Endspurt

Ich gebe es gern zu, dass ich in den letzten Tage eigentlich mehr trödeln wollte, als ich es dann tatsächlich auch getan habe. Stallgeruch nennt man sowas wohl, und der bleibt auch bei mir nicht ohne Wirkung. Nach den letzten Stationen wie Dokkum und Leeuwarden folgt Grou, IJlst, und jetzt bin ich schon im Heeger Meer und hab an der Insel Langehoekspolle festgemacht. Natürlich im Lee der Insel, also der windabgewandten Seite. Hier liege ich wunderbar geschützt, schaukele so still vor mich hin und genieße das Panorama an meinen Steuerbordfenstern.

Das haben sie drauf, die Holländer: Wasserbauwerke. Hier die Wasserstraße oben, die Autobahn unten – so muss es sein

Tatsächlich aber ist der Genuss ein kleines bisschen eingeschränkt. Daran ist Grou schuld, genauer: eine Pizzeria in Grou. Eine solche habe ich dort fast in Spuckweite, und schon seit einigen Wochen ist mir mal wieder nach Pizza, hab ich lange nicht mehr gehabt. Mein Fehler: ich bestelle eine Frutti di Mare, und vermutlich irgendeins der Fruttis verpasst mir schließlich einen. Unwohlsein am nächsten Morgen, was in Durchfälle und Überstrapazierung des Bordklos endet. Die Nacht ist nicht gut, am Morgen werden es 5 Lopedium sein, die ich mir reingetan habe. Damit kann die übereifrige Verklappung erstmal gestoppt werden, aber das – Familienjargon – kodderige Gefühl im Magen bleibt. Ich esse vorsichtig was und trinke Magen- und Darmtee, das hilft etwas.

massive Kirche im kleinen Grou
vor der Hubbrücke in IJlst. Doppel-Rot heißt: Feierabend, keine Bedienung, morgen früh wieder

Der Mittagsschlaf heute ist von längerer Dauer: glatte 2:15 Stunden, aber es fühlt sich gut an. Komisch nur, dass ich schon wieder hundemüde bin. Jetzt bin ich also im Heeger Meer, habe mir ein Abendessen zubereitet und auch den gewohnten Espresso danach riskiert. Ist bis jetzt gut gegangen, aber ein merkwürdiges Körpergefühl bleibt.

Was man in Grou auch fotografiert, die Kirche ist mit drauf

Morgen steht die allerletzte Etappe bis zum Heimathafen in Warns an. Einmal längs durch’s Heeger Meer, ich schätze so ca. 2 Stunden. Allerdings werde ich selbigen gleich mal links liegen lassen und durchrauschen bis Stavoren (ca. 20 Min. von Warns aus). Dort kann ich meinen Schwarzwassertank abpumpen (siehe oben 🤭), Diesel tanken, direkt vorm Supermarkt anlegen und 8 oder 9 Müllbeutel voller leerer Getränkedosen geduldig Stück für Stück in den dafür vorgesehenen Automaten schieben. Mit tun jetzt schon die armen Menschen in der Schlange hinter mir leid. Aber was soll ich machen? Vermutlich werden die ab sofort alle Deutschen für furchbar versoffene Nachbarn halten, zu denen man besser Abstand hält. Ich werde also demonstrativ die vielen Grolsch 0.0 Dosen zur Besichtigung freigeben, bevor sie im Automaten verschwinden. Vielleicht kann ich unser Image ja noch retten.

Ich hätte da mal ne neue Geschäftsidee … 😁

Erst dann werde ich zurück nach Warns tuckern. Von dort bekomme ich gerade per Fotobeweis signalisiert, dass meine angestammte Box frei ist. Für meine glorreiche Heimkehr ist also alles vorbereitet. Man wird mich mit Tröten und anderen Krachinstrumenten empfangen, ich werde von den Crew-Mädels geherzt, umschlungen und geküsst und mit Blumenkränzen überschüttet werden. Und am Abend wird man sich darum prügeln, wer mir als erster ’nen biertje ausgeben darf. Han, der Hafenchef, wird mir lebenslange Befreiung von allen Liegeplatzkosten andienen und seine Schwester Marjet mich einmal die Woche zum Dinner in ihr schnuckeliges Hafenrestaurant De Greate Pier einladen. Hach, das Leben ist schön.

Aber könnte es sein, dass diese Lopedium lustige Nebenwirkungen haben? … 🤪

*****