von Manfred Jansen / am 10.09.2020 / in
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Ja tatsächlich, es ist wie immer. Nur wenig hat sich geändert – was schön ist. Ich weiß ich weiß, Leben ist ständige Änderung, und das ist auch alles ok so. Aber wenn man nach fast einem Jahr seglerischer Abstinenz feststellen darf, dass im Lieblings- und Heimatrevier alles beim Alten geblieben ist, dann ist das auch schön. Und beruhigend. Seit Samstag, also heute seit 5 Tagen, bin ich nun und zum ersten Mal in diesem Jahr mit Rüm Hart unterwegs. Es ist ein Genuss, vor allem vor dem Hintergrund, dass ich – natürlich wegen dieses Scheiß Virus‘ – die Saison 2020 eigentlich komplett abgeschrieben hatte.

Blaue Stunde

Ok, fangen wir vorne an. Zunächst sind noch 2 Basteltage angesagt – siehe oben. Siehe oben? Rüm Hart at night … na, hatten wir das nicht schon? Klar, aber etwas ist anders. Genauer: das kleine blaue Licht im Salon ist neu. Rüm Hart hat einen Inverter (Wechselrichter) bekommen, mit dessen Hilfe die Crew nun 230 V Netzstrom zur Verfügung hat – auch ohne Landkabel. Gut, für einen Thermomix wird es nicht reichen, aber Handy-Akkus können bequem auch am Ankerplatz wieder aufgeladen werden. Und der Schalter für jenen Inverter hat nunmal eine weit sichtbare blaue Kontrollleuchte.

Immer nordwärts … nach Makkum

Dann kann’s ja losgehen. Zunächst nach Makkum, wo ich auf meinen Lieblingsplatz längsseits der Marina-Pier im Kanal verzichten muss. Alles voll. Es scheinen noch mehr Leute Nachholbedarf zu haben. Also lande ich zum ersten Mal an der neuen Steganlage nördlich der Schleuse direkt am Ort und bekomme einen romantischen Sonnenuntergang geliefert (siehe Aufmacherfoto gaaaanz oben). Gar nicht schlecht. Nur der Weg zur Keramikabteilung wäre lang, aber in Coronazeiten vermeidet man die öffentlichen Sanitärabteilungen eh nach Kräften und nutzt lieber die entsprechenden Einrichtungen an Bord. Eine Dusche hat Rüm Hart allerdings nicht. Aber dann muss halt mal der Waschlappen geschwungen werden. Jeden dritten Tag duschen geht auch – ganz ohne Lebensgefahr.

Vitaminarmer Leinensalat auf dem Weg nach Enkhuizen

Am nächsten Morgen will ich ja eigentlich nach Hindeloopen. Aber dann läuft es so wunderbar, dass ich den deutlich längeren Tripp nach Enkhuizen beschließe. Es ist einer dieser Tage, die ich liebe: keine Sonne, vor der man sich verstecken oder sich klebriges Zeug ins Gesicht schmieren muss, sondern klare Sicht bei grauem Himmel und verlässlichem, stetigen Wind. Rüm Hart läuft ruhig, zügig und unwiderstehlich hoch am Wind mit teilweise deutlicher Krängung durch eine kabbelige Welle. Enkhuizen kann ich mit dicht genommenen Schoten direkt anlegen. Der „Tacho“ zeigt ständig über 6 Knoten – ein Hochgenuss! Allerdings immer an der Reffgrenze. Ich bekomme Arbeit, einreffen, ausreffen und wieder von vorn.

Enkhuizen

Ich lande im Buitenhaven, im Päckchen an einer niederländischen Motoryacht. Nettes, älteres Ehepaar, die mir von ihrer Segelzeit und ihrem letzten Törn Rund England und Irland(!) berichten, bevor sie auf ein Motorboot umgestiegen sind. Und sie bereiten mich darauf vor, dass sie morgen früh um halb neun los möchten. Kein Problem für mich.

