Mai vorbei

Die lyrische Schönheit der knappen Überschrift bringt es auf den Punkt: zack ist der Wonnemonat schon wieder vorbei. Aber wir haben ihn seglerisch durchaus zu nutzen gewusst. Mehr als drei Maiwochen waren Sigrid und ich an Bord, haben das Leben genossen, das IJsselmeer unsicher gemacht, so manchen Starkwindtag abgeritten – ja, auch draußen auf See, nicht nur im Hafen – und eine wunderschöne Wattentour eingelegt. Vlieland und Terschelling sind dieses Mal die Inseln unserer Wahl. Und auch in Harlingen waren wir bislang noch nicht so oft. Zum ersten Mal nutzen wir den kuscheligen Hafen des HWSV direkt hinter der Schleuse zum Harinxmakanaal.

Eben dieser Kanal führt uns zum Schluss über Leeuwarden zurück ins Binnenland. Genauer: zum Princenhof und nach Eernewoude. Der Princenhof ist ein Tiefmoor- und Naturschutzgebiet östlich von Sneek, also in der Provinz Friesland. Wunderschön! Vor allem dann, wenn man sich in die kleinen Kanäle und Ecken traut und dabei den Tiefenmesser im Auge behält. Aber die Karten sind verlässlich, und mit unseren 1,25 m unten dran haben wir keine Probleme. Weniger als 1,5 m Wassertiefe habe ich nicht beobachtet.

So, jetzt lass ich einfach mal Fotos erzählen, die sind ja eh immer am aussagefähigsten:

Streicheleinheiten für den Autopiloten und schon geht’s los
Tiefenentspannung
Immer wieder gern: Hindeloopen, mit Blick aus unseren Salonfenstern auf die nach Norden offene Hafeneinfahrt (ganz schlechter Liegeplatz bei kräftigem Nordwind, dann gibt’s Fahrstuhlfahrten an der Spundwand)
Alternative gleich um die Ecke: Workum. Direkt außen vor der Schleuse liegt man wunderbar ruhig (der talentierte Fotograf steht auf der Brücke zur Schleuseneinfahrt)
Sigrid testet ihren neuen Südwester – uralte Seemannsklamotte, damit der Regen nicht direkt in den Kragen läuft
Spülbagger im Bontjes (ausgetonntes Wattfahrwasser zwischen Schleuse Kornwerderzand und Harlingen), dieser hier schleicht mit 2 Knoten an der roten Seite längs
Die Weite des Watts – ich mag das sehr
typisch NL: Schiffe oben, Autos unten = Aquadukt
lebenserhaltender Imbiss für die Crew: für jeden einen halben Appel und ne Frikadelle
und damit ihr seht, dass ich mich nicht nur verwöhnen lasse: mein Abendjob nach dem Essen, abwaschen und der Espresso danach
immer wieder toll, die Durchfahrt durch kleine, pittoreske Orte, hier: Warten (der Ort heißt so) in Friesland, nordöstlich von Sneek
Zurück im Heimathafen in Warns übt Sigrid sich in Entfaltungen mit ihrem neuen (gebrauchten) Bordrad (die Wahrheit ist, dass wir mal zwei davon hatten und sie in einem Anflug von … was weiß ich … verkauft haben – doof)
ich übe mich auch – im Weitwurf, mit dem neuen Wurfsack aus der Kanuabteilung des Wassersports
angemessener Abgang: drei Segelwochen werden mit Freunden, Klönschnack und Bierchen aufgearbeitet

So war’s. Grau und Blau – die Farben des Mai 22. Und Wind von Null bis über 30 Knoten, alles dabei. Ein ganz eigenes Fazit: 1. Vorsaison ist immer wieder toll, man bekommt überall Platz und Raum. 2. Starkwind- und Regenperioden halten länger an, dauern schon mal 3 oder 4 Tage (was früher in 24 Stunden erledigt war). 3. Auf Starkwind hab ich keinen Bock mehr, wenn’s mich unterwegs erwischt, ok, aber im Hafen schaukelt’s sich auch sehr gemütlich (liegt natürlich am Alter, schon klar).

Grau und Blau – zum Beweis zwei letzte Fotos:

Grau – Nordkurs mit Rückenwind an Stavoren vorbei
Blau – Jacke, Wasser und Mai-Himmel

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