Tatsächlich ist es fast schon wieder so weit, dass die letzten Tage der Saison runtergezählt sind. Ein paar bleiben aber noch – bei hoffentlich besserem Wetter als in den letzten 3 Tagen. Samstagvormittag, ich sitze im Salon, schreibe diesen Blogeintrag, lasse mich durchschaukeln und nutze die eine oder andere Regenpause, um zum Sanitärgebouw zu flitzen. Die Teetasse neben mir wärmt innerlich und wird deshalb regelmäßig nachgefüllt. Das verschafft dem Senior-Skipper mit seiner alte-Männer-Blase aber auch Bewegung, zumindest, solange er das bordeigene Klo, bzw. das Fassungsvermögen des Schwarzwassertanks, strategisch geschickt schonen möchte. Denn ans Ablegen, um im nahen Stavoren zur Abpumpstation zu fahren, ist bei diesem Sturm und Regen nicht zu denken. Obgleich sich das Wetter heute etwas beruhigt hat. Donnerstag und Freitag – vorgestern und gestern – war es ganz erheblich heftiger. Da knallten Böen aus NNW mit weit über 30 Knoten durch den Hafen und brachten die Schiffe in Wallung. Irgendwann sehr früh morgens – es war noch stockdunkel – habe ich auf meinem Windmesser 36 Knoten (8 Beaufort) abgelesen. Im eigentlich gut geschützten Hafen wohlgemerkt. Das wird draußen auf dem IJsselmeer noch deutlich mehr gewesen sein.
Seit 10 Tagen bin ich nun allein an Bord, hab zunächst mal ein schönes Wochenende hier im Heimathafen in Warns verbracht, Freunde getroffen, gemeinsamer Kaffee, gemeinsames Bierchen. Aber am Sonntag wurden dann doch die Leinen losgeworfen und die wirklich schönen Tage auf dem IJsselmeer verbracht. Bis Mittwoch. Da wurde es dann wieder Zeit, mich zu verkriechen. Donnerstag ging es dann wie angekündigt meteorologisch los, die Wettergötter ließen allesamt die Sau raus. Ok, wir haben Oktober, da dürfen die das schon mal. Aber wenn ich so auf die zu Ende gehende Saison zurückblicke – und nicht nur auf diese -, dann fällt auf, dass solche Sturm- und Scheißwettertage mitlerweile ganzjährig stattfinden. Die saisonale Begrenztheit eines anständigen Herbststurms hat ausgedient.

Zurück zu den schönen Segeltagen. Sie waren fast schon ein kleines Korrektiv dieser Saison, denn: Vollzeug! Volle Besegelung, Genua (das große Vorsegel) plus Groß. Das hat in diesem Jahr nicht so häufig stattgefunden. Vor allem mein 3-Monats-Solotörn nach Hamburg und zurück fand zu 80 % unter Motor statt. Wetter-, Tiden- und Revier-bedingt. Umso mehr habe ich nun das Segeln bei Seniorenwetter genossen. Versöhnliche 4 Tage.


Im September hätte ich durchaus Chancen auf mehr Segeltage bei gemäßigten Bedinungen gehabt. Aber ich war auch anderweitig unterwegs. Zunächst ein langes Wochenende in London mit meinen Freunden aus der mittlerweile sehr langjährigen Englischgruppe. Inklusive eines Highlights in Form eines Treffens mit unserer jüngsten Tochte, die seit einigen Jahren in England lebt. Dann mit meinen 4 Freunden aus Lingen 10 Tage in Polen. Zunächst 3 Tage in Danzig, dann eine Woche mit der Charteryacht auf den Masuren. Das Besondere war nicht nur das Revier in unserem Nachbarland, sondern die Tatsache, dass wir zum zweiten Mal eine Motoryacht gechartert haben. Wir fünf chartern nun seit weit über 20 Jahren Segelyachten, Katamarane und niederländische Plattbodenschiffe, also fast immer Segelboote. Nur vor 8 Jahren war es ein Motorschiff auf dem Shannon in Irland. Und eben jetzt auf den Masuren.
Und – wie war’s? Nun ja, ehrlich gesagt etwas durchwachsen. Aber ich werde darüber mal in einem eigenen Blogeintrag berichten. Für heute nur dies: das Wetter war deutlich besser als vorhergesagt und die Landschaft wirklich schön, sie erinnerte mich immer wieder an die Stockholmer Schären.
So, ich habe jetzt die Bordheizung angeworfen. Die Sonne, die bislang für anständige Temperaturen in Rüm Harts Decksalon zuständig war, hat sich offenbar endgültig verkrümelt und ihren Job hingeschmissen. Am Dienstag, also in 3 Tagen, wird Sigrid an Bord kommen. Heute in einer Woche ist mit dem traditionellen Stamppoteten die Saison-Abschlussparty in unserem Hafenrestaurant, und wir beide wollen vorher und nachher gemeinsam die Saison zu Ende segeln.
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