange, in diesem Fall allerdings eher Backe an Backe …). Allerdings nicht in Hindeloopen, sondern am Tag zuvor in Medemblik, einem weiteren meiner Lieblingsplätze. Emsländer haben halt Geschmack …

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Bordalltag mit Abwechslung …

… schon rein meteorologisch. Seit Freitagnachmittag ist Sigrid an Bord, und an jedem Tag haben wir andere Wetterbedingungen. Immerhin kommt so keine Langeweile auf. Freitagabend war Stammtisch, Samstag ging’s früh raus auf’s IJsselmeer mit einem schönen Anleger hoch am Wind nach Den Oever. Zuerst bei strahlender Sonne und weißen Wolken mit großen Lücken dazwischen. Später aber mit gar nicht mehr strahlendem Grau.

Südkurs, Entspannung bei Leichtwind

Sonntag Starkwindtag. Das Segeln macht Spaß. Wind bis 19, 20 Knoten aus Südwest, in Böen deutlich über 20. Halbwindkurs auf Stavoren zu, dann Halse und Raumschotkurs nach „oben“, nach Makkum.

Vollzeug

Die Segelfotos stammen allerdings von heute. Ein sechs-Stunden-Törn bei gemütlichen 7 Knoten Backstag-Wind. Von Makkum runter bis nach Enkhuizen. Endlich kommt der Code-0 mal wieder an die frische Luft, und ich staune, dass wir etliche Kollegen versemmeln. Sogar Schiffe, die mit 36 Fuß eigentlich zügiger unterwegs sein sollten. Liegt es am neuen Ruder? Am frischen Antifouling? Fest steht jedenfalls, dass es bei meinem Schiff dieses Jahr einen Geschwindigkeitszuwachs gegeben hat. Man merkt es auch bei Motorfahrt: bei gleicher Drehzahl liegen auf einmal 0,3 bis 0,5 Knoten mehr an. Es muss am Skipper liegen … 🙂

verräterisches Foto …

Ok, tagsüber segeln. Und abends? Und sonst so? Gut, fangen wir mit dem Anlegen an. Nach dem Festmachen dauert’s eine gute halbe Stunde, bis der Kahn vorzeigbar ist. Bis alle Strippen liegen, bis Landstrom anliegt, bis das Großsegel sauber eingepackt, das Cockpit aufgeräumt und das Logbuch ergänzt ist. Meistens gibt es dann einen Kaffee. Das Abendessen kocht Sigrid, ich wasche ab und kredenze den Espresso danach. Und dann geht halt jeder so mit lesen, Blogschreiben, Emails beantworten seinen Dingen nach. Sigrid arbeitet z. B. gerade an einem Fotobuch – siehe Foto oben. Und was sieht man auf dem Foto noch Verräterisches? (anklicken für Vergrößerung) Tja, wer genau hinschaut erkennt im Spiegel der Scheibe rechts neben meiner Kapitänin, dass zwar der Abwasch artig gemacht wurde, der Stapel aber ansonsten der Lufttrocknung überlassen wurde. Trockentücher müssen an Bord geschont werden.

Heckflagge zu groß?

Muße und Zeit zum Seele-baumeln-lassen führen sogar zu solchen Diskussionen: ist Rüm Harts Heckflagge nicht etwas überdimensioniert? Wer sonst keine Sorgen hat …

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Bordleben

Gestern – Mittwoch – Morgen 07: 55 Uhr: Rüm Hart gleitet leise unter Groß und Genua aus der Hafeneinfahrt raus aufs IJsselmeer. In Medemblik kann man bei West prima die Segel noch im Hafenkanal setzen. Das Wetter ist ruhig und entspannend, der versprochene Seniorenwind hat sich mit ca. 10 Knoten tatsächlich herbei bemüht und ergibt eine wunderbare Backstagbrise. Segeln, wie ich es mag, leise, ruhig, unaufgeregt, mit viereinhalb Knoten. Das reicht. Es ist sogar gerade recht für ein Frühstück mit Aufbackbrötchen und Tee.

