Go East

Ok, die ergriffene Leserschaft wird ja nun nicht gerade vor lauter Neugierde kurz vorm Bersten sein, aber wenige Tage vorm Start wird es Zeit, den Tiger aus dem Sack zu lassen: nach Osten soll es gehen, Hamburg und die Deutsche Bucht sollen die diesjährigen Ziele sein. Dabei stufe ich für mich etwas ab:
1. Zunächst mal gen Osten und nach den niederländischen die deutschen Inseln erreichen, dann
2. die Elbe und schließlich Hamburg als Höhepunkt,
3. und nur, wenn noch ganz viel Zeit, Fitness, Lust und Laune übrig ist, die nordfriesischen Inseln.
Schließlich muss ich ja auch noch wieder zurück.

Diese Staffelung der Zwischenziele und überhaupt das gesamte Vorhaben scheinen mir wie geschaffen für meine etwas unscharfe Situation irgendwo zwischen ganz gut wieder beieinander und inzwischen 72 Jahre alt und gesundheitlich angeschlagen. Ich erwarte überschaubare, wenn nicht sogar kurze Tagestörns, also Insel-Hopping at it’s best. Außerdem gibt mir die Zeitplanung von zwei bis notfalls drei Monaten ein sehr komfortables Polster, so dass ich „Seniorenbedingungen“ abwarten und im schlimmsten Fall und mit innerer Ruhe Hafentage einlegen kann, wenn es mir meteorologisch draußen nicht passt.

Sigrids Foto von der Terrasse der Elphi aufgenommen, ganz rechts der Sportboothafen

Ich will es also ruhig angehen lassen, das Segeln und die Natur genießen und trockenfallen wenn und wo es (mir) gefällt. Einen Ehrgeiz habe ich allerdings: es soll vornehmlich ein Wattentörn werden. Ich möchte also versuchen, so weit wie es eben geht unter den Inseln, also durch deren Wattenseite zu segeln. Klar, das wird nicht immer klappen, und dann muss es halt außen rum gehen. Aber grundsätzlich soll die Tidenkalkulation und eine geschickte Passagenplanung die kleine Herausforderung sein. Und ja, ich schreibe bewusst im Singular. Ein Solo-Törn soll es werden, ich werde wieder Einhandsegler sein. Sigrid will mich möglichweise mit ihrem Camper-Van besuchen, wenn ich erreichbar bin. Aber spätestens in Hamburg wird sie für eine paar Tage an Bord kommen.

Eine Rolle spielt bei allem auch mein neues Bord Bike. Ein ziemlich klein zusammenfaltbares Rad von Dahon vom Typ K-Feather. Ist ein E-Bike und wiegt trotzdem nur 12 Kilo. Hat allerdings weder eine Schaltung noch verschiedene Unterstützungsstufen. Man kann den Motor nur ein- oder ausschalten – Punkt. Dafür hat es allerdings einen Drehmomentsensor, der die Stärke meines Pedaltritts ermittelt und das automatisch in erhöhte E-Unterstützung umrechnet. Kurz: je stärkter ich reintrete, desto mehr strengt sich auch der Motor an. Klappt prima, auch bei Steigungen und mit Anhänger hinten dran.

Das Problem ist, dass ich leider nicht mehr so super gut zu Fuß bin und – ich muss es zugeben – sowieso schon immer (auch berufsbedingt) meine Ortswechsel nach dem Moto „schlecht gefahren ist besser als gut gelaufen“ gestaltet habe 😄. Nun sind gerade auf den Inseln die Häfen und die nächsten Einkaufsmöglichkeiten nicht selten und eigentlich typischerweise Kilometer voneinander getrennt. Da ist so ein Fietsen hilfreich.

Links der Anhänger, rechts das Bike

Leider hat das Teil aus Gewichtsgründen keinen Gepäckträger und eine Belastungsgrenze, die ich schon ohne einkaufsgefüllten Rucksack knapp reiße. Deshalb der Anhänger (Croozer Kalle), der abnehmbare Räder hat und sich – genau wie das Rad – schön flach und klein zusammenfalten lässt und in der Steuerbord Backskiste verschwindet. Packmaß: 80 x 60 x 20 cm, inkl. der in den Anhänger gelegten Räder. Ach ja, 8 Kilo wiegt das Teil. Das Bild oben zeigt ihn übrigens mit der normalen Standard-Deichsel. Es gibt noch eine speziell für kleine Falträder mit 16″ Rädern, die den Anhänger waagerecht stehen und rollen lässt.

Ich werde also an Land vierrädrig unterwegs sein können. Ein Luxus, den sonst nur Superyachten ab 50 m aufwärts bieten – und die bleiben im Watt stecken … 😆.

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