Westwärts heißt, es geht wieder zurück, Richtung Cuxhaven und damit der äußeren Elbmündung. Hamburg ist Geschichte ebenso wie die Riesenmarina in Wedel. Noch nicht berichtet habe ich von Glückstadt, eine durchaus ansehnliche und gemütliche Stadt an der schleswig-holsteinischen Seite der Elbe. Aber die Augenweide dieses Ortes darf ich nicht gleich und sofort genießen, sondern muss erst im Außenhafen, draußen vor der Tür, festmachen. Zweieinhalb Stunden vor Hochwasser öffnet sich das Tor des Sperrwerks, das die Innenstadt vor Flutkatastrophen schützt. Dann braucht es nur noch ein ganz bestimmtes Lichtsignal, 2 lange Schallsignale aus der Tröte mit allem was die Lunge hergibt, und zack klappt auch die Fußgängerbrücke gleich hinter dem Sperrwerk nach oben – mit der ganzen Rasanz eines typisch schleswig-hosteinischen Bauwerks, dass mit „zack“ etwas sehr euphorisch umschrieben ist.
Zum Beweis meiner positiven Eindrücke von Glückstadt gibt’s jetzt einfach mal ein paar Fotos.
Eigentlich hatte ich 2 Nächte dort geplant, aber der Wetterbericht kündigt für morgen Unheil an: Temperaturen bis weit über 30°. Am späten Nachmittag ist es wieder soweit, dass das Sperrwerk öffnet. Ich schmeiße die Leinen los, parke aus meiner Box aus, tute zweimal kräftig und bis Hamburg hörbar und bin wieder draußen. Mein Plan: Gleich 2 Seemeilen nordwestlich von Glückstadt mündet die Stör in die Elbe. Ebenfalls, wie alle Nebenflüsse, geschützt durch ein Sperrwerk (hier muss man nicht tuten, sondern funken). Gleich danach liegt Steuerbord-seitig der kleine Naturhafen Borsfleth (oder auch „Störloch“) in einem ehemaligen Nebenarm. Dorthin zieht es mich, weil ich mir ausrechne, dass die angekündigten Saunatemperaturen hier in der Natur, wo es doch immerhin eine leichte Brise gibt, besser auszuhalten sind, als in einer noch so attraktiven Stadt.

Der Hafen: total marode Steganlage, die elektrische Installation auf den Stegen stammt aus Edisons Zeiten (Absicherung mit sagenhaften 2 A, man muss sich nur mit seinem Stromkabel nähern, zack – dieses Mal wirklich ZACK – fliegt die Sicherung raus), viel Natur rundum, eine sehr idyllische Hafenanlage an Land, Tische und Bänke als Seglertreff unter dicken Bäumen, ein sehr nettes Hafenmeisterpaar, saubere „Keramikabteilung“ und vieles mehr. Kurz und gut, es gefällt mir hier außerordentlich gut. Und die Flucht aufs Land erwies sich als goldrichtig. Die Stör ist übrigens der Ems landschaftlich nicht unähnlich, nur hier im Mündungsbegiet natürlich etwas breiter als unsere Ems in Lingen.
Seht selbst:
Hier bleibe ich 2 Nächte. Die zweite ist eigentlich längst angebrochen. Es ist kurz vor Mitternacht, ich sitze – nach einer sehr gründlichen Waschaktion und Wiederherstellung eines nicht-klebrigen Körpergefühls – im Schlafanzug im Salon, hab mir noch ’n Bier aufgerissen (man soll ja viel trinken bei DEN Temperaturen) und schreibe diesen Bericht zu Ende. Wenn ich ehrlich bin warte ich nur drauf, dass die Temperatur im Salon die 25°-Marke unterschreitet, bevor ich in die Koje sinke. Das Titelfoto markiert übrigens noch nicht mal den Tageshöchstwert, der lag bei 34,7°. Wie gesagt: innen im Salon! Morgen früh – Samstag – klingelt mein innerer Wecker zeitig. Um spätestens 7:30 bis 8:00 Uhr muss ich mich hier vom Acker machen. Nach Cuxhaven soll der Törn morgen gehen. Das sind rund 26 Seemeilen, die bis 13 Uhr absolviert sein müssen. Dann ist Niedrigwasser in Cuxhaven und danach beginnt die Tide wieder in die Elbe reinzulaufen. Mir entgegen also, und das würde bedeuten, dass ich nicht unerheblichen Gegenstrom hätte. Will ich nicht.
Dann hätte ich einen Tag Pause, und für Montag zeichnet sich bei den Wetterpropheten tatsächlich eine ideale Kombination aus Wetter, Windrichtung und -stärke und Tide ab, die den langen Schlag nach Wangerooge ermöglichen würde. So eine Kombi ist selten, und deshalb habe ich es eilig nach Cuxhaven zu kommen. Sollte sich diese Prognose stabilisieren, will ich vor Ort sein. Ihr dürft mir wieder mal die Daumen drücken.
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