Doppeldrama

P1020062 Kopie kleinDer Rückweg von Enkhuizen nach Stavoren findet also unter Sommerbedingungen statt. Zunächst sogar mit Wind. Das hält aber nur so ca. 2 Stunden an, dann wird er immer weniger und zum Schluss ist von Fortbewegung nicht mehr die Rede. Null Wind! Aber so schnell gebe ich nicht auf, dann warte ich halt bis er sich wieder bequemt. Schließlich bin ich SEGLER! In der ersten halben Stunde koch ich mir nen Kaffee und futter holländische Kuchen. In der zweiten halben Stunde trinke ich ne Cola – ein Bier wär mir jetzt lieber – und futter … In der dritten halben Stunde schleudere ich Rasmus ein lautes „Scheiße“ entgegen, werfe den Motor an, nehme die Segel runter und packe sie ein. Den Code-0 in den Segelsack, das Segelkleid über das Groß – fertig! Alles hafenfein verpackt. Mit 1400 Umdrehungen –  macht fast 5 Knoten – tuckert Rüm Hart auf Stavoren zu. Keine viertel Stunde später ist er wieder da, der Wind, prächtiger als zuvor. Ich sehe Rasmus grinsen. Wieder auspacken lohnt nicht, bin gleich da. Und so diesel ich mit versuchter äußerer Gelassenheit durch ein Feld segelnder Kollegen hindurch, dich sich angesichts dieser Idealbedingungen wundern, warum da ein Idiot zu blöd zum Segeln ist.

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In der Marina von Stavoren gibt es freundliche Menschen. Einer von ihnen sieht, dass ich allein unterwegs bin und springt hilfsbereit von seinem Schiff, um meine Leinen anzunehmen. Nur leider baut er sich vor der falschen Box auf und ich falle prompt drauf rein. Nochmal wieder raus, umdrehen, neuer Anlauf. Nicht mein Tag.

Nach einem weiteren Kaffee, diesmal mit Segelkumpel Hannes, mache ich mein Boot abschiedsfertig und räume auf. Ich stehe im Cockpit und höre und sehe einen Ultraleicht-Flieger von Norden auf den Hafen – auf mich! – zukommen. Direkt über dem großen Portalkran fängt der Motor an zu stottern und – aus, Ruhe, der Propeller steht. Die Kiste geht in einen rasanten Gleitflug über, genau über mich hinweg, kurvt noch mal nach links auf den Deich zu und verschwindet am Ende des Sinkfluges dahinter. Hoffentlich ist das gut gegangen.

Keine 10 Minuten später kommt ein Politie-Hubschrauber, steht über der vermuteten Landestelle und geht schließlich ganz runter. Na Mann …

Auf dem Heimweg sehe ich auf der Wiese direkt neben der Straße den Miniflieger auf dem Kopp liegen und erfahre später aus dem Internet, dass die beiden Insassen tatsächlich unverletzt geblieben sind. Heftigen Glückwunsch den beiden! Und mir, dass die nicht in den Hafen geplumpst sind.

Vielleicht doch mein Tag?

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