Anstrengendes Bordleben …

Kurs Ost, nach Lemmer. Später, südlich Vrouwezand, frischt es ordentlich auf, und mein Schiff bequemt sich zu beständigen 6 Knoten speed. In der Lemmer Bucht (Lemstergeul) beginne ich zu ahnen, dass Makkum vielleicht die bessere Entscheidung gewesen wäre. Tausende von Booten aller möglichen (und unmöglichen) Bauarten sind auf dem Wasser. Skutsjesilen, DIE Regatta der Plattbodenschiffe in Friesland, findet offenbar heute hier statt. Aus der alten Schleuse kommt mir eine Masse an Booten entgegengeschwommen, die beängstigend ist. Alle sind bis an die Belastungsgrenze bevölkert, und die Crews sind außerordentlich gut gelaunt. Das Wegerecht ist außer Kraft gesetzt, man fährt im Millimeter-Modus. In Lemmer selbst gibt’s auch nicht die geringste Chance auf einen Liegeplatz. Anderthalb Stunden brauche ich, bis ich den Stadtkanal und das höllische Chaos hinter mir habe. Fotos? Vergiss es! Die eine an der Pinne, die andere am Gashebel, ich habe schlicht keine Hand frei für ne Kamera.

fertig, der Kahn ist sauber!

In Sloten, Woudsend und Heeg finde ich ebenfalls keinen Liegeplatz. Also lande ich abends, nach 10 Std. und 42 Seemeilen, im Heimathafen Warns. Auch gut, dann habe ich einen ganzen Tag, um in Ruhe das Schiff zu putzen. Das mache ich heute Morgen ausführlichst. Das Schlimmste sind klitzekleine schwarze Flecken, Stecknadelkopf groß, aber sehr hartnäckig. Spinnenscheiße. Da muss man mit der Handbürste bei. Zum Schluss noch Scheiben reinigen und mein Dampfer ist wieder vorzeigbar. Keine halbe Stunde später fängt es an zu regnen und meine frisch gewienerten Scheiben …

… sehen so aus. Also morgen (Freitag) nochmal. So schnell gibt ein Skipper nicht auf – wo doch nachmittags die eheliche Admiralität zur Abnahme erwartet wird … 🙂

Dieser Energieeinsatz verlangt nach einer angemessenen Pause. Dafür eignet sich einer meiner beiden Bord-Gartenmöbel hervorragend, weil er – eigentlich für Einsätze außenbords vorgesehen – sauber ins Cockpit passt. Wie das Foto zustande kam? So:

Morgen kommt Sigrid an Bord. Wir haben dann noch eine Woche gemeinsames Segeln. Bericht folgt natürlich.

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Eingeweht …

… nennt es der Segler entschuldigend, wenn er lieber im gemütlichen Hafen hocken bleibt, statt sich dem Zorn Neptuns und Rasmus‘ auszusetzen. Genauso ging es mir gestern.

Enkhuizen. Im Päckchen zur blauen Stunde

Zunächst aber: vorgestern herrliche Kreuz nach Enkhuizen. Ich muss ja zugeben, dass ich die Kurse hoch am Wind nicht zu meinen Favoriten zähle, aber manchmal juckt es im Allerwertesten und es macht einfach Spaß. So vorgestern. Ich ende im Buitenhaven im Päckchen zwischen einer älteren niederländischen van de Stadt und einem Plattboden mit einer jugendlichen Sportlergruppe drauf. Überraschung 1: das Sprachtalent des Skippers. Völlig akzentfreies Deutsch. Und nein, der ist nicht zweisprachig aufgewachsen, sondern hat es erst später als Fremdsprache gelernt. Nicht von einem Deutschen zu unterscheiden. Überraschung 2: um halb elf nachts ist auf dem Platti neben mir Ruhe. Wow!

Kurs Nord, kaum Wind, aber Gewitterluft

Gestern Gewitterwarnung für die Mittagszeit. Morgens um 8 fast null Wind. Also Leinen los in der Früh und unter Motor ab nach Norden, bis nach Hindeloopen. Ich gehe auf Weisung des Hafenmeisters an eine niederländische Dufour längsseits – und höre fränkisch. Eine 3-Pärchengruppe aus Aschaffenburg. Sie leihen sich meinen großen Topf, weil sie eine ordentliche Menge Nudeln kochen wollen. Abends muss ich helfen, selbige zu vertilgen. Mit Hack. Ich leiste nach Kräften Nachbarschaftshilfe. Und stelle dabei fest, dass das keine 3 Pärchen, sondern 6 Einzelpersonen sind, die zuhause noch anderweitig verehelicht bzw. verpartnert sind. Man sei halt eine Clique und mache viel gemeinsam, z. B. regelmäßig segeln. Interessant …

Hindeloopen. Schietwetterzelt

Nachmittags hat es angefangen zu gewittern und zu regnen. Regen ist das falsche Wort für die Mengen, die da gleichzeitig vom Himmel stürzen. Mein Cockpitzelt ist tapfer, aber machtlos. Das geht die Nacht so weiter. Es kachelt ordentlich aus Nordwest, also genau in die Hafeneinfahrt rein. Bis heute Morgen. An Auslaufen ist nicht zu denken. Jedenfalls nicht, wenn man am Segeln das Entspannende schätzt. Siehe oben.

