Die Reihe der Berichte beginnt mit Donnerstag und meinem Törn nach Lauwersoog. Nach der Pause gestern in Nes / Ameland, bin ich froh wieder auf dem Wasser zu sein. Dieses Gefühl hält bis 300 m nach der Hafenausfahrt an. Dann bremst mein Schiff schlagartig hart ab, ich folge der Massenträgheit noch ein bisschen in die ehemalige Fahrtrichtung, kann mich aber gedankenschnell festhalten und plumpse mit dem Hintern auf die Cockpitbank. Gas weg – sofort! Zack, der Kahn steht und bewegt sich nicht mehr. Für einen Moment nur war ich anderweitig konzentriert, hab ein Flach übersehen, 2 Knoten Schiebestrom nicht kalkuliert und bin nun froh, dass mein dummes Gesicht niemand sieht. Ok, Rückwärtsgang, Gasgeben und zurück, weg von diesem Unterwasserhügel. Scheiße! Pinne und Ruder lassen sich nicht um einen Millimeter bewegen. Eher breche ich da was kaputt. Habe ich mir die Ruderwelle verbogen??? Ich zwinge mich zur Ruhe, das hilft, und es fällt mir siedendheiß ein, dass der Autopilot immer noch eingeschaltet ist und die Pinne eisern im Griff hält. Autopilot ausschalten und prompt kann ich wieder die Richtung bestimmen. Das mit dem blöd Gucken und froh sein, dass es keiner sieht, wiederholt sich.

Was jetzt folgt hat mit dem üblichen IJsselmeersegeln nichts aber auch gar nichts mehr zu tun. Es fängt damit an, dass schon wieder ans Segelsetzen nicht zu denken ist. Die Suche nach „meinen“ Fahrwassertonnen, der permanente Abgleich zwischen Seekarte und Wirklichkeit, der unablässige Blick auf den Tiefenmesser und die Hand am Gashebel fordern den ganzen Skipper. Zunächst ist die Tiefe noch komfortabel. Das änderst sich aber, je mehr es über die Wattwege geht, die nur jetzt, bei Hochwasser (oder zumindest kurz davor), befahrbar sind. Mehrfach steht als Tiefenmessung 1,3 m auf der Anzeige (Memo: mein Schiff hat unbeladen und in waagerechter Lage 1,25 m Tiefgang). Ich halte die Luft an, was natürlich nix bringt, und genau das bekomme ich schnell zu spüren. Zunächst nur durch leichte Bremsungen und aufgewirbelten Schlamm im Schraubenwasser achtern. Dann durch eine weitere Vollbremsung. Keine hundert Meter von der Tonne PG2 entfernt, ab der ich wieder tieferes Wasser hätte. Ich versuche alles Mögliche, vor, zurück, seitwärts, Vollgas, gaaaanz langsam aber nachhaltig – nix, das Boot hat sich entschlossen einzuparken.


Ok, wenn das so ist, dann muss ich halt geduldig ne halbe Stunde auf den Rest der immer noch leicht steigenden Flut warten. Wenn nur die seitlich kommenden Wellen das Boot nicht ständig von einem Bein (Kiel) auf den anderen tanzen lassen würden. Ich versuche das Schiff mit dem Bug in die Wellen zu drehen, das hilft etwas. Tatsächlich, nach einer halben Stunde geht es auf einmal weiter, als wenn nichts gewesen wäre. Das passiert mir im weiteren Verlauf der Strecke noch zweimal, jedoch mit kürzeren Standzeiten. Und irgendwann – große Erlösung – darf ich nach Süden ins tiefe Fahrwasser zu meinem Tagesziel abbiegen. Uff!!!
In Lauwersoog gehe ich ein bisschen spazieren. Anspannung abschütteln, vielleicht hilft’s. Ich suche Idylle, aber einen Ort, der sowas bieten könnte, gibt es nicht. Nicht hier. Was es gibt: lecker Bratkartoffeln an Bord.
Damit ist jedenfalls die Idee vom Tisch, die deutschen Inseln über die Wattfahrwasser von Lauwersoog nach Osten direkt in die Ems zu erreichen. Bleiben noch entweder binnen über die Staande Mastroute (korrekte niederländische Schreibweise), oder außen rum über die Nordsee. Ich bin gespannt, wie ich mich entschieden habe 🤣
Freitag gibt’s morgen. Ihr müsst euch jetzt erholen 😁.
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Ist das lesenswert! Wir fieberten einmal mehr breit grinsend mit 🙂 Manfred, so kleine Eskapaden in Wattwasserfahrwegen sind für schlickrutschende Wattwürmchen vollkommen OK. Wenn‘s nicht leicht schabt und gurgelt, oder auch mal zu einer kurzen „Pause“ kommt … dann war man auch noch nicht knapp genug dran 😉 Viel Spaß weiterhin!