Baltrum

Heute Morgen dachte ich ja noch: na Mann, die Feuerwehr direkt neben dir, da kann ja gar nix mehr passieren. Aber wenn man schon anfängt zu denken … (morgen mehr).

Fangen wir zunächst mit gestern (Mittwoch) an, meinem Inseltag auf Baltrum. Es kachelt ordentlich aus West-Südwest mit immer so um die 20 Knoten (ca. 5 bis 6 Beaufort). Ist mir zu viel zum Auslaufen. Also schnappe ich mir mein Rad aus den unergründlichen Tiefen meiner Steuerbord Backskiste (Stauraum unter den Sitzbänken im Cockpit), hieve es mit Hilfe der Polizei über die Reling auf den Steg und mache mich zum Radeln bereit.

Moment – wieso Polizei? Nun, die Feuerwehr Baltrum hat ein neues Boot bekommen, das direkt neben mir eingeparkt wird. Ein großer Augenblick, Feuerwehrchef, Bürgermeister und die Dorfpolizei kommen zur Besichtigung und Probefahrt, und meiner Bitte, sich die große Tasche mit dem Bike drin doch mal kurz von Bord anreichen zu lassen und auf dem Steg abzustellen, wird sehr freundlich nachgekommen. Nette Menschen hier auf Baltrum.

Das Rad erweist sich wiederholt als ideal. Trotz Akku und E-Motor klein und leicht (12 kg), und das schlaue Teil merkt, wenn ich gegen den strammen Wind etwas doller anstrampeln muss und legt von selber stärker los. Na gut, eine Ostfriesland-Tour wollte ich damit nicht fahren müssen, mein zarter Popo würde sich aber sowas von beschweren. Für die Strecke zum Brötchenholen ist es jedoch genial. Und ich brauche nicht jedes Mal die starken Arme der Polizei oder Feuerwehr, um das Ding von oder an Bord zu bekommen.

Blick nach Westen zur Ostspitze von Norderney

Das Dorf … hm, ja … wie soll man es sagen. Es kommt mir so vor, wie der Wohnpark Gauerbach in Lingen. Wie eine Einfamlienhaussiedlung halt. Saubere, ordentliche Häuser und Grundstücke, aber nicht dicht auf der gegenseitigen Pelle, sondern mit Abstand dazwischen. Was komplett fehlt ist sowas wie ein Ortskern, vielleicht ein kleiner Marktplatz. Eine erkennbare Ortsmitte gibt es nicht. Dafür gibt es ein sauleckeres Matjes-Brötchen beim Fischhändler mittendrin. Leicht angewärmte, knusperfrische Brötchenhälften mit ebenfalls wohltemperierten Matjes-Filets. Eben nicht aus dem Kühlschrank. Ich hab selten so’n gutes Matjesbrötchen gegessen – auch in Holland nicht. Dafür braucht man keinen Marktplatz. Übrigens braucht man dafür auch keine Straßennahmen. Die gibt es nämlich nicht. Nur Hausnummern.

Und nach Norden, auf die offene Nordsee

Derzeit hat es Baltrum ein bisschen schwer. Schuld daran sind die Windparks weit draußen in der Nordsee und die Tatsache, dass deren Erzeugnis per Kabel zum Festland gebracht werden muss. Und wo soll’s langgehen mit den Kabeln? Genau – unter Baltrum durch. Nicht nur unter die Insel selbst, sondern auch unterm Baltrumer Watt hindurch, was eben dort immer wieder Großgeräte auf der Bildfläche erscheinen lässt. Mit dem Job ist TenneT (ja, hinten mit großem T) beauftragt. Wer sich dafür interessiert kann HIER mehr nachlesen.

Jedenfalls habe ich heute (Donnerstag), just nachdem ich das Baltrumer Watt befahren und in Accumersiel festgemacht hatte, Besuch von TenneT an Bord gehabt. Warum und wieso – morgen mehr. Es ist jetzt ist es 22:30. Zu spät für Aufregung … 😁.