… meine Perle, der (ehemalige) Stadionsong des HSV. Nicht dass ich großartiger Fußball- oder gar HSV-Fan wäre, aber eine Perle ist Hamburg auch für Sigrid und mich. Dafür gibt es – na klar – ein emotionales Fundament, denn wir haben beide unsere Studentenzeit hier verbracht, im selben Studentenwohnheim gewohnt (Kiwittsmoor, ganz oben im Norden von HH) und uns dort kennengelernt. Das ist 50 Jahre her. Für mich trifft das sogar ziemlich genau zu, denn ich bin 1976 nach Hamburg gezogen. Sigrid war schon da, in einer sehr provisorischen Garagenwohnung und ist dann im selben Jahr in eben das Studentenwohnheim gewechselt. Dessen Erstbezieher wir übrigens waren, es war kurz vorher überhaupt erst fertiggestellt worden.
Wie wir bei einem Besuch im Frühjahr feststellen konnten, gibt es das Heim immer noch, es sieht sogar nach offensichtlicher Renovierung ganz propper aus und heißt heute sprachlich korrekt: Wohnanlage für Studierende, Kiwittsmoor. Okay, das zur Vorgeschichte und zum tieferen Verständnis, warum Hamburg in unserem gemeinsamen Leben eine gewisse Rolle spielt. Schon damals, als junger Kerl mit vielen Flausen im Hirn, habe ich oft an den Landungsbrücken gestanden und davon geträumt, Hamburg irgendwann auf eigenem Kiel anzulaufen. Realitätsgehalt dieses frommen Wunsches: null! Es gab weder Boot noch Geld noch nautische Kenntnisse, die über das Segeln einer Jolle auf einem Baggersee hinausgegangen wären.
Es ist Samstag, vor knapp einer Woche (Sonntag) habe ich im City Sporthafen Hamburg festgemacht. Montag ist Sigrid mit dem Zug angereist, und wir haben ein paar gemeinsame Tage hier gehabt. Donnerstag musste sie wieder nach Hause, und meine Absicht war, dass ich noch ein oder zwei Tage hier bleibe und dann meine Rückreise nach Holland beginne. Ein Blick auf die zu erwartende Wetterentwicklung ließ allerdings schnell klar werden: vor Montag komme ich hier nicht weg. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn mir nicht ein bisschen die Zeit anfängt wegzulaufen. Und das kommt so: die geplanten Kurzstreckenetappen sind: Wedel, Stade und dann Glücksburg. Glücksburg allerdings macht die Schotten dicht und lässt ab dem 22. Juni niemanden mehr in den Binnenhafen rein oder raus. Die müssen wohl ihre Sperrwerktore reparieren, und dafür bietet sich ja nun mal die Hochsaison an …
Notfalls fällt Wedel halt aus. Ich stehe ja eh nicht auf Riesenmarinas, aber Deutschlands größten Sportboothafen (rund 2.000 Schiffe) hätte ich mir doch gerne mal angetan. Mal sehen, wie’s kommt …
Ich gebe gern zu, dass ich diese Tage hier in Hamburg mit einer zusätzlichen Gefühlsaufladung erlebe. Noch vor 4 Monaten war es ziemlich unwahrscheinlich, dass ich diese Reise überhaupt beginnen konnte, und das hatte handfeste medizinische Gründe. Gesundheitlich bin ich ja sowieso nicht gerade eine deutsche Eiche, ich hab ja nie ein Geheimnis draus gemacht. Aber dann wurde im späten Sommer letztes Jahr auch noch Nierenkrebs festgestellt und ihm im Herbst bzw. Spätherbst in 2 OP chirurgisch zu Leibe gerückt. Erfolgreich, aber die Gesundungsphase danach war alles andere als leicht oder ein Daumenschnippen. Dass ich es dennoch und trotz mancher meteorologischer Stolpersteine in den ersten Wochen der Reise bis hier her geschafft habe erfüllt mich ein kleines bisschen mit Stolz und vor allem mit ganz viel tiefer Dankbarkeit. Das muss mal gesagt und geschrieben werden.
Gestern und heute habe ich dann – für mich folgerichtig und logisch – mal wieder zur Kamera gegriffen, die seit fast einem Jahr ungenutzt in der Schublade lag. Hamburg, die Elphi und natürlich Rüm Hart sind aber auch wunderbare Motive, und wenn diese einmalige Kombination – Rüm Hart und ihr derzeitiger Skipper werden wohl kaum noch einmal zusammen hier aufschlagen – schon mal da ist, muss sie natürlich auch fotografisch festgehalten werden.
Außerdem habe ich mich gestern auf einem Spaziergang zum Fotohändler in der Nähe mal in sowas wie Street-Fotografie versucht. Seht selbst, ihr könnt ja mal eure Meinung dazu als Kommentar abgeben.
Übrigens ist die Fotografie endlich mal ein gemeinsames Hobby, das von Sigrid in Form von Seminaren und Fotoreisen allerdings noch viel intensiver betrieben wird. Derzeit ist sie zum Beispiel gerade mit ihrem Campervan in der Nähe von Apeldoorn in Holland.
Diesen Beitrag habe ich nun mit heftig schaukelndem Blick auf die Elphi geschrieben. Der City Sporthafen ist sowieso schon ziemlich anfällig für Schwell der sehr nahe vorbeifahrenden Großschifffahrt und der kleinen Hafenrundfahrt-Barkassen, die hier ständig durch die Hafenanlagen und Fleete wuseln (nachts ist es erheblich ruhiger). Aber derzeit kommt auch noch Starkwind aus West hinzu, der hier quer durch den Hafen kachelt, angereichert mit heftigen Regengüssen. Haben wir wirklich Sommer? Ab Montag soll es wettertechnisch ruhiger werden – sagt windfinder.
Drückt mir für die Rückreise die Daumen. Ab Cuxhaven hätte ich gern 3 Wochen lang Ostwind 😁.
Ich schließe dieses Mal mit einem Foto. Diesem:
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Drücke dir die Daumen das es bald mit dem Wetter besser wird. Wir liegen in Büdelsdorf bei Rendsburg und werden auf den Steg gedrückt. Dazu viel Regen.