Medemblik. Rüm Hart duckt sich hinter dem Wall an meinem und sicher auch ihrem Lieblingsplatz

Gegen Mittag habe ich die Faxen dicke und lege mit Hilfe des Hafenmeisters (meine Franken sind grad mal auswärts) ein elegantes Eindampfen-in-die-Vorspring-Ablegemanöver hin. Natürlich guckt keine Sau und der donnernde Applaus bleibt aus. Dann eben nicht. Genau 3 Std. später liege ich auf meinem Lieblingsplatz in Medemblik, von dem aus …

ungebremstes Hafenkino

… man einen tollen Überblick über das Geschehen in der Hafeneinfahrt hat.

Morgen geht’s mit Seniorenwind aus West nach Ost.

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Hä … ?

„Hä?“ ist emsländisch und bedeutet: was bitte soll das Foto da oben? Rüm Harts neuer Tragflügel in surrealistischer Darstellung? Natürlich Quatsch, obgleich „Flügel“ schon mal nicht schlecht ist. Es handelt sich um unsere Steuerbord-Tragfläche mit Winglet auf der Nachtseite unseres Rückflugs von Vancouver über Reykjavik nach Hamburg. Daneben ein voller Vollmond. Die Mitflieger auf der Backbordseite unseres Icelandair Fliegers hatten tatsächlich gleichzeitig hellstes Taglicht über dem Nordpol in ihren Fenstern. Sommerzeit halt.

Landyacht ohne Namen, Lüa: 7,50 m

Ja, Sigrid und ich haben uns zuerst eine Wochen lang in Seattle bei Freunden und später noch zwei Wochen in West-Kanada, Vancouver und vor allem Vancouver Island herumgetrieben. Mit der Landyacht, also mit einem massiven amerikanischen Wohnmobil mit Normalbenzin V8 und 25 Ltr. Spritverbrauch auf 100 km … (die spinnen, die Römer – möchte man mit Obelix ausrufen). Und was ist nun besser, Landyacht oder Seeyacht? Na ja, mit der Landyacht kommt man höher, z. B. in die Berge. Aber im Hafen mit der See-yacht findet man viel schneller Kontakt zu anderen Seglern. Das war auf den kanadischen Campingplätzen (sehr gut) durchweg schwierig. Lag’s vielleicht an den hohen Hecken zwischen den einzelnen Stellplätzen?

Wieder zuhause findet sich – neben unbezahlten Rechnungen 🙁 – auch angenehme Post auf dem Schreibtisch: Max‘ neues Buch „Da geht noch Watt“. Kollege Maximilian Lessner hat mit seiner Sirius 26 einen Sommer an der Nordseeküste verbracht und berichtet sehr unterhaltsam und launig, so richtig gut geschrieben, von seinem Törn und räumt gründlich unter den Vorurteilen gegenüber dem Gezeitensegeln auf. Sehr lesenswert! Ein Spätsommer-Tip. Hier der entsprechende LINK.

Und Rüm Hart? Das erste Mal seit über 5 Wochen (!) geht’s morgen endlich wieder nach Warns zum Schiff. Bin sehr gespannt, wie viele Spinnen es sich an Bord gemütlich gemacht haben …

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Vrouwezand …

… ist ein sehr flaches Gebiet südlich von Stavoren. Wenn man – so wie ich heute – z. B. von Lemmer kommt, fährt man üblicherweise einen großen Bogen nach Westen (bis ungefähr zu dem Wort „Lacon“), bevor man schließlich nach Norden abbiegt und dann auf Stavoren oder Makkum zuhält. Es hat mich schon seit längerer Zeit gejuckt und heute hab ich’s mal probiert: die Abkürzung zwischen zwei Flachs hindurch. Bei schwachem Wind, sehr wenig Welle, nur unter Großsegel und bei mitlaufender Maschine. Was auf der Karte – siehe oben – eng aussieht, …

… ist über Wasser die pure Weite und völlig undramatisch. Zu Recht, denn im „Kanal“ zwischen den beiden „Unterwasserinseln“ habe ich die flachste Stelle mit 3,8 m beobachtet. Rüm Hart hat 1,25 m Tiefgang. Null Problemo.

Übrigens für die Karte oben gilt:
hellblau = tiefer als 2 m, blau = flacher als 2 m

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