Wetterwandel

Und zwar ein schlagartiger Wetterwandel. Noch vor wenigen Tagen habe ich mir den … abgefroren und jetzt ist es mir fast schon wieder zu warm. Das Titelfoto mit der Temperaturmessung im Salon wurde heute Morgen um 00:15 aufgenommen, also um Mitternacht. 20° habe ich in den ersten 3 Wochen meines Törns nur mit Hilfe meiner Bordheizung geschafft. Willkommen Sommer! Aber nun lass nicht gleich die Sau raus und denk dran, dass wir im Norden sind – nicht im mediteranen Backofen.

Schlagartig erforderlich: Sonnenzelt überm Cockpit

Erwähnenswert ist auch, dass Rüm Hart seit Vorgestern – Freitag – wieder voll betankt ist. Und zwar mit meinem Wunsch-Kraftstoff GTL. Nur deshalb bin ich eigentlich nach Accumersiel gefahren und habe an einem rostigen Schwimmponton festgemacht, der als Tankinsel dient. Die nautischen Quellen sind sich allesamt sicher, dass es genau hier genau diesen synthetischen Diesel gibt – für 2,35 € den Liter. Ganz erstaunlich ist, dass es im gesamten Wattengebiet von der Ems bis nach Wangerooge überhaupt nur diese eine Möglichkeit zum Tanken hat. Und das, obwohl die Dichte der Motoryachten mit ebenso potenten wie durstigen Motoren hier Adria-Ausmaße annimmt. Es wurde auch allerhöchste Zeit, ich hatte grad noch 8 (in Worten: acht!) Liter im Tank. Ok, plus 2 Reservekanister à 10 Ltr. in der Backskiste.

Das getankte Volumen und meine bisherigen Motorstunden scheinen mir doch in einem merkwürdigen Verhältnis zu stehen, und eine schnelle Nachrechnung ergibt, dass ich seit Start Anfang Mai einen Durchschnittsverbrauch von rund 2,4 Ltr pro Stunde habe. Also, nicht ich, sondern mein Schiff. Erstaunlich, sonst sind es eher 1,6 bis 1,8 Ltr/Std. Aber dann fällt bei mir der Groschen: 1. permanenter Gegenwind, 2. und das wird wohl der Hauptgrund sein, allabendliche Lieferung von Celsius-Graden durch die Bordheizung, die sich ebenfalls aus dem Dieseltank bedient. Ich muss nochmal nachschlagen, was für einen Stundenverbrauch meine Eberspächer Heizung laut Hersteller haben soll.

Heute, Sonntagmorgen, Frühstück im Cockpit, festgehalten von meinen netten Nachbarn.
Sehr praktisch: die Davits, an denen eigentlich ein Schauchboot baumelt, als Wäscheständer

Heute ist Sonntag. Seit Freitagabend bin ich nun auf Langeoog – und hab nichts von der Insel gesehen, außer dem Hafen. Ich bin ein Banause; mein Geständnis macht es nicht besser. Aber da ich die Bilder im Kopf eh durcheinanderschmeißen werde und sowieso bald nicht mehr erinnern werde, welches wohin gehört, ist es egal. Die Inseln sehen sich alle ähnlich; es reicht also wenn ich mir eine anschaue. Das mit dem Durcheinanderschmeißen ist übrigens keine neuzeitliche Entwicklung. Das war schon immer so. Das schiere Dasein an Bord ist Genuss in Überfülle. Mehr geht da oben nicht rein. Außerdem war es mir gestern zu warm und zu stechend-sonnig um das Rad auszupacken und zu entfalten, und heute war ich fast den ganzen Tag mit Planungen, Entscheidungen und Törnvorbereitungen für morgen beschäftigt.

Etwas anderes wird das beim kommenden Etappenziel sein. Morgen (Pfingstmontag) früh gegen 8 Uhr will ich Richtung Helgoland ablegen. Ich freue mich auf eine längere Strecke über die offene See. Der Screenshot einer öffentlichen digitalen Seekarte zeigt es. Zunächst geht es vom Hafen an der Südwestspitze von Langeoog (blau-weißer Punkt) kurz nach Hochwasser durch das Gatt zwischen Baltrum und Langeoog zur Tonne „Accumer Ee“. Das sind so ca. 5 Seemeilen. Von dort aus weiter zur „TG9/Weser2“ und dann endlich mit Nordkurs direkt auf Helgoland zu. Es werden insgesamt so ca. 35 Seemeilen werden, vielleicht auch 40. Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt noch Segel am Mast habe, lange nicht mehr benutzt. Jedenfalls wird es mal wieder höchste Zeit einen Segeltag einzulegen und eine Strecke zu fahren, ohne mit der Karte auf den Knien ständig nach Tonnen zu suchen. Die meteorologischen Bedingungen sollen für mich ideal werden, wenig Wind und ruhige See. Helgoland werde ich mir jedenfalls etwas genauer ansehen. Lange her, dass ich das letzte Mal dort war.

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