Dilemma

Tatsächlich, es „dilemmert“ etwas auf meinem Kurs. Aber der Reihe nach. Zunächst war die Überfahrt gestern (Dienstag) von Terschelling nach Ameland eigentlich sehr schön – wenn es nur nicht so einen rattenkalten Wind gehabt hätte. Und das ziemlich exakt von vorn. Neptun sei Dank kann ich mein Schiff auch von innen steuern, was aber nicht an jeder Stelle des sich windenden Fahwassers angeraten ist. Manchmal tut man sich ganz schön schwer die jeweils nächste Tonne zu finden und muss Haken schlagen, um sie sauber anzusteuern. Die Karte im Cockpit liegen zu haben und die passierten Tonnen mit dem Bleistift abzuhaken ist eine gute Idee und hilft m. M. n. viel besser den Überblick zu behalten als der kleine Bildschirm des Plotters oder Tablets.

Die passierte Tonne sofort in der Karte abhaken, das hilft bei der Orientierung
Hinten rechts: Ameland in Sicht, das links ist allerdings eine vorgelagerte Insel, auf der sich …
… diese Jungs und Mädels schläfrig aalen (und sich durch mich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen lassen)

Der Hafen hier auf Ameland bei Nes, der größten Ortschaft auf der Insel, ist ziemlich leer. Mit mir liegt nur noch ein weiteres Gästeboot hier, und auch dessen Crew hat sich angesichts des Wetters entschieden, heute hier zu bleiben. Es hat die Nacht über und heute den ganzen Tag ordentlich durch den Hafen gepfiffen – bei schönstem Sonnenschein. Immerhin kann ich die Heizung abstellen, die Sonne wärmt den Salon sehr angenehm auf. Draußen allerdings ist eine winddichte Jacke plus Mütze angesagt. Die Hafenausstattung kann sich sehen lassen. Neue und gut brauchbare Stege (allerdings sehr niedrig), pikobello Sanitäreinrichtungen und ein nettes Restaurant, in dem ich mir gestern einen großen Kaffee und eine kleine Portion Bitterballen gegönnt habe. Seelenfutter – ihr wisst schon.

Dieses Stilleben will ich euch nicht vorenthalten … :))
Rückblick auf Terschelling

Heute habe ich viel Karten- und Planungsarbeit gemacht. Der Weg zur Ems und entweder nach Borkum oder nach Greetsiel ist alles andere als einfach. Der Hauptgrund: das Wetter. Es bläst seit Tagen aus Ost-Nordost – exakt die Richtung, in der meine weiteren Ziele liegen. Unter Segeln müsste ich kreuzen, aber ich lass das lieber sein. Ich bin hier Revierneuling und sehr darauf konzentriert den richtigen Weg und die korrekten Tonnen zu finden. Die Fahrwasser schlagen abrupte Haken, und links und rechts sieht man die Flachs unter Wasser. Für mich als Alleinunterhalter an Bord ist es sicher keine schlechte Idee, die Konzentration auf die Navigation und nicht auch noch auf den Segeltrimm zu beschränken. Außerdem läge mein Schiff beim Segeln hoch am Wind ziemlich auf der Backe, würde dadurch einen der beiden Kiele noch etwas tiefer ins Wasser stecken – und das, wo ich an manchen Stellen eh schon die Luft anhalte.

Kartenarbeit und Planung der nächsten Etappen

Ich hab mein Problem für die Streckenwahl der nächsten Tage mal in einem kleinen Video beschrieben. Schaut’s euch mal an:

Go East – Manfreds Dilemma

Morgen geht’s aber in jedem Fall nach Lauwersoog. Am frühen Nachmittag ist Hochwasser, das ich unbedingt für einige Stellen brauche. Also lege ich so ca. anderthalb Stunden vorher hier in Nes ab.

Bis bald!

PS: Wie immer lassen sich alle Fotos durch anklicken vollformatig darstellen