Ja tatsächlich, die letzten „Törns“ waren gar keine so richtigen, eigentlich zu kurz, um so genannt zu werden. Jeweils so um die 10 Seemeilen. Ist aber auch okay so. Über den Trippelschritt von Cuxhaven nach Brunsbüttel habe ich ja vor drei Tagen schon berichtet. Fehlen noch zwei. Freiburg zum Beispiel. Bislang wusste ich nicht, dass es auch hier an der Elbe ein Freiburg gibt. Es lohnt sich aber, einen Abstecher nach eben dorthin zu machen. Von Brunsbüttel nur ein Stückchen die Elbe rauf (also Richtung HH), die Fahrwasserseite wechseln und damit auch das Bundesland und dann beginnt ein sagenhaft gut gekennzeichneter Prickenweg. So dicht und beidseitig der schmalen Fahrrinne habe ich sie noch nirgendwo stehen sehen. Man wird zur Mündung eines auch bei Hochwasser ziemlich engen Kanals geführt – nur rund um HW ist er überhaupt befahrbar – und fährt durch eine wirklich schöne Landschaft – fast so schön wie das Emsland 😁. Dann noch ein offen stehendes Sperrwerk passieren und man ist in Freiburg. Noch Dorf, schon Stadt? Man weiß es nicht genau. Von innen ganz schmuck, aber ziemlich ruhig und – ja – ein bisschen verschlafen. Das passt zu mir, ich fühle mich wohl dort.
Der Segelverein nimmt mich freundlich auf, und ich darf in einer freien Box direkt vor der Terrasse des Vereinsheims festmachen. Man hilft mir mit den Festmacherleinen und empfiehlt dringend, nicht die eigenen zu nehmen, sondern die, die bereits an den langen Pfählen angeschlagen sind. Später werde ich noch dankbar für diesen Tipp sein.
Ich schnappe mir eines der Fahrräder, die der Verein für Gäste vorhällt. Ein wenig mühsam, weil der Sattel nicht höhenverstellbar und natürlich ganz unten ist. Es ist sicher völlig unpassend, aber mir fällt Hermann van Veen und der kleine Fratz auf dem Kinderrad ein. Aber Hauptsache ich bin mobil und kann mich ein bisschen umschauen. Eine Überraschung ist übrigens der örtliche EDEKA Markt. Reichhaltig und sehr gut sortiert. Die Stadtbebauung macht einen wirklich gepflegten und sauberen Eindruck. Es ist Samstag, und viele Bewohner sind damit beschäftigt vor ihren Häusern die Bürgersteige und Regenrinnen sauber zu halten. Viele grüßen freundlich und lächeln. Vermutlich fällt ihnen eher das Krümelmonster aus der Seesamstraße als der kleine Fratz ein … 😆

Kurz nach der Ankunft beginnt der Kanal sich zu leeren. Der Ebbstrom setzt ein, und irgendwann ist keine Bewegung mehr im Schiff, es steht still, wie eingemauert. Das Wasser ist weg, und Rüm Hart steckt mit beiden Kielen und mit dem Bauch bis zur Wasserlinie im Schlamm. Nur leider ganz schön schräg, ich habe deutliche Krängung nach Backbord – und zwar zunehmend. Die Küchenschubladen fliegen auf. Ich verriegele sie. Eine schräge Phase meines Bordlebens beginnt. Kränung ist völlig normal für ein Segelschiff, aber Krängung ohne jede Bewegung, im Stillstand, das fühlt sich bedrohlich an. Immerhin sitzt man jetzt auf dem Klo sehr gemütlich.

Die Festmacherleinen müssen nachreguliert werden, rutschen aber ansonsten mehr oder weniger willig an den Eisenpfählen runter. Bei den Bugleinen muss ich nachts, im Schein der Stirnlampe, etwas nachhelfen. Und immer wieder schaue ich den Mast rauf, ob er sich nicht mit dem Nachbarschiff verhakt. Geht aber alles gut, und am nächsten Morgen ist die Welt wieder in Ordnung weil gerade. Aber es stimmt schon, meine eigenen Leinen hätten an den rostigen Pfählen heftig gelitten.
Ich will ja nach Hamburg, und das geht eigentlich nur, wenn ich am Startpunkt NW habe und dann mit dem von dort einsetzenden Flutstrom die Elbe rauf fahre. Also mit dem Strom, was natürlich auch schöne Geschwindigkeit ins Schiff bringt. Hier in Freiburg komme ich allerdings nur gegen HW raus, von hier aus kann ich die Reise also nicht direkt antreten. Glückstadt, schräg gegenüber auf der anderen Elbseite, muss als Zwischenstation herhalten. Wieder ein Kurztörn von 9 Seemeilen, inkl. Kanal und Prickenweg.
Samstag am sehr späten Nachmittag lege ich ab und schleiche langsam durch den Kanal zur Elbe. Langsam und leise, weil erstens bin ich mir nicht sicher, ob ich – das HW ist noch nicht ganz da – schon überall durchkomme. Und zweitens mag man die Natur nicht unnötig stören. Dieses Gefühl hält bis zur nächsten Kurve. Dann sieht man das Kernkraftwerk Brokdorf an der anderen Elbseite, mächtig und plakativ, und das holt einen sofort aus aller Elbromantik und macht unmissverständlich deutlich: die Elbe ist landschaftlich wirklich schön, aber unübersehbar auch ein Industriefluss.
Eine Stunde später bin ich wieder in Schleswig-Holstein, genauer: in Glückstadt. Hier werde ich die Nacht im Außenhafen verbringen und am nächsten Tag (heute, Sonntag) auf das NW am Nachmittag (ca. 15:00 Uhr) warten, um dann endlich den finalen Törn nach Hamburg zu schaffen. rund 25 Seemeilen, das soll ja mit mitlaufendem Strom und Südwest-Wind wohl zu schaffen sein. Plan B wäre die Riesenmarina in Wedel, rund 11 Seemeilen vor Hamburg.
Also, heute Abend möchte ich in Hamburg einlaufen.
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Hallo Manfred,
Für mich war die Anfahrt nach Hamburg eine der interessantesten bisher! Das kann mit London etc. gut mithalten!!
Viel Spaß weiter!
Grüße, , z.Zt. auf Norderney