Enkhuizen

Die freundliche Stimmung hat sich – warum auch immer – am nächsten Morgen erledigt. Bereits um 7:55 Uhr schmeißt der Herr Nachbar seinen Diesel an, ohne weiter Kontakt mit mir aufzunehmen. Gut dass ich schon seit einer halben Stunde auf bin. Ich will ebenfalls meinen Motor starten, da fängt der bereits an abzulegen, drückt unsere gemeinsame Fuhre nach achtern, so dass ich mit dem Flaggenstock beim Dalben hinter mir einhake. Dann schwenkt er uns mit seinem Bugstrahlruder nach außen, und ich hechte rüber zum Backbord Heckkorbsitz, der sich nun unter das Bugnetz des Plattboden hinter mir kuschelt. Dann wieder rüber zum Flaggenstock an Steuerbord, denn mein übermütiger Nachbar gibt ungerührt Vorwärts, und ich möchte ihn, den Flaggenstock, doch gern mitnehmen (unter uns gesagt: am liebsten, um gewisse körperliche Maßnahmen an meinem übereifrigen Nachbarn zu vollziehen). Endlich sind wir frei, schwimmen gemeinsam im großen Hafenbecken, immer noch miteinander vertäut. Jetzt aber werden meine Leinen wortlos losgeworfen und ich habe endlich Gelegenheit, meinen Diesel zu starten. Sowas habe ich auch noch nicht erlebt. Immerhin ist gerade eine der ebenso wenigen wie begehrten Boxen frei geworden, und 3 Minuten später haben Rüm Hart und ich eine neue Heimat.

Dieser Fender fendert nicht mehr

Hier unter den Bäumen gefällt es uns. Heißt: Hafentag in Enkhuizen. Kleine to do Liste abarbeiten, einkaufen, mittags duschen (komplett leere Sanitärräume) und abends das ‚t Ankertje, DIE Seglerkneipe am IJsselmeer (mittlerweile aber auch reichlich von normalen Menschen frequentiert). Der Abend ist kalt, ich schmeiße die Bordheizung an – und finde am nächsten Morgen diesen Fender an der Backbordreling hängen. Ich Dämel hatte ihn zu nahe an den Heizungsaufpuff gehängt …

Aphrodite

Das Bild mit dem Fender entstand wenig später während einer kurzen Tour um die Ecke nach Medemblik. Genauso wie das Foto der Aphrodite, die mir in den letzten Jahren immer mal wieder begegnete, sogar zweimal auf der Ostsee. Schönes Schiff, immer ein Foto wert.

Puschelbeesen 1

Und wie krieg ich jetzt die Überleitung zu meinem Puschelbeesen hin, mit dem ich eigentlich allmorgendlich den Bordspinnen zu Leibe rücke? Gar nicht. Egal, auf dem Weg nach Medemblik fielen mir jedenfalls die unlogischen Werte meines Windmessers auf. Kurzer Blick nach oben … richtig … die „Eierbecher“ da oben (der Windgeber) drehen sich überhaupt nicht. Offenbar von Spinnen zugewebt. Nur, wie komme ich da dran in 14 m Höhe? Die Nachbarn bitten, mich da hochzuwinschen? Hm … eine kleine Zumutung. Nein, ich knoten meinen Puschelbeesen in Wippstellung an das Code-0-Fall, fixiere noch eine düne Strippe zur Sicherheit und um das Ganze von unten einigermaßen in Aktion bringen zu können und heiße das Ganz zum Einsatz im oberen Stockwerk auf …

Puschel im Höheneinsatz

Tatsächlich gelingt es, den Puschelbeesen von unten so in Aktion zu bringen, dass er die „Eierbecher“ zur Karussellfahrt animiert. Geschafft! Bin sehr gespannt, ob der High-Tec-Einsatz sich morgen früh, auf dem Weg nach Hindeloopen, als erfolgreich herausstellt. Im Moment ist hier in Medemblik absolute Windstille, da dreht sich eh nix. Nur …

Medemblik

… die Räder meines vom Hafenmeister ausgeborgten „E-Bikes“ (Eigenenergie-Bike 🙂 ) auf dem Weg zum Hafenshop in der Außenmarina. Neuen Fender kaufen …

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