Weiter mit den maritimen Erzählungen. Samstag ist in den Außenbereichen der Ems gegen 16:30 Uhr Hochwasser. Zu dieser Zeit will ich vor dem ersten von zwei Wattenhochs sein (sozusagen der Eingang zu einem Wattgebiet, dass Osterems genannt wird), die nur bei Hochwasser passierbar sind. Ok, für mein Schiff mit 1,30 m Tiefgang und einer Reserve von 30 cm mit einer gewissen Toleranz von +/- anderthalb Stunden. Ich komme ein bisschen spät an, weil ich auf der Strecke von Borkum (ca. 6 Seemeilen) bis hierher trödele und die Ems genieße. Meine kleine, beschauliche Ems, an der wir in Lingen leben, ist hier, vor allem kurz vor HW, kilometerbreit und bildet eine riesige Wasserfläche. Unglaublich!
Die Verspätung ist nicht dramatisch, die weitere Passage auch nicht. Nirgendwo wird es knapp. Das Geringste, das der Tiefenmesser anzeigt, ist mal kurz 1,7 m, sonst immer knapp über 2 m. Ein erster Gegensatz zum niederländischen Watt, auf dem es ganz erheblich knapper zugeht. Später, vor dem zweiten Wattenhoch (Ley Weg) verlasse ich sogar die in der Seekarte markierte und somit empfohlene Strecke, kürze ab und fahre geradeaus, quer über das Watt zur Greetsieler Legde, dem Anfahrtskanal zur Schleuse Leysiel bzw Greetsiel. Alles völlig easy und entspannt. Wenn ich’s gewusst hätte, hätte ich sogar segeln können.
Knapp nach 18 Uhr mache ich an der Außenpier des Yachtclubs Greetsiel fest, der Platz, den mir der Hafenmeister Sascha gestern telefonisch zugewiesen hatte. Guter Platz, ich muss mein Schiff nur ordentlich abfendern. Der Starkwind drückt das Schiff fest an den (sehr niedrigen) Steg.

Ich fühle mich wohl hier. Die Leute sind sehr freundlich, der Hafenmeister zugänglich und ein netter Kerl. Hier werde ich ein paar Tage bleiben. Erstens ist für Anfang der Woche sehr kräftiger Wind angekündigt, und zweitens kann ich die Pause auch gebrauchen. Und drittens: Sigrid will für Montag und Dienstag an Bord kommen. Sie bringt mir frische Lebensmittel und Bargeld mit … 😆. Dafür lade ich sie auf Kosten der Bordkasse zum Essen ein. Deal? 😁
Den Sonntag vertrödele ich ein bisschen, aber schrubbe andererseits auch mein Schiff. Das Salz muss unbedingt runter, und vor allem die Frontscheiben im Decksalon sollten wieder durchsichtig werden. Längst habe ich die niederländische Gastlandflagge runtergenommen, aber erst jetzt entwickelt sich ein Bewusstsein, dass ich deutsche Gewässer, ja sogar meinen Heimatfluss erreicht habe. Diese mentale Verzögerung muss was mit dem Alter zu tun haben …
Übrigens gibt es eine Greetsiel WebCam, die wunderbar die typischen Fischkutter, die schönen Giebel des pittoresken Städtchens zeigt – und mich! 😎 Jedenfalls wenn man kurz die Geduld hat zu warten, bis die Kamera ganz nach rechts geschenkt ist. An der Außenpier des hiesiegen Yachtclubs, direkt vor dem Kat. Bitteschön: WebCam Greetsiel.
Das Minimalziel ist also erreicht. Jetzt will ich auch die östlichen Teile der ostfriesischen Inselkette erreichen.
An dieser Stelle entsteht das Bedürfnis, mal ein dickes Dankeschön an die Mala-Crew Gesche und Stephan zu schicken. Die beiden sind absolute Wattenkenner und haben mir im knappen niederländischen „Schlick“ sehr geholfen, mit Rat zur Seite gestanden, aber auch mit dem einen oder anderen aufmunternden Wort und Schulterklaps. Danke ihr Beiden! Hoffentlich treffen wir uns in dieser Saison noch, dann geb ich einen aus – wenn ich genügend Bargeld dabei habe 🤣